„Schon als Schülerin habe ich diese besondere Atmosphäre gespürt“, erinnert sich die neue Schulleiterin. „Hier herrscht etwas Familiäres, etwas Verbindendes. Das hat mich nie ganz losgelassen.“ Dass sie einmal die Leitung des Berufskollegs in bischöflicher Trägerschaft übernehmen würde, das 320 Schülerinnen und Schüler in vier Bildungsgängen besuchen, war lange keineswegs selbstverständlich. Vielmehr sei der Gedanke zunächst von außen an sie herangetragen worden. „Ich hatte nie den Anspruch, irgendwann Schulleiterin zu werden“, sagt sie offen. Die Entscheidung reifte über einen längeren Zeitraum. Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen, Freunden und der Familie, aber auch eine supervisorische Begleitung halfen ihr dabei, den Weg für sich zu klären. „Irgendwann habe ich gedacht: Jetzt wage ich diesen Schritt.“
Ursula Jesussek ist Schulleiterin am Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg
, Kreisdekanat Recklinghausen
Für Ursula Jesussek schließt sich ein Kreis. Als junge Frau absolvierte sie am Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg in Recklinghausen ihre Ausbildung zur Erzieherin. Seit 2011 gehört sie als Lehrerin zum Kollegium. Seit dem 1. August trägt sie die Verantwortung für die Schule, die sie selbst geprägt hat und von der sie zugleich geprägt wurde.

Ursula Jesussek ist seit dem 1. August die neue Schulleiterin am Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg in Recklinghausen.
© Bistum MünsterWer mit Ursula Jesussek über Schule spricht, merkt schnell, dass sie Leitung nicht als Frage von Hierarchien versteht. „Mir geht es nicht um Machtausübung“, sagt sie. „Ich habe immer die Idee von gemeinsam gestalten.“ Entscheidungen seien manchmal notwendig und müssten getroffen werden. Gleichzeitig sei es ihr wichtig, Menschen einzubeziehen, Ideen aufzugreifen und Entwicklungen gemeinsam auf den Weg zu bringen.
Das katholische Profil der Schule fasst sie in einem Wort zusammen: „Spirit.“ Dahinter steckt für sie weit mehr als religiöse Angebote. Es geht um eine Grundhaltung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Um Wertschätzung, Verlässlichkeit und die Überzeugung, dass Lernen dort gelingt, wo sich Menschen angenommen fühlen. „Wenn Menschen sich sicher und angenommen fühlen, sind sie bereit zu lernen“, sagt die 54-Jährige.
Diese Haltung begleitet sie schon ihr ganzes Leben. Aufgewachsen in Olfen, wurde sie durch Familie und Gemeinde geprägt. Ihr Vater war Diakon mit Zivilberuf, sie engagierte sich in der kirchlichen Jugendarbeit. Bis heute gestaltet sie als Mitglied im Instrumentalkreis in St. Vitus mit ihrer Querflöte musikalisch besondere Anlässe im Kirchenjahr mit. „Diese Werte weiterleben zu dürfen und im Umgang miteinander zu spüren, ist für mich etwas sehr Wichtiges“, sagt die Mutter von vier erwachsenen Kindern.
Auch deshalb sieht sie katholische Schulen als wichtige Orte der Kirche von morgen. Gerade in einer Zeit, in der viele junge Menschen kaum noch Kontakt zu kirchlichen Angeboten haben, könnten Schulen Begegnungsräume schaffen. „Wenn wir junge Menschen noch erreichen wollen, geht das besonders in solchen Institutionen“, ist sie überzeugt.
Ein Anliegen ist ihr dabei die stärkere Vernetzung im künftigen Pastoralen Raum Recklinghausen. Gemeinsam mit den Schulseelsorgerinnen, den bischöflichen Schulen – die Erich-Klausener-Schule in Herten und die Maristenschule in Recklinghausen – sowie den Akteuren vor Ort möchte sie neue Brücken bauen. „In dem Moment ist Schule auch Gemeinde“, sagt sie. Deshalb engagiert sie sich bereits in verschiedenen Netzwerken und Austauschformaten. Ziel sei es, jungen Menschen Wege aufzuzeigen, Glauben und Gemeinschaft auch außerhalb des Unterrichts zu erleben.
Dabei geht es ihr ausdrücklich um Offenheit. Das zeige sich gerade in einer Stadt wie Recklinghausen, in der viele Kulturen und Religionen zusammenkommen. Besonders bewegt sie, wenn Schülerinnen und Schüler anderer Konfessionen Rückmeldung geben, dass sie sich an der Schule gesehen, verstanden und respektiert fühlen. „Dann denke ich, haben wir im Sinne eines christlichen Menschenbildes und als Schule ohne Rassismus gute Arbeit geleistet.“
Für die kommenden Jahre hat sich Ursula Jesussek vorgenommen, die am Alexandrine-Hegemann-Berufskolleg gelebten Werte zu bewahren. „Ich habe mich hier immer sehr wohlgefühlt. Als Schülerin und als Kollegin“, sagt sie. „Und genau das wünsche ich auch den Menschen, die heute hier lernen und arbeiten.“ Wichtig ist für sie aber auch, die Schule gemeinsam mit dem Kollegium sowie der Schülerschaft weiterzuentwickeln und auf gesellschaftliche Veränderungen Antworten zu finden. „Die uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler sollen an unserer Schule die Möglichkeit haben, sich persönlich weiterzuentwickeln sowie ihren angestrebten Schul- oder Berufsabschluss zu absolvieren.“
Michaela Kiepe
