Viel Lob für die Efl

"Ihr Tun ist fundamental christliches Tun aus dem Hören auf das Wort Gottes. Was Sie tun, geschieht aus Liebe zu den Menschen."

Mit Worten des Dankes, des Lobes und der Ermutigung hat Münsters Bischof Dr. Felix Genn die Arbeit der Mitarbeiter der Ehe-, Familien-, und Lebensberatung (EFL) im Bistum Münster gewürdigt. Der Bischof predigte am 10. Juni beim Festgottesdienst aus Anlass des 50jährigen EFL-Jubiläums in der Hiltruper Clemenskirche und bekannte: "Ich bin stolz auf das, was in diesen 50 Jahren geleistet wurde".

Mehrere hundert Menschen, Mitarbeiter aus der EFL und vom Generalvikariat, kirchliche Würdenträger, politische Mandatsträger und Verantwortliche aus kommunalen und Kreisverwaltungen waren zu der Feier gekommen, die mit einem Festakt in der Hiltruper Stadthalle fortgesetzt wurde. EFL-Leiter Dr. Markus Wonka begrüßte die Anwesenden herzlich und führte gut gelaunt und mit Esprit durch eine lebendige und humorvolle Festveranstaltung. Für inspirierende musikalische Intermezzi sorgten die "Zucchini Sistaz", ein Damentrio, dass neben mehrstimmigen Gesang begleitet von Trompete oder Posaune, Kontrabass und Gitarre auch spritzig-schlagfertige verbale Einsprengsel und Publikumsanimation bot.

Wonka erinnerte zum Einstieg an die Eröffnung der ersten hauptamtlich besetzten Beratungsstelle am 20. April 1965 in Münster. Von vorn herein seien die katholischen Beratungsstellen offen gewesen für alle Menschen in Not, unabhängig von gesellschaftlichem Status, Familienstand, Alter, Religion, Nationalität oder sexueller Orientierung, betonte Wonka. Das Beratungsangebot sei in den Jahrzehnten immer weiter entwickelt worden "entlang der Bedarfe und Bedürfnisse der Ratsuchenden, der Kirche und der Gesellschaft". Das in den 50 Jahren in die EFL Geld sei "ausgesprochen gut investiert", eine konstant wachsende Nachfrage nach Beratung belege die Notwendigkeit der EFL-Arbeit, weshalb Kirche und Gesellschaft gut beraten seien, auch künftig darauf bauen.

Im Grußwort der Bistumsleitung bezeichnete Generalvikar Norbert Kleyboldt die 50jährige Arbeit der EFL im Bistum als "ein Erfolgsmodell". Allein von 1992 bis 2014 sei die Zahl der Ratsuchenden um 200 Prozent gestiegen, im Jahr 2014 sei in mehr als 11.400 Fällen beraten worden. Mit 225 Mitarbeitern in 37 Beratungsstellen sei die EFL heute flächendeckend und dezentral gut ausgebaut; eine 38. Beratungsstelle werde noch 2015 in Xanten eröffnet. Ausdrücklich dankte auch der Generalvikar den Mitarbeitern und Beratern, besonders den EFL-Leitern Dr. Josef Köhne, Norbert Wilbertz und Dr. Wonka. Kleyboldt stellte heraus, in der EFL erlebe er ein "wunderbares, großartiges Miteinander von Leitung und Mitarbeitern"; es sei zu spüren, dass da Menschen seien, die ihren Beruf zum Herzensanliegen gemacht hätten. In Richtung der politischen und Verwaltungsvertreter wies der Generalvikar darauf hin, dass zwei Drittel der Gesamtkosten der EFL aus Kirchensteuermitteln bezahlt würden, obwohl zwei Drittel der Beratenen einen gesetzlichen verankerten Anspruch auf Beratung hätten.

