Vätergruppe der JVA Kleve gewinnt Preis bei bistumsweitem Wettbewerb

Kinder haben das Recht, ihren Vater zu sehen – egal, in welcher Situation dieser ist. Dieser Grundgedanke hat die Vätergruppe der Justizvollzugsanstalt (JVA) Kleve auf die Idee gebracht, einen ganz besonderen Raum in dem Gefängnis einzurichten, der anders ist als alle anderen in der Anstalt.

"Wir wollten einen Ort schaffen, an dem sich Kinder mit ihren Vätern ganz normal begegnen können", sagt Pastoralreferent Reiner Rosenberg.

Während im Umfeld graue Wände, tristes Möbiliar und Gefängnisgitter das Bild dominieren, begrüßen hier Spielzeug, Wandbilder und bunte Sitzsäcke die jungen Bescher. "Das ist eine tolle Idee, die aber nicht von der JVA, sondern von der Vätergruppe hier im Gefängnis ausgegangen ist", betont Anstaltsleiter Klaus-Dieter Schweinhagen.

Auch das Bistum Münster fand die Idee überzeugend. Beim Wettwettbewerb anlässlich des Domjubiläums, das von Freitag bis Sonntag (26. bis 28. September 2014) unter dem Motto "Willkommen im Paradies" gefeiert wird, erhielt der Besuchsraum einen der drei Preise im Kreisdekanat Kleve. Ausgezeichnet werden Projekte, die die Welt ein bisschen besser machen und eine Idee vom Paradies konkret werden lassen. Unter 100 eingereichten Vorschlägen setzte sich die Vätergruppe in Kleve durch.

Alle zwei Wochen trifft sich die Gruppe im Gefängnis, zehn bis zwölf Insassen tauschen sich dann über ihre Gedanken, Probleme und Ängste aus. "Wie ehrlich man mit seinen Kindern umgeht, ist immer ein Thema", sagt Reiner Rosenberg. Oftmals werde diesen erzählt, der Vater sei im Krankenhaus oder auf Montage. "Die Männer wollen ihre Familie sehen, den Kindern aber den Gang ins Gefängnis ersparen", erzählt der Pastoralreferent. "Häufig sind die Angehörigen die wirklich Bestraften, nicht nur aus sozialen und finanziellen, sondern auch aus emotionalen Gründen", meint dazu JVA-Leiter Schweinhagen.

Der neue Raum schafft jetzt eine Atmosphäre, bei der Besucher empfangen werden können, ohne das permanente Gefühl zu haben, gefangen zu sein. "Deshalb ist er auch schon sehr beliebt. Viele der Kinder steuern den Raum direkt an, wenn sie kommen", sagt Reiner Rosenberg. Ein paar Minuten Zeit bedeuten manchmal eben die Welt. "Der Besuch ist ein ganz wichtiger Teil des Kontakts zwischen der Familie und dem Insassen", erläutert Rosenberg.

Dabei kam nicht nur die Idee von Häftlingen; auch für die Umsetzung waren sie verantwortlich. "Wir haben keine öffentlichen Gelder benötigt. Vieles ist in Eigenregie entstanden, und der Förderverein hat sich sehr honorig gezeigt", schildert Klaus-Dieter Schweinhagen. So haben die Insassen eine Schatztruhe und Möbel gebaut, ein buntes Wandgemälde zeigt Vater und Kind, die an einem Fluss entlang spazieren, Blumen und Schmetterlinge. "Mit relativ kleinen Mitteln konnten wir etwas Großes schaffen. Es ist klasse, wie jeder Häftling sein Talent einbringen konnte", findet Reiner Rosenberg.

Dass auch das Bistum Münster das Projekt wertschätzt, freut nicht nur die Leitung der JVA, sondern auch die Männer, die dort ihre Strafe absitzen. "Sie bekommen das Gefühl, dass etwas, dass sie selbst geplant und verwirklicht haben, gesehen wird und erfolgreich sein kann", begründet der Pastoralreferent. Eine Erfahrung, die viele der Väter außerhalb des Gefängnisses noch nicht gemacht hatten.

Text: Bischöfliche Pressestelle
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