Es sind Begegnungen wie diese, die den Pilgertag mit rund 50 Studierenden durch Münster prägen. Noch zwei Tage bleiben bis zur Amtseinführung von Dr. Heiner Wilmer als neuen Bischof von Münster. Doch am 19. Juni geht es nicht um den feierlichen Gottesdienst im St.-Paulus-Dom, nicht um liturgische Abläufe oder Insignien. Es geht ums Zuhören. Um Begegnungen. Um die Fragen: Was bewegt junge Menschen? Worauf hoffen sie? Woran glauben sie? Und woran manchmal auch nicht?
Der Pilgertag mit den Studierenden, organisiert von der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde (KSHG) und dem Bischöflichen Studierendenwerk (BSW), bildet den Abschluss einer besonderen Woche. Vor seinem offiziellen Start im Bistum Münster hat sich Bischof Wilmer bewusst auf den Weg gemacht. Gemeinsam mit Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten pilgerte er durch verschiedene Regionen des Bistums – mit Menschen aus der Berufswelt, mit Schülerinnen und Schülern sowie mit Erwachsenen mit Behinderung und den Gemeinden anderer Sprachen und Riten. Immer ging es darum, Menschen kennenzulernen und von ihren Glaubens- und Lebenserfahrungen zu hören.
Zukunftsfragen und Leistungsdruck
So auch mit den Studierenden. Der Weg führt vom Tita-Cory-Campus über Felder, vorbei am Allwetterzoo und entlang des Aasees bis zur Petri-Kirche. Knapp sechs Kilometer legen die Teilnehmenden zurück. Auf vielen Köpfen sitzen blaue Kappen mit der Aufschrift „Zusammen geht was! Pilgern mit Bischof Heiner“. Wasserflaschen werden immer wieder nachgefüllt. Doch im Mittelpunkt stehen die Gespräche.
An drei Stationen berichten Studierende von ihren Erfahrungen mit Glauben, Gemeinschaft, Zukunftsfragen und Leistungsdruck. Dabei wird deutlich: Viele verstehen ihren Glauben nicht als fertiges System von Antworten, sondern als gemeinsames Suchen. „Ich wünsche mir keine Kirche, die alle Antworten schon kennt, sondern eine Kirche, die gemeinsam mit den Menschen nach ihnen sucht“, sagt die Lehramtsstudentin Celine Holz. Fragen und Zweifel gehören für sie zum Glauben dazu. „Wir machen uns gemeinsam auf den Weg. Nicht weil wir schon alles wissen, sondern weil wir darauf vertrauen, dass Gott im Fragen, Zuhören und auch im Zweifeln gegenwärtig ist.“
Auch Nikola Hüttenschmidt erlebt den Glauben sehr persönlich. Die 23-Jährige studiert Musik und katholische Religion auf Lehramt. Wo sie Gott entdeckt? „In der Musik“, sagt sie. „Ein Leben ohne Klavier ist für mich sinnlos. Ich mache gerne Musik und darin entdecke ich Gott.“ Während der Gespräche hört Bischof Heiner Wilmer aufmerksam zu und stellt Fragen. „Er ist sehr bodenständig und möchte wirklich wissen, was uns bewegt“, beschreibt Nikola Hüttenschmidt ihren Eindruck.
“Ich sehe mich bis heute als Lernenden”
Als die Gruppe am Nachmittag die Petri-Kirche erreicht, liegen viele Gespräche hinter den Teilnehmenden. Die Kühle des Kirchenraums bietet eine willkommene Pause nach den Stunden in der Sonne. Auch dort geht es wieder um das Zuhören. Viele junge Menschen hätten ihm von prägenden Glaubenserfahrungen erzählt, sagt der Bischof beim Gottesdienst in seiner Predigt. Andere von Zweifeln und offenen Fragen. Gerade das habe ihn beeindruckt. „Viele von Ihnen sind Pilger. Sie haben die feste Überzeugung: Ich muss nicht fertig sein. Ich muss nicht perfekt sein.“
„Es war erstaunlich offen“, zieht der künftige Bischof beim Begegnungsfest im Garten des Studentenwohnheims „Marianum“ ein Fazit. „Ich habe gemerkt, wie interessiert die Studierenden am Leben und an der Frage sind: Wie geht Glaube?“ Für ihn selbst sei der Tag eine Bereicherung gewesen. „Ich sehe mich bis heute als Lernenden“, sagt er – und fügt hinzu: „Das gilt auch weiterhin als Bischof von Münster.“
Die Einführung von Heiner Wilmer als Bischof von Münster beginnt am Sonntag, 21. Juni, um 14 Uhr im St.-Paulus-Dom. Der Gottesdienst wird live vom WDR übertragen und auf der Facebookseite sowie dem Youtube-Kanal des Bistums gestreamt. Im Anschluss an den Gottesdienst sind alle zu einem Fest der Begegnung auf den Domplatz eingeladen.
Ann-Christin Ladermann





























