Unterricht im Stall und auf dem Feld
Ackerbau, Viehzucht, Gemüseanbau – es sind diese Unterrichtsfächer, die Camilas Schule von anderen unterscheiden.
Die 16-Jährige aus dem Nordosten Brasiliens hat bis vor kurzem die dortige Familienlandwirtschaftsschule Manoel Monteiro besucht, die von der Pfarrei St. Pankratius in Buldern finanziell unterstützt wird.
Seit 30 Jahren besteht die Partnerschaft der Bulderner Pfarrei zur dortigen Gemeinde Vitorino Freire im Bistum Bacabal, eines der ärmsten Bistümer Brasiliens. Drei Wochen lang sind Camila, ihre Freundin Alaiza, Lehrer Isaque und die Ordensschwester Teresinha derzeit zu Besuch in Buldern, um Land und Leute kennenzulernen. Am 24. April trafen die lateinamerikanischen Gäste Weihbischof Dr. Stefan Zekorn in Münster, um ihm von den Projekten der Partnerschaft zu erzählen.
"Der Unterricht findet bei uns in Seminarabschnitten statt", erklärte Lehrer Isaque. Zwei Wochen leben die Schüler in der Schule und gehen dann für zwei Wochen nach Hause, um das Erlernte mit ihren Familien und Dorfbewohnern zu teilen und praktisch umzusetzen. "Wir haben einen Garten, Früchtebäume und Hühner", erzählte Camila, "das hatten wir vor meinem Schulbesuch nicht. Die ganze Familie hat davon profitiert." Ziel dieses Schulsystems sei es, die Menschen mehr und mehr an ihr Land zu binden und die Landflucht mit ihren verheerenden Folgen wie die Massenverelendung in Slums zu stoppen, sagte Isaque. Schulgeld gebe es an der Landwirtschaftsschule nicht, die Eltern unterstützten die Schule mit ihrer Arbeitskraft oder mit Naturalien. Durch die regelmäßige finanzielle Unterstützung der Pfarrei St. Pankratius könnten die Gehälter der Lehrer bezahlt werden, ergänzte er. Begleitet werde das Projekt von Beginn an von der Franziskaner Mission.
Der Weihbischof informierte sich auch über das zweite Projekt der Partnerschaft, ein Katechesezentrum in dem kleinen Ort Brejo d´areia, rund 40 Kilometer von Vitorino Freire entfernt. Drei Franziskanerschwestern sind dort tätig, darunter auch Schwester Teresinha, die mit nach Buldern gekommen ist. Vor Ort werden sie von ausgebildeten Katecheten unterstützt. Schwester Teresinha weiß um den Nutzen des Zentrums: "Kindern und Jugendlichen wird so die Möglichkeit geboten, den Religionsunterricht zu besuchen und sich in regelmäßigen Gruppentreffen auf die Sakramente vorzubereiten."
Andreas Große-Boes, Angela Kortmann und Brigitte Kentrup vom Ausschuss "Partnerschaft Grenzenlos" der Pfarrei St. Pankratius, die die Gäste zum Treffen mit Weihbischof Zekorn begleiteten, freuen sich über die lebendige Partnerschaft. "Eines der Ziele ist ein gegenseitiger Austausch von jungen Erwachsenen der Landwirtschaftsschule und unserer Pfarrei", sagte Angela Kortmann. Schon jetzt freuten sich die Jugendlichen auf den geplanten Gegenbesuch im kommenden Jahr in Vitorino Freire.
Bildunterschriften: Über den Besuch im Bischofshaus freuten sich die Gäste aus Brasilien, Sr. Teresinha (2. von links), Camila (4. von links), Alaiza (4. von rechts) und Isaque (3. von rechts), hier mit Weihbischof Dr. Stefan Zekorn und Vertretern der Pfarrei St. Pankratius.
Text: Bischöfliche Pressestelle / 27.04.2017
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
Foto: Bischöfliche Pressestelle/Ann-Christin Ladermann
