Viktorschrein in feierlicher Vesper geöffnet
"Mit der Öffnung des Viktorschreins erfahren wir eine historische Stunde. Denn ein solches Ereignis findet höchstens drei bis vier Mal im Leben eines Menschen statt", rief niederrheinische Regionalbischof Wilfried Theising den Gläubigen im Xantener St.-Viktor-Dom zu.
Im Rahmen einer Vesper eröffnete Weihbischof Theising am Donnerstag (10. Oktober 2013) die Feiern zur Viktortracht am 13. Oktober 2013, dem Höhepunkt des Jubiläums "750 Jahre gotischer Dom".
Dieses Jubiläum vor Augen, denke man an den Bau der Kirche und vor allem an sein Fundament, sagte Weihbischof Theising in seiner Predigt. Doch das Fundament bildeten nicht nur die Steine und der Mörtel, diese seien vergänglich, sondern vielmehr das Glaubenszeugnis der Heiligen. Theising erinnerte an die Geschichte des Domes, der im Lauf der Zeit immer wieder neu erbaut und vergangen sei. Auch der jetzige Dom, der ja schon 750 Jahre Bestand habe, sei im Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche gebombt worden. Selbst wenn man auf den alten Fundamenten die Kirche wieder hätte aufbauen können, bilde der Glaube in den Herzen der Menschen doch das wahre Fundament.
Viktor habe als Glaubenszeuge durch sein Handeln andere begeistert. "Seinem Zeugnis sind viele Menschen gefolgt. Er wurde zum Fundament für den Glauben vieler Zeitgenossen", sagte Theising. Für ihn sind feierliche Ereignisse wie die Öffnung des Schreins deshalb auch immer wieder Anfragen an den eigenen Glauben. Beschenkt von Gottes Kraft baue ein jeder als lebendiger Stein an Gottes Kirche.
Das Jubiläumsjahr sei nicht nur eine Gelegenheit zurückzuschauen, mahnte Theising. Vielmehr sei es eine Vergewisserung des eigenen Glaubens. Jeder müsse sich fragen, inwieweit der eigene Glaube Richtschnur seines Lebens sei. Viktor habe auf den Glauben an Jesus sein Leben gebaut. In der Stunde der Entscheidung habe er sich nicht von Jesus trennen wollen. Die vermeintlichen Opfer von damals seien in Wirklichkeit Sieger, die an dem Sieg Christi über den Tod teilhätten. Theising rief die Zuhörer auf, ein Viktor bzw. eine Viktoria zu sein. "Denn Viktor ist jemand, der mit Christus den Sieg des Lebens erringt", sagte der Weihbischof.
Mehrere hundert Christen erlebten, wie zunächst der mittelalterliche Viktorschrein von sechs Mitarbeitern der Dombauhütte und des Stiftsmuseums nach der Vesper geöffnet wurde. Im Beisein vom Xantener Bürgermeister Christian Strunk, dem Notar Hans-Wilhelm Barking, dem Arzt Dr. Johannes Kohler und dem Kustos des Münsterischen Domes, Dr. Udo Grote, prüfte Weihbischof Theising die Unversehrtheit der Siegel am inneren Holzschrein. Diese wurden anschließend entfernt. Danach wurden die zahlreichen Urkunden aus dem Holzschrein entnommen und die Gebeine des Heiligen freigelegt.
Die Gläubigen hatten dann die Gelegenheit, am offenen Schrein vorbeizuziehen und die Gebeine des heiligen Viktor zu betrachten. Am Samstag (12. Oktober 2013) wird der Schrein wieder geschlossen. Ihm wird dann eine neue Urkunde hinzugefügt, die wieder die Unversehrtheit der Siegel feststellt. In dieser Urkunde werden die kirchlich Verantwortlichen wie Papst Franziskus I., der Münsterische Bischof Dr. Felix Genn sowie der Xantener Propst Klaus Wittke aufgeführt sowie Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel als politische Akteure. In der Urkunde wird das Jubiläum des Domes und die damit verbundene Viktortracht am 13. Oktober, angeführt von Kardinal Joachim Meisner, als Grund der Öffnung beschrieben. Die älteste Urkunde, die dem Schrein beigefügt war, stammt vom 1129. Es ist das Jahr, in dem die Gebeine des heiligen Viktor in den mittelalterlichen Schrein gebettet wurden, dem ältesten erhaltenen Reliquienschrein des Rheinlandes.
Text: Bischöfliche Pressestelle
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