Wechsel in der Zuständigkeit für die Queerpastoral

, Bistum Münster

Zum 1. Oktober hat Dr. Aurica Jax die Aufgabe als Referentin für zielgruppenorientierte Pastoral mit dem Schwerpunkt Queerpastoral im Bistum Münster übernommen. Sie folgt auf Iris Horstmann, die das Arbeitsfeld in den vergangenen Jahren aufgebaut und geprägt hat.

Dr. Aurica Jax (links) folgt als Referentin für zielgruppenorientierte Pastoral mit dem Schwerpunkt Queerpastoral im Bistum Münster auf Iris Horstmann, die das Arbeitsfeld in den vergangenen Jahren aufgebaut und geprägt hat.

© Bistum Münster/Achim Pohl

Jax ist künftig Ansprechpartnerin für die Anliegen queerer Katholikinnen und Katholiken im Bistum. „Eine Pastoral mitzugestalten, die Vielfalt nicht nur irgendwie berücksichtigt, sondern als dem Evangelium entsprechend würdigt“, beschreibt sie als zentrales Ziel ihrer Arbeit. Zugleich betont sie, dass Queerpastoral kein Nischenthema sei: Es müsse das Anliegen des gesamten Bistums sein, dass niemand aufgrund der sexuellen Identität oder aus anderen Gründen ausgeschlossen werde.

Die neue Aufgabe nimmt Jax mit einer halben Stelle wahr. Daneben bleibt sie Referentin für Ökumene in der Abteilung Kirchenentwicklung. Sie ist überzeugt: „Da wird es Synergieeffekte geben.“ 

In den kommenden Monaten möchte Jax die von ihrer Vorgängerin angestoßenen Prozesse und Vernetzungen weiterführen und ausbauen. Geplant sei unter anderem ein Netzwerk von Ansprechpartnerinnen und -partnern in allen Regionen des Bistums. Erfahrungen dafür und für alle weiteren anstehenden Themen bringt Jax aus ihrer Tätigkeit für die Deutsche Bischofskonferenz mit, wo sie von 2020 bis 2023 am Aufbau eines bundesweiten Netzwerks für Queerpastoral beteiligt war.

Herausforderungen sieht Jax sowohl innerhalb der Kirche als auch gesellschaftlich. Nach den Impulsen des Synodalen Weges erwarteten viele Menschen nun konkrete Umsetzungsschritte. Gleichzeitig gebe es weiterhin Vorbehalte gegenüber der Vielfalt von Lebensformen. „Hier sind klare solidarische kirchliche Positionierungen und Abgrenzungen in verschiedene Richtungen gefragt, auