Was Umweltenzyklika für Kirchengemeinden bedeutet
Anders denken, nachhaltig handeln, Gerechtigkeit schaffen. Diese drei pastoralen Konsequenzen für die Gemeindearbeit zieht Janieta Bartz, Referentin für Pastoraltheologische Grundsatzfragen im Bischöflichen Generalvikariat Münster, aus der Enzyklika "Laudato si".
Am 24. November führte sie diese bei einem Diskussionsabend über die Enzyklika in der Landvolkshochschule Freckenhorst vor rund 40 Teilnehmern aus.Als Papst Franziskus die Enzyklika im Juni veröffentlichte, habe bestimmt so mancher gedacht: "Das hat uns gerade noch gefehlt, dass der Papst auf Öko macht", sagte Maria Kleingräber, Umweltbeauftragte der Bistums Münster, in ihrer Einführung. Aber der Papst habe ein Zeichen gesetzt. Sie freue sich, dass sich endlich ein kirchliches Lehrschreiben dieser Thematik annehme.
Prof. Dr. Norbert Mette, ehemaliger Professor für Pastoraltheologie und Religionspädagogik an der Universität Dortmund, ging im ersten Teil des Abends auf die Bedeutung der Enzyklika ein. Mit ihr lade der Papst zum Dialog ein. "Sie richtet sich nicht nur an die Angehörigen der katholischen Kirche, sondern an ‚alle Bewohner des gemeinsamen Hauses‘, also an alle Bewohner des Erdkreises", sagte Mette. So wende sich das Schreiben außerdem den Zeichen der Zeit zu. Das bedeute, dass es die Herausforderung in den Blick nehme, bei denen die Zukunft der Menschen oder der Welt auf dem Spiel stehen.
Besonders betonte er das ganzheitliche Umweltverständnis der Enzyklika. "Der Papst verknüpft die Umweltfrage unmittelbar mit der sozialen Frage", sagte Mette. So beziehe er in die Frage nach dem Klima auch die Beziehungen des Menschen zu der Wirklichkeit ein, die ihn umgebe. In seinen Augen handle es sich darum nicht nur um eine reine Umweltenzyklika, sondern um eine umfassende Glaubensenzyklika.
Bezüge zur lokalen Gemeindeebene stellte Janieta Bartz im zweiten Teil her. Dialog und Transparenz sowie Erziehung und Spiritualität seien Felder, die Papst Franziskus in seiner Enzyklika vorschlage, um eine ganzheitliche Ökologie herzustellen. Konkrete Anknüpfungspunkte biete der Pastoralplan des Bistums, der 2013 in Kraft gesetzt wurde und einen verbindlichen Rahmen für die Seelsorge in den kommenden Jahren geben soll. Bartz entwickelte vier Handlungsmöglichkeiten für Gemeinden.
In der Enzyklika spreche der Papst von Kooperationen mit lokalen Akteuren in Politik und Wirtschaft. Eine Gemeinde stehe vor der Aufgabe, Talente zu fördern, um Expertenwissen sinnvoll einzusetzen. In "Laudato si" bringe der Papst außerdem zum Ausdruck, dass es einer spirituellen Vertiefung bedürfe, um Grundeinstellungen wie Dankbarkeit, Verzicht oder Kreativität zu festigen. "Jede Gemeinde muss prüfen, ob es ansprechende spirituelle Angebote gibt, die zum Nachdenken, Diskutieren und Handeln einladen", verdeutlichte Bartz. Auch die Frage nach inspirierenden Vorbildern könne dabei helfen.
Zu einer "Auszeit vom Alltag" und zu einer Gestaltung der Sakramente im Bewusstsein der Verbindung zur Schöpfung rate der Papst ebenfalls. Eine Konsequenz für die Gemeinde sei das Lob der Schöpfung im Gottesdienst einzubringen. Auch gelte es, nach Anlässen zur Verbindung von Liturgie und Leben zu schauen. "Der Papst empfiehlt beispielsweise, vor und nach den Mahlzeiten zu beten", sagte Batz. Als vierten Punkt machte die Referentin auf die Sorge des Papstes um die Lebensbedingungen aller Geschöpfe aufmerksam. Die Kooperation mit wichtigen Akteuren in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sei dafür hilfreich.
Zum Schluss erläuterte Bartz Reaktionen auf die Enzyklika "Laudato si". So habe das Erzbistum München-Freising Nachhaltigkeitsrichtlinien verabschiedet, verbunden mit Maßnahmen zur Sicherung der Umsetzung. Das Bistum Würzburg habe eine bundesweite Tagung für alle Umweltbeauftragten veranstaltet, an der auch Maria Kleingräber teilgenommen habe. Materialien für Gottesdienste seien vom kirchlichen Hilfswerk Misereor veröffentlicht worden. Mit einem Videoclip der diesjährigen Jugendaktion von Misereor und dem Bund der katholischen Jugend (BDKJ) zum Thema Umweltbewusstsein entließ die Referentin die Teilnehmer in eine angeregte Diskussion.
Text: Bischöfliche Pressestelle
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