Für die Seite der Kommunen und des Landes sprach der Landtagsabgeordnete Bernhard Tenhumberg (CDU) ein Grußwort. Auf den finanziellen Zaunpfahlwink des Generalvikars bezogen sagte er: "Familienberatung ist Pflichtaufgabe der Jugendhilfe. Desto dankbarer sind wir dafür, dass das Bistum Münster seine hohen Anteile übernimmt". Man habe das Angebot der Familienberatung zur zweiten Säule neben der Heimerziehung ausgebaut, weil diese nicht immer förderlich gewesen sei. Tenhumberg betonte, es sei gut, dass es diese Hilfe gebe: Wenn Partner nicht mehr miteinander redeten, der Sohn in der Schule abrutsche, die Tochter nicht mehr essen wolle, sei das Angebot der EFL wie ein "Geländer auf Zeit, an dem man sich festhalten kann, bis man wieder alleine gehen kann".

Einen Fachvortrag unter der Überschrift "Commitment in der Ehe" (engl., Engagement, Hingabe) hielt Prof. Dr. Guy Bodenmann von der Universität Zürich. Forschungen der vergangenen Jahre hätten unverändert bestätigt, dass rund 80 Prozent der verheirateten Paare ein ganzes Leben lang zusammen sein möchten. Wer in einer glücklichen Partnerschaft lebe, sei zufriedener, körperlich und seelisch gesünder, leiste mehr und lebe länger. Auch Kinder aus glücklichen Partnerschaften entwickelten sich besser. Trennung und Scheidung dagegen verursachten persönliches Leiden, eine größere Anfälligkeit für Krankheit und Unfälle und demzufolge häufigere und längere Krankschreibungen, allein eine 21fach erhöhte Krankenhausaufenthaltshäufigkeit. Trennung und Scheidung sei zudem negativ für Kinder, die in den ersten drei Jahren schlechtere Schulleistungen und vermehrt psychische Auffälligkeiten zeigten und ein langfristig geringeres Selbstwertgefühl hätten. "Eine Liebe ist wie eine Pflanze, die gepflegt werden will", erklärte Bodenmann. Wenn es eine Chance auf den Erhalt einer Ehe geben solle, könnten die Partner dies mit Ansätzen aus dem Bereich des Commitments fördern. Dazu sei es ratsam, Aufmerksamkeit und Interesse zu zeigen, Bedürfnisse und Wünsche zu erkennen sowie Entlastung, Mithilfe und Unterstützung anzubieten. Für Konflikte empfahl der Professor, eine positive Sicht auf den Partner zu wahren, die Sichtweise des Anderen wahrzunehmen, seine Bedürfnisse wertzuschätzen, über Fehler hinwegzusehen, zu deeskalieren, Kompromisse zu finden, einzulenken und sich für Fehlverhalten zu entschuldigen. Wenn es gelänge, eine erhaltensfähige Partnerschaft zu stabilisieren, blieben die Eltern zufriedener, gesünder und leistungsfähiger und die Kinder unauffälliger.

Am Dienstag hatte bereits ein Fachtag zum Thema "Kriegskinder und Kriegsenkel" stattgefunden. Die Kölner Autorin Sabine Bode berichtete vor knapp 200 Fachleuten von den zentralen Ergebnissen ihrer beiden Bestseller zu diesem Thema. Ihre Kernaussage lautete: Der Schatten des Zweiten Weltkriegs betreffe nicht nur die Kriegskinder selbst, sondern rage bis heute in die Enkelgeneration hinein. Dies zeige sich sichtbar im Wunsch, mit den Eltern über deren Erlebnisse zu sprechen, unsichtbarer dadurch, wie sie von ihren Eltern geprägt worden seien, vor allem aber in ihrer Art, selbst eigene Beziehungen zu gestalten. Am Nachmittag ergänzte Prof. Dr. Gereon Heuft, Leiter der Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie an der Uniklinik Münster, Möglichkeiten, den Zweiten Weltkrieg in Beratung und Therapie anzusprechen und mögliche Traumatisierungen zu erkennen.

Text: Bischöfliche Pressestelle
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