Ulrich Pelster: Katholische Krankenhäuser – liquidieren oder kollektivieren?

, Bistum Münster

Themen gibt es viele, Meinungen noch mehr. Nicht immer werden sie sachlich vorgebracht und ausgetauscht. Und viel zu oft bestimmen Empörung, Negativität, Ich-Bezogenheit und gegenseitige Attacken die Diskussionen. „Die Montagsmeinung“, das Meinungsformat des Bistums Münster, soll hier ein anderes Zeichen setzen. Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Kirche, die sich dem Bistum verbunden fühlen, setzen sich darin mit Themen auseinander, die für sie und andere relevant und aktuell sind. Die Autorinnen und Autoren lassen es aber nicht bei Klagen und Kritik. Sie haben vielmehr konstruktive Ideen und Lösungsansätze. Diese teilen sie mit uns an dieser Stelle alle 14 Tage montags.

Die heutige Montagsmeinung hat Ulrich Pelster, Vorstand der Schwester Euthymia-Stiftung Vechta, verfasst. Die Stiftung ist Trägerin eines kleinen katholischen Krankenhausverbundes im Oldenburger Münsterland, also im niedersächsischen Teil des Bistums Münster, dem Offizialatsbezirk Oldenburg.

Ulrich Pelster

© privat

Ab dem Jahr 1952 wurde die Kollektivierung der Landwirtschaft in der DDR vorangetrieben. Es gab die staatlichen Produktionsgenossenschaften, die LPGs. Und es gab (noch) freie Bauern, die ihre Betriebe führten. Diese freien Bauern wurden in die LPGs gezwungen. Dazu musste Druck ausgeübt werden: Die LPGs waren zwar privilegiert, dennoch unproduktiver als die freien Bauern. Wie wurde der Druck ausgeübt? Nur die LPG erhielten staatliche Subventionen, moderne Technik und Infrastruktur, dadurch waren die freien Bauern nicht mehr konkurrenzfähig. Wie die Geschichte ausgegangen ist, wissen wir alle.

In Deutschland gibt es 244 katholische Krankenhäuser, die jedes Jahr mehr als drei Millionen Patienten versorgen. Sie alle zählen zu den sogenannten freigemeinnützigen Krankenhäusern: Sie müssen keine Rendite für Investoren erwirtschaften – wenn sie jedoch unwirtschaftlich arbeiten, kann das zum wirtschaftlichen Tod führen. Es eint sie eine lange, oft ordensgeprägte Historie und eine besondere Hinwendung zu den Menschen – ob Patienten oder Mitarbeiter. 

Im Bistum Münster und auch im Offizialatsbezirk Oldenburg sind die katholischen Krankenhäuser für die Versorgung der Menschen besonders wichtig. Sicher kennt jeder von Ihnen ein katholisches Krankenhaus in seinem Umfeld, war dort Patient oder wurde dort geboren. Diese katholischen Hospitäler übernehmen ihre Aufgabe subsidiär. Verantwortlich für die stationäre Versorgung sind die Landkreise, die katholischen Krankenhausträger stehen letztlich anstatt der Landkreise zur Erfüllung dieser Aufgabe bereit.

Natürlich gibt es in Deutschland auch unmittelbar kommunale Krankenhäuser. Mit etwa 600 von 1.800 ist das die größte Gruppe. Die Qualität von Medizin und Pflege in diesen Krankenhäusern ist nicht weniger wert als in anderen Hospitälern. Kommunale Krankenhäuser sind oft defizitär. In aller Regel werden diese Defizite aber von den Trägern übernommen. Diese Defizitübernahme beläuft sich auf mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr. Das bedeutet, dass die kommunalen Krankenhäuser auch in Zeiten, die für Krankenhäuser wirtschaftlich schwierig sind, überleben.

Was hat das Ganze mit der Kollektivierung in der DDR zu tun? Die Zeiten für Krankenhäuser sind derzeit in Deutschland schwierig. Viele schreiben Verluste. Bundesgesundheitsministerin Warken hat nun einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der das noch einmal deutlich verschärft. Bei einer Umsetzung wird es für sehr viele Krankenhäuser zu sehr hohen, existenzgefährdenden Defiziten kommen. Und was wird dann geschehen?

Das Defizit der kommunalen Krankenhäuser wird weiter von den Landkreisen übernommen werden. Diese Möglichkeit gibt es für die katholischen Krankenhäuser nicht. Sie werden also ungleich behandelt. Im Ergebnis werden die katholischen Krankenhäuser sterben. Dort, wo es anders nicht möglich ist, werden sie von den Landkreisen übernommen werden. Damit werden sie als katholische Krankenhäuser verschwinden. Die Defizite natürlich nicht, die Verluste steigen noch weiter.

Die freien Bauern wurden in die Kollektivierung gezwungen – obwohl oder sogar weil sie erfolgreich waren. Das ist heimtückisch. 

Wie die Geschichte ausgegangen ist, wissen wir alle. Daraus gelernt haben wir offenbar nicht.

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