Vortragsreihe zur sexualisierten Gewalt
Ob und wie männliche Opfer mit dem Erleben von sexualisierter Gewalt anders umgehen als weibliche:
Diese Überlegung stand im Mittelpunkt des Eröffnungsvortrags zur Reihe ,Sexualisierte Gewalt. Hinschauen – so und anders‘ an der Katholischen Hochschule NRW, Abteilung Münster (KatHO), den am 23. April Dr. Peter Mosser gehalten hat. Um die 250 Studierende, Dozierende, Fachkräfte und Interessierte waren dazu in den Hörsaal der KatHO gekommen, die mit Unterstützung des Fördervereins Kinderschutzportal e.V. die Vortragsreihe mit einem zusätzlichen Fortbildungstag organisiert. Die Reihe wendet sich an alle Fachkräfte aus pädagogischen oder sozialen Bereichen, aber auch Eltern, Jugendgruppenleitungen und andere Interessierte.
Zum Auftakt referierte Mosser über Betroffenheit von sexualisierter Gewalt aus einer geschlechtssensiblen Perspektive. Der Referent ist Diplom-Psychologe, Systemischer Therapeut und Traumatherapeut. Seit 1999 arbeitet er in München mit Jungen und Männern unter 27 Jahren, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind. Zudem war er Mitglied des von der Bundesregierung einberufenen Runden Tisches ,Sexueller Kindesmissbrauch‘. Mosser arbeitet an zahlreichen Forschungsprojekten zum Thema und ist Verfasser der Expertise ,Sexuell grenzverletzende Kindern – Praxisansätze und ihre empirischen Grundlagen‘. Außerdem hat er das 2014 erschienene Buch ,Sexualisierte Gewalt gegen Jungen. Prävention und Intervention‘ mit herausgegeben. Derzeit arbeitet er an der Studie zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt an der Odenwaldschule.
Die Welle von Aufdeckungen im Jahr 2010, führte der Referent in Münster aus, habe sichtbar gemacht, dass auch Jungen in hohem Maße von sexualisierter Gewalt gefährdet und betroffen sind. Allerdings sei weniger präzise diskutiert worden, worin der spezifisch männliche Umgang mit dem Erleben sexualisierter Gewalt besteht. Mit welchen Auswirkungen Jungen, männliche Jugendliche und erwachsene Männer zu kämpfen haben und wie sie solche Erfahrungen zu bewältigen versuchen, stellte Mosser vor dem Hintergrund einer Entwicklungs- und Lebenszeitperspektive dar. Dabei bezog er sich unter anderem auf Forschungen zur Benediktinerabtei Ettal (Bayern) und zum Stift Kremsmünster (Österreich), an denen er beteiligt war.
Auch die folgenden Veranstaltungen der Reihe rücken Aspekte in den Blick, die selten im Vordergrund stehen. In Vorträgen berichten Expertinnen und Experten beispielsweise über die Betroffenheit von Kindern mit Behinderung, Frauen als Täterinnen oder Jungen als Betroffene. "Wir haben uns bewusst dafür entschieden, Themen anzusprechen, die häufig vernachlässigt werden, denn für eine umfassende und gelingende Prävention und Intervention sind Kenntnisse über diese Themen eine wichtige Grundlage", erklärt Prof. Dr. Herbert Ulonska, erster Vorsitzender des Fördervereins Kinderschutzportal.
An einem zusätzlichen Fortbildungstag greift die Reihe außerdem praktische Fragen auf, die sich für Pädagoginnen und Pädagogen im beruflichen Alltag stellen, etwa zum Umgang mit Verdachtsfällen. Hier können die Teilnehmenden Vertreter aus lokalen Beratungsstellen und Ämtern kennen lernen und sich in Form von Workshops praxisnah informieren. Außerdem werden regionale Unterstützungsangebote und Präventionsprojekte vorgestellt.
"Der Katholischen Hochschule Münster ist es wichtig, mit diesem Fortbildungsangebot ein klares Zeichen gegen sexualisierte Gewalt zu setzen und die Entwicklung von Handlungssicherheit für pädagogisch Tätige zu unterstützen", sagt Prof. Dr. Yvonne Brandl, Organisatorin des Angebotes an der KatHO. Sie bietet seit mehreren Jahren für Studierende Seminare zu sexualisierter Gewalt an. Des Weiteren führte sie im Auftrag des Bistums Münster die Konzeptentwicklung und Schulung des Moderatorinnenteams durch, das derzeit etwa 3.500 Lehrkräfte an allen Schulen des Bistums Münster zum Thema fortbildet.
Die Vorträge finden vom bis zum 25. Juni jeweils donnerstags von 16.15 Uhr bis 17.45 Uhr im großen Hörsaal der KaTHO, Piusallee 89 statt. Am 14. Mai, 28. Mai und 3. Juni entfallen die Vorträge. Der Fortbildungstag ist am Mittwoch, 29. Mai, ebenfalls an der KatHO. Die Teilnahme ist nur mit Anmeldung möglich.
Da die Veranstaltung von der Sparkasse Münsterland Ost gefördert wird, fallen keine Teilnahmegebühren an.
Ausführliche Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung zum Fortbildungstag finden Interessierte unter www.katho-nrw.de/muenster oder unter www.kinderschutzportal.de (Aktuelles).
Text: Bischöfliche Pressestelle
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
