Tobias Plien ist neuer Schulseelsorger

, Kreisdekanat Steinfurt

Die schlichte Kapelle mit der riesigen Fensterfront mag Tobias Plien ganz besonders. In der Bank sitzen zu können, den Blick in die Weite schweifen zu lassen – ein kurzer Moment der Stille, den der 52-jährige Rheinenser genießt, bevor er sich wieder ins Getümmel stürzt. Seit knapp vier Wochen ist Plien neuer Schulseelsorger am bischöflichen Arnold-Janssen-Gymnasium (AJG) – und damit der Nachfolger Michael Diercks, der vor den Sommerferien in den Ruhestand verabschiedet wurde. 

Tobias Plien ist neuer Schulseelsorger am Arnold-Janssen-Gymnasium.

© Bistum Münster

21 Jahre war Tobias Plien Pastoralreferent in der Rheiner Pfarrei St. Antonius von Padua, hat zudem viele Jahre am Kopernikus-Gymnasium katholische Religion unterrichtet und parallel dort die Schulseelsorge übernommen. „Irgendwann ist Zeit für Neues“, sagt er. Die freie Stelle als Schulseelsorger am AJG kam zur rechten Zeit: „Ich kann meine beiden Leidenschaften, die pastorale und die schulische Arbeit, hier miteinander verknüpfen.“ Für ihn ein perfektes Match. Nebenbei bringt Plien als ausgebildeter Supervisor auch Erfahrung aus der Beratung mit. Als verheirateter Vater von drei Kindern im Alter zwischen 15 und 17 Jahren weiß er außerdem, wie die Jugend tickt, fügt er mit einem Lächeln an. Das könne hilfreich sein.

Von Tag eins an sei er sehr herzlich und offen am AJG willkommen geheißen worden – vom Kollegium und von der Schülerschaft. „Sie geben mir das Gefühl, dass wir uns aufeinander einlassen, darüber freue ich mich.“ Die erste Woche nach Beginn des neuen Schuljahres habe er eine Art Schonfrist bekommen. „Dann ist es aber auch schon losgegangen.“ Der Beratungsbedarf sei groß – von allen Seiten. Lehrerkolleginnen und -kollegen fragen ihn um Rat, Eltern erzählen ihm von ihren Sorgen, aber auch die Kinder und Jugendlichen kommen mit ihren Problemen zu ihm. So ist Tobias Plien schon nach der kurzen Zeit mittendrin im Schulalltag.

Zusammen mit der neuen Schulsozialarbeiterin Meike Eßing stellt sich Plien gerade noch in den Klassen vor. Die nach den Sommerferien üblichen Sitzungen der Elternpflegschaften sowie die Konferenzen haben sie bereits genutzt, um sich bekannt zu machen: „Ich glaube, wir sind ein gutes Team.“

Der neue Seelsorger am AJG möchte gerne eine Art sicherer Anker für alle AJGler sein. Wie sein Vorgänger zeichnet auch ihn dabei aus: „Ich bin der, der nichts weitersagt.“ Diese Zusage schafft Vertrauen, davon ist Plien überzeugt. 

Schon vor der ersten Stunde ist er morgens in der Schule. Meist führt sein erster Weg ins Lehrerzimmer. Bei einer Tasse Kaffee hört er denen zu, die so früh schon da sind: „Auf dem Flur oder an der Kaffeemaschine ergeben sich immer Gespräche.“ Für manche Themen ist die Zeit zu kurz, diese werden später in seinem Büro weiter vertieft.

Tobias Plien drängt sich nicht auf: „Ich warte, bis jemand zu mir kommt.“ Ein Bibelvers aus dem Lukasevangelium beschreibt seine Haltung ziemlich gut, wie er findet: „Was willst du, dass ich dir tue?“ Eines ist ihm ebenso wichtig – und das leitet er ebenfalls als Auftrag aus dem Evangelium ab: „Freude und Leid miteinander zu teilen“. Seit dem ersten Tag hat der neue Schulseelsorger gegenüber allen AJGlern immer wieder betont, dass er auch ein offenes Ohr für die guten und schönen Nachrichten habe…

Tief berührt hat Plien der Gottesdienst für die Fünftklässler: „Das war ja auch irgendwie mein Einschulungsgottesdienst.“ Es sei zusammen gebetet und gesungen worden. „Und alles von den älteren Jahrgängen vorbereitet.“ Dazu großartige Musik. „Ich war am Ende richtig beseelt.“ 

Diese ersten Erfahrungen motivieren den Pastoralreferenten. Er möchte genau dort anknüpfen – und beispielsweise aus der schuleigenen Kapelle einen „Andersort“ machen. Vielleicht mit der Möglichkeit, eine Kerze entzünden zu können, Bilderausstellungen… Erste Ideen hat Plien aufgeschrieben und Meinolf Dörhoff und Ruth Janning von der Schulleitung vorgelegt. Gerne würde er bei der Gestaltung die Fachbereiche Religion und Kunst einbinden. „Damit der wunderbare Raum hier noch stärker das sein kann, was er ist – ein Ort, um Gott zu begegnen.“

Gudrun Niewöhner