Der Umweltbischof der Deutschen Bischofskonferenz hört aufmerksam zu, als Hunzelar und der Klever Kreislandwirt Michael Seegers davon berichten, wie sich das Klima auf die Ernte auswirkt. Hitze und Trockenheit sowie die dadurch notwendige Bewässerung würden den Pflanzen zusetzen, entsprechend schlecht falle vielerorts die Ernte aus. „Wir werden in Zukunft mehr mit solchen Sommern zu tun haben“, befürchtet Seegers, „daher müssen wir uns stetig anpassen. Wir pflanzen neue Sorten an und müssen dazu auch in die passenden Maschinen investieren.“
Das betreffe nicht nur die Feldfrüchte wie Mais, Zwiebeln, Kartoffeln und Rüben – auch das Gras könne in diesem Jahr nicht so oft geschnitten werden. Damit aber fehlt Futter für die Tiere. „Es reicht vorne und hinten nicht, es fehlt sogar die Möglichkeit, ausreichend nachzukaufen“, berichtet der Kreislandwirt. Auf Lohmanns Frage, wie die Landwirte das Problem lösen, zuckt Seegers resigniert mit den Schultern: „Die Tiere werden verkauft und keine neuen mehr angeschafft. Was will man machen, wenn man kein Futter bekommt?“ Ein weiteres Problem sei der enorme Anstieg der Energiepreise. „Wir sind für die Ernte auf die großen Landmaschinen angewiesen. Die hohen Kraftstoffpreise schlagen bei uns Landwirten schnell mit mehreren 10.000 Euro zu Buche, die uns niemand ersetzt.“
Noch auf dem Feld zieht der Weihbischof ein erstes Fazit: „Es ist erschreckend, wenn man die Auswirkungen des Klimawandels direkt vor Ort mitbekommt. Das extreme Niedrigwasser im Rhein mit seinen Auswirkungen auf die Handelswege. Die teils verheerenden Waldbrände, die in weiten Teilen Deutschlands und Europas und auch in meiner Region gewütet haben. Und nun hier die trockenen Ackerböden, die für Ernteausfälle sorgen, deren Folgen wir gar nicht alle überblicken können. Der Klimawandel betrifft jeden von uns und er ist nicht wegzuleugnen. Wir alle müssen mehr in die Bewahrung der Schöpfung investieren.“
Hunzelars Ehefrau Nadja macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: „Die Verbraucher spielen mit ihrem Kaufverhalten eine wichtige Rolle. Viele greifen eher zu den billig produzierten Kartoffeln, die aus Ägypten importiert werden, als zu den regionalen. Außerdem werden Produkte, die nicht der Norm entsprechen, einfach liegengelassen. Aber auch eine krumme Karotte und eine kurze Gurke kann man essen“, betont sie. Lohmann nickt zustimmend: „Das ist auch einer der Punkte, die die Deutsche Bischofskonferenz in ihren 10 Thesen zum Klimaschutz formuliert hat. Darin heißt es, dass in der Ernährung und im Umgang mit Lebensmitteln ein Umdenken erforderlich ist. Den Vorrang sollen Lebensmittel aus einer nachhaltigen Landwirtschaft haben, überwiegend regional und saisonal erzeugt und vermarktet. Und wir müssen der Kultur des Wegwerfens von Lebensmitteln entgegenwirken.“
Anfang Oktober wird in der katholischen Kirche das Erntedankfest gefeiert, zudem wird in vielen christlichen Gemeinden im September die Schöpfungszeit gefeiert. Daher hat Weihbischof Rolf Lohmann mit Landwirten gesprochen, um sich vor Ort über die Auswirkungen des spürbaren Klimawandels auf die Ernte zu informieren. Lohmann ist bei der Deutschen Bischofskonferenz für Umwelt- und Klimafragen zuständig und Vorsitzender der Arbeitsgruppe für ökologische Fragen der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen.
Christian Breuer

