Während sie gemeinsam über den Friedhof gehen, kommen sie schnell auf eigene Erfahrungen mit dem Sterben und dem Tod zu sprechen. „Das sind Themen, die von vielen Menschen lieber beiseitegedrängt werden“, sagt Brigitte Radoy, „aber es ist klar, dass das Sterben ein Teil des Lebens ist. Durch den ehrenamtlichen Dienst als Beerdigungsleiterin werde ich daran deutlicher erinnert.“ Sie möchte den Verstorbenen einen würdigen Abschied ermöglichen, denkt aber auch an die Hinterbliebenen. „Einen Menschen zu beerdigen bedeutet auch, die Angehörigen zu begleiten“, sagt sie.
Das bestätigt Veronika Tarnow und ergänzt, dass die Grundlagen dafür schon beim Trauergespräch mit Familie oder Freunden der verstorbenen Person gelegt werden. „Man klingelt bei Menschen, die man vielleicht nie zuvor gesehen hat und muss mit ihnen ins Gespräch kommen, damit sie etwas über den Verstorbenen erzählen. Zwar habe ich dazu schon einige Fragen im Hinterkopf, aber natürlich muss man dabei auch sehr sensibel vorgehen“, sagt sie. Das habe sie während der Ausbildung gelernt.
Veronika Tarnow und Brigitte Radoy sind zwei von zwölf Frauen und Männern, die von Weihbischof Rolf Lohmann im Xantener Dom für den Trauer- und Begräbnisdienst beauftragt worden sind. Vorausgegangen war eine intensive Ausbildung, in der es unter anderem um theologische und rechtliche Fragen ging, aber auch um die Gespräche mit Trauernden und die Ansprache während der Begräbnisfeier. Organisiert wurde die Ausbildung von den Katholischen Bildungsforen Kleve und Wesel unter Leitung von Mick Michels.
Auch wenn sie seit ihrer Beauftragung noch keine Beerdigung geleitet haben, wissen sie aus ihrem Dienst bei den Wort-Gottes-Feiern, dass die Gemeindemitglieder ihren Einsatz anerkennen. „Ich spüre die Akzeptanz in der Gemeinde“, sagt Veronika Tarnow. Dem stimmt Brigitte Radoy zu: „Nach einigen Gottesdiensten kommen Gemeindemitglieder, um sich zu bedanken. Ich mache das, weil es mir Freude bereitet und auch mir selbst viel gibt. Für die Gottesdienste bei Beerdigungen wünsche ich mir, dass die Hinterbliebenen in der schwierigen Zeit, die sie oft durchmachen, dennoch mit einem positiven Gefühl auf die Trauerfeier zurückblicken können.“
Christian Breuer

