Ungewöhnliche Gottesdienstreihe zum Jahr der Barmherzigkeit in Dorsten

Seit Pfingsten laden die katholischen Kirchengemeinden St. Josef, St. Marien und St. Paulus in Dorsten-Hervest gemeinsam mit St. Bonifatius und St. Antonius in Dorsten-Holsterhausen zu einer ungewöhnlichen Reihe von Gottesdiensten ein.

An sieben aufeinander folgenden Sonntagen, jeweils um 17 Uhr, finden an sieben verschiedenen Orten Gottesdienste statt, die sich jeweils mit einem Werk der Barmherzigkeit beschäftigen.

Entstanden ist die Idee bei einem der regelmäßig stattfindenden Treffen der Seelsorgerinnen und Seelsorger der Pfarreien in den beiden Dorstener Ortsteilen. "Gemeinsam haben wir uns Gedanken gemacht, wo wir Orte finden, die zu den Werken der Barmherzigkeit passen", berichtet Pastoralreferent Kai Kaczikowski. Schnell hätten sie Einfälle dazu gehabt. "Nur beim Werk ‚Gefangene besuchen‘ gestaltete es sich schwierig. Wir haben in Dorsten kein Gefängnis", erklärt der Stadtjugend- und Schulseelsorger. Doch ein Buch habe in diesem Fall geholfen. "Ich habe mich daran erinnert, dass der Autor Andreas Englisch über die letzten Tage von Papst Johannes Paul II. berichtet hat und darüber wie die Krankheit ihn in seinem Körper gefangen hielt", erklärt der 47-Jährige. "So haben wir die Überschrift gewählt ‚Gehandicapte begleiten‘. Den Gottesdienst feiern wir im Haus Tisa, einem Wohnheim für Menschen mit geistigen Behinderungen", ergänzt Annegret Lewin, Pastoralreferentin in St. Antonius und St. Bonifatius in Holsterhausen.

Insgesamt sei der Begriff der Barmherzigkeit für viele Menschen sperrig. "Wir vermitteln mit diesem Angebot einen anderen Zugang. Es wird griffiger, wenn man an die Orte geht, wo Barmherzigkeit gelebt wird", berichtet Kaczikowski, der sich anfangs selbst mit der Begrifflichkeit auseinander gesetzt hat.
Bislang wurden drei Gottesdienste an ungewöhnlichen Orten gefeiert. Den ersten haben Pfarrer August Hüsing und Petra Barciaga gemeinsam vorbereitet. In "Momo’s Kleiderkiste", einem Second-Hand-Shop, der von der Gemeindecaritas St. Josef gegründet wurde, ging es um das Werk "Nackte bekleiden". "Es war eine besondere Stimmung. Die 25 Teilnehmer kamen aus allen Gemeinden", berichtet Barciaga, die sich ehrenamtlich in der Kleiderkiste engagiert. Zum zweiten Gottesdienst, der zum Thema "Fremde beherbergen" in einer Flüchtlingsunterkunft gestaltet wurde, kamen rund 60 Menschen. "Auch Bewohner des Hauses waren dabei", weiß sie und Lewin ergänzt: "Wir haben die Hoffnung, dass wir durch die ungewöhnliche Ortswahl auch Menschen außerhalb der Gemeinden ansprechen." Am gestrigen Sonntag, 5. Juni, ging es im Wasserwerk in Holsterhausen um das Werk "Durstige tränken".

Allen Gottesdiensten gemeinsam ist ihr Aufbau. "Er ist angelehnt an die Fotoausstellung zu den ‚Sieben Werken der Barmherzigkeit heute‘ der Clemensschwestern", informiert Kaczikowski. Zuerst werden "Fakten" zum jeweiligen Ort vorgestellt. Im zweiten Schritt "An-Denken" gibt es einen Impuls, der das Thema aufgreift und vertieft. Den dritten Abschnitt "Weiter-Denken" bildet eine entsprechende Bibelstelle. Es folgen die frei vorgetragenen Fürbitten, das Vaterunser und der Abschlusssegen. Jeweils ein Mitglied aus dem Seelsorgeteam ist für die Vorbereitung eines Gottesdienstes, der in der Regel 30 Minuten dauert, verantwortlich. "Wir haben einfach einmal etwas anderes ausprobiert und gewagt. Das Konzept ist stimmig und es funktioniert", freut sich Kaczikowski.

Die Reaktionen auf die ersten drei Gottesdienste geben den Organisatoren Recht. "Die Menschen sind aufgeschlossen und machen mit. Wir sprechen damit auch andere Zielgruppen an", hat Barciaga erfahren.
Folgende Gottesdienste werden an den kommenden Sonntagen jeweils um 17 Uhr in dieser Reihe noch gefeiert:

12. Juni, "Gehandicapte begleiten" im Haus Tisa;
19. Juni, "Kranke besuchen" beim Bahrenberg Pflegedienst;
26. Juni, "Hungrige speisen" in der Lehrküche St. Bonifatius;
3. Juli, "Tote bestatten" auf dem Katholischen Friedhof Dorf Hervest.

Bildunterschrift: Zum Abschluss des Gottesdienstes am Wasserwerk in Holsterhausen zum Thema "Durstige tränken" gab es für die Teilnehmer ein Glas Wasser, das sie achtsam tranken.

Text: Bischöfliche Pressestelle / 06.06.16
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