Vortrag über interreligiöse Harmonie im Franz Hitze Haus
Dass der Flüchtlingsansturm auf Europa sich nicht nur politisch und gesellschaftlich auswirkt, das haben die knapp vierzig Besucher der Münsteraner Akademie Franz Hitze Haus erfahren, die an der Veranstaltung ,Vielfalt ist Schönheit.
Zu einer Theologie der interreligiösen Harmonie‘ teilgenommen haben. Der Jesuitenpater Dr. Sebastian Painadath aus Indien stellte am 24. September diese Auseinandersetzung mit dem zunehmenden religiösen Pluralismus in Deutschland in den Mittelpunkt seines Vortrags. Die Akademie veranstaltet den Abend zusammen mit dem Referat Seelsorge für Katholiken anderer Muttersprache des Bistums Münster und der Missio Diözesanstelle Münster.
"Wir leben in einem neuen Zeitalter der geistigen Entwicklung der Menschheit. Ein Kennzeichen dafür ist das wachsende Bewusstsein weltweiter Vernetzung: Die Welt schrumpft zum globalen Dorf", sagte Pater Sebastian zu Beginn seines Vortrags, "die Globalisierung betrifft nicht nur Politik und Wirtschaft, sondern auch die Religionen. Sie rücken näher zueinander." Bis in die Lebenswirklichkeit der Familien hinein werde die Gesellschaft im christlichen Abendland religionspluralistisch, die Schwiegertochter sei plötzlich Muslima, der Schwiegersohn Buddhist. "Ist die Vielfalt der Religionen eine Katastrophe der Geschichte oder gehört sie zum Heilsplan Gottes?", stellte der 73-Jährige eine spannende Frage.
"Wir Christen sind herausgefordert zu einem erweiterten Verständnis des christlichen Glaubens zu kommen", betonte er, das sei neu. Schließlich hätten die Europäer jahrhundertelang kaum Kontakte zu Andersgläubigen gehabt, Europa sei ein monokultureller Raum gewesen. "Jetzt aber leben wir in einem ganz anderen Umfeld", fuhr der Jesuitenpater fort, "das ist eine ganz neue Herausforderung."
Die Christen hätten durch Jesus Christus erfahren, dass Gott wirkt, ganz konkret in seiner Person. "In ihm erkennen wir den Weg zum Heil. Er ist das der Welt zugewandte Gesicht Gottes", betonte Pater Sebastian. Andere Religionen erführen diese Gnade auf andere Weise. Der Glaube an Jesus könne kein Urteil über andere Religionen sein. "Richte nicht", warne Jesus. "Gottes Wege mit den Menschen sind unfassbar, vielfältig", war sich der aus dem indischen Kerala stammende Pater sicher, "der Geist weht, wo er will." Das stehe schon im Johannesevangelium.
"Wir sollten nicht meinen, dass am Ende aller Tage alle Menschen römisch-katholisch sein müssen", stellte er fest und sorgten mit dieser Aussage für irritierte Lacher. "Das wurde aber uns so gelehrt", rief ein Zuhörer in den Raum. "Seit Anfang der Schöpfung suchen die Menschen die Heilserfahrung Gottes. Die Weltreligionen versuchen, diese Suche zu artikulieren", erklärte Pater Sebastian. Auf vielfältige Weise kämen die Menschen zu Gott. "Die Vielfalt der Religionen gehört zum Heilsplan Gottes", war sich der Pater sicher, "das ist keine Verwirrung des Geistes, sondern eine Bereicherung im Gott-Mensch-Dialog. Die Religionen sind Türen zum Göttlichen."
Aber: "Wir können nicht sagen, alle Religionen sind gleich. Das sind sie nicht", stellte Pater Sebastian klar. Und es bestehe die große Gefahr, den eigenen Glauben zum Wahren zu erklären und ihn über die anderen stellen. "Wer Christus zum Weltenherrscher erklärt, stellt ihn über die anderen Religionen. Das ist nicht der Sinn", hob der Referent hervor. Das göttliche Geheimnis offenbare sich in vielfältigen Formen in der Geschichte, sei ein fortlaufender Dialog mit den Menschen.
Und wie bei einem Dialog üblich, gebe es Momente des Redens, Hörens und des Schweigens. "Es gibt Gipfelmomente des Göttlichen, Augenblicke der Nähe Gottes", erklärte er. Aber auch Momente der Abwesenheit Gottes, die selbst Jesus am Kreuz erfahren musste. Und es gebe begnadete Augenblicke, in denen etwas geschehe, "wie die Inkarnation Gottes in Jesus Christus, oder der Offenbarungsmoment, den Mohammed erlebte." Gipfelmomente seien Entstehungsgeschichte der Weltreligionen. So gesehen seien Religionen keine getrennten Individuen, sondern gehörten zusammen.
"Ich begegne Gott durch meinen muslimischen Freund. Wenn wir uns dem Dialog mit anderen öffnen, öffnen wir uns Gott", sagte Pater Sebastian am Ende seines Vortrags, "andere Religionen sind keine Bedrohung." Er forderte vielmehr dazu auf, Vorurteile und Missverständnisse gegenüber Andersgläubigen aus der Welt zu räumen, sie zu überwinden und eine Kultur des Respekts zu entwickeln: "Das schafft Frieden."
Text: Bischöfliche Pressestelle
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