Veranstaltung im Franz Hitze Haus nimmt Papst-Schreiben

"Evangelii Gaudium" (Die Freude des Evangeliums) ist eine Herausforderung und macht für jeden einzelnen eine Gewissenserforschung notwendig.

Das hat der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, am Abend des 24. Januar 2014 im Franz Hitze Haus in Münster betont. Mehr als 300 Interessierte waren gekommen, um von Bischof Genn, Akademiedirektor Prof. Dr. Thomas Sternberg und Prof. Dr. Norbert Hintersteiner von der Uni Münster zu hören, welches die zentralen Inhalte des Schreibens sind und worin seine Bedeutung liegt.

Bischof Genn sagte, dass er von dem Schreiben begeistert sei und dass es ihn zugleich sehr bewege: "Hier spricht jemand anders als man das bisher von päpstlichen Lehrschreiben kannte. Hier spricht ein Pastor der Weltkirche." In dem Schreiben werde sehr deutlich, dass Papst Franziskus Jesuit sei und es habe den Charakter von "systematischen Exerzitienvorträgen". "Evangelii Gaudium", so räumte der Bischof ein, stelle mehr Fragen, als auch er selbst unmittelbar beantworten könne. Er nannte Beispiele: "Was bedeutet es konkret, eine arme Kirche für die Armen zu sein?" – "Was heißt das für den Umgang der Kirche mit Geld, für den Lebensstil eines Bischofs, für den Umgang der Kirche mit den Armen?" – "Wie können wir den Umgang mit den Sakramenten so gestalten, dass er barmherzig ist?" – "Wie wird künftig das Amt des Bischofs von Rom zu verstehen sein im Verhältnis zu den Bischofskonferenzen in aller Welt?"

Der Bischof unterstrich, dass das Schreiben auch sehr stark von einer lateinamerikanischen Perspektive bestimmt sei. Wie im Abschlussdokument der Generalkonferenz der Bischofskonferenzen von Lateinamerika in Aparecida aus dem Jahr 2007 so werde auch in "Evangelii Gaudium" betont, dass jede Christin und jeder Christ ein Missionar sei. Jeder Getaufte habe den Auftrag bekommen, als Gesandter zur Evangelisierung beizutragen. Dabei verstehe Papst Franziskus Mission nicht als etwas, das den Christen aufgebürdet sei, sondern die Botschaft laute vielmehr: "Ich bin eine Mission auf dieser Erde." Am meisten fasziniert, so sagte der Bischof weiter, habe ihn gleich der erste Satz von "Evangelii Gaudium", wo es heiße: "Die Freude des Evangeliums erfüllt das Herz und das gesamte Leben derer, die Jesus begegnen."

Zu Beginn der Veranstaltung hatte auch Akademiedirektor Sternberg betont, dass dieses Schreiben anders sei als andere päpstliche Schreiben. Die Sprache sei "ganz unmittelbar", es gebe eine Reihe "packender Sprachbilder". Sternberg gab einen Überblick über das Lehrschreiben und unterstrich unter anderem, dass für Papst Franziskus kirchliche Aktivität ohne soziales Handeln undenkbar sei. Dass kirchliche Strukturen nicht der Selbstbewahrung dienen dürften, dass auch das Papstamt selbst reformierbar sein müsse, dass auch die Bischofskonferenzen eine gewisse "authentische Lehrautorität" hätten, dass die Eucharistie "Nahrung für die Schwachen" sei, dass unternehmerische Tätigkeit dann zu begrüßen sei, wenn sie dem Gemeinwohl diene, waren einige von zahlreichen Aussagen aus dem Lehrschreiben, die Sternberg vorstellte. "Das Revolutionäre" an dem Text sei, dass er jede und jeden einzelnen persönlich meine und anspreche: "Es kommt auf jede und jeden Einzelnen von uns an", sei die Botschaft von "Evangelii Gaudium".

Prof. Hintersteiner vom Institut für Missionswissenschaft und außereuropäische Theologien an der Universität Münster erinnerte daran, dass Papst Franziskus schon im Vorkonklave vor der Papstwahl eine "verkündigende Kirche", die aus sich selbst herausgehe und für Hoffnung und Gnade stehe, einer "mondänen Kirche", die in der Tradition verhaftet sei, entgegen gestellt habe. Papst Franziskus, so sagte Hintersteiner, wolle eine "Kommunikation zwischen den Herzen" und sei bereit, alles das, was er in "Evangelii Gaudium" von den Katholiken fordere, auch selbst zu leben. So spreche er sich etwa aus für Predigten, die nahe an dem Leben der Menschen sein sollten, er rufe jeden einzelnen zur Umkehr auf und betone, dass der Weg der Armut eine zentrale Bedeutung in der missionarischen Arbeit der Kirche haben solle. Für Prof. Hintersteiner ist "Evangelii Gaudium" die Aufforderung "unser Christsein ganz neu anzugehen". In dem Dokument, das viele sicher auch überfordere, stecke "ein großes, revolutionäres Potenzial". Die Frage sei nun: "Wie lassen wir es an uns heran, sowohl auf der individuellen Ebene, aber auch auf der strukturellen Ebene und nicht zuletzt auch auf der eingefahrenen Privilegienebene?"

Text: Bischöfliche Pressestelle
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