Warum die Steine im Dom fünf Sprachen beherrschen

"Do you want a free guidance?": Mit diesem englischen Satz oder mit dessen französischer, niederländischer, italienischer oder deutscher Version begrüßen zurzeit vier junge Leute die Besucher des St.-Paulus-Doms in Münster, die durch das Paradies-Portal eintreten.

Sie bieten ihnen damit eine kostenlose Führung durch das Gotteshaus an, und das noch täglich bis Sonntag (3. August 2014).

Helena Satterthwaite aus Bristol (England), Luzia Pätzel aus Augsburg, Ariën Voogt aus Ut-recht (Niederlande) und Alban de Beaurepdire aus Paris (Frankreich) wurden von der internationalen ökumenischen Organisation "ARC" Mitte Juli nach Münster entsendet. Die Abkürzung "ARC" steht für die französischen Wörter "Accueil" (Empfang), "Rencontre" (Begegnung) und "Communauté" (Gemeinschaft). In den Sommermonaten organisiert "ARC" europaweit Führungen in bedeutenden Kirchen. Die Teilnahme ist kostenlos, Spenden kommen der Organisation zu Gute.

Im St.-Paulus-Dom in Münster gestalten die vier Gäste täglich zwischen 10 Uhr und 12 Uhr sowie zwischen 13.30 Uhr und 17 Uhr Führungen, deren Inhalte und Länge sich je nach Besuchergruppe und Fragen unterscheiden. Die vier 18- und 19-Jährigen erklären den Besuchern ehrenamtlich das, was sie selbst vor Ort über den Dom gelernt haben, und sind offen für Erfahrungen, Wissenshintergründe und religiöse Einstellungen.

Schlau gemacht haben sie sich bei Domführungen und einer umfassenden Einführung in die Kunst- und Baugeschichte des Doms. Zur Sicherheit haben die Gast-Führer jederzeit ein handliches Informationsbuch dabei. Bei Fragen und Problemen steht ihnen außerdem Dompropst Kurt Schulte zur Seite.

Das Konzept ist erprobt: "ARC" sendet jährlich junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren aus Deutschland, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien aus. Das Motto der Organisation lautet: "Steine zum Sprechen bringen". So vermitteln die jungen Kirchenführer den Besuchern die Gotteshäuser individuell, indem im gemeinsamen Dialog der Kirchenbau verständlich wird. Davon profitieren die Jugendlichen auch selbst: Unter ihnen entstehen viele kleine internationale, christliche Gemeinschaften, die außerhalb der Führungen zum Beispiel gemeinsam essen und ihre Freizeit miteinander gestalten.

"Wir verbringen eine intensive Zeit miteinander und bauen eine echte freundschaftliche Basis auf", berichtet Helena aus Bristol. Bei gemeinsamen Abenden im Bischöflichen Priesterseminar Borromaeum, in dem die vier jeder ein Zimmer bezogen haben, Erkundungen der Stadt Münster oder einem geplantem Zoobesuch lernten sie einander kennen. "Ohne ‚ARC’ hätte ich die anderen nicht getroffen. Das kann ich mir nicht mehr vorstellen", so Helena. Auch die Gottesdienste im Dom seien für die Anglikanerin, der deutsche katholische Messabläufe zuvor unbekannt waren, eine neue Erfahrung. Schon in der Schule habe sie sich für Religion, Kunst und Geschichte interessiert. "Durch das Projekt kann ich meinen Horizont erweitern", stellt die 19-Jährige strahlend fest.

Wer als Kirchenführer am Projekt "ARC" teilnehmen will, müsse weder außerordentlich gläubig sein noch vorher schon viel über Kirchen wissen, erklärt Helena. "Wir sind einfach normale Menschen, die Lust haben, neue Leute und neue Sachen kennen zu lernen", beschreibt sie ihre Motivation für das Projekt.

Helena studiert Deutsch und Italienisch in Bristol. Durch ihre Mutter hat sie von "ARC" erfahren und nutzt die Zeit in Deutschland auch, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. In Luzia aus Augsburg hat Helena eine Freundin gefunden, die ihre sprachlichen Vorlieben teilt und plant, ab dem Herbst Deutsch und Italienisch in Süddeutschland zu studieren. Eine besondere sprachliche Begabung sei allerdings für die Teilnahme an dem Projekt nicht notwenig, berichten die jungen Leute.

Genauso wie die beiden Jungs, Ariën und Alban, haben sich Luzia und Helena bei "ARC" in ihrem jeweiligen Heimatland beworben. In welches Land und zu welcher Kirche sie kamen, konnten sie dabei nicht wählen.

"ARC" besetzt die Gruppen mit Führerinnen und Führern unterschiedlicher Sprachkenntnisse, damit Führungen in vielen Sprachen angeboten werden können. Wenn so etwa die Besucher des St.-Paulus-Doms in ihrer Muttersprache begrüßt werden, ist deren Überraschung für Helena, Luzia, Ariën und Alban auch eine Motivation. "Es ist einfach nett für die Leute, eine Führung in ihrer Muttersprache zu bekommen“, betont Helena.

Noch bis Sonntag (3. August 2014) bietet die Truppe im Dom täglich ihre Führungen an. Weitere Informationen zu dem Projekt von "ARC" sowie Bedingungen für eine Teilnahme sind unter http://www.arc-deutschland.de zu finden.

Text: Bischöfliche Pressestelle
Kontakt: pressestelle[at]bistum-muenster.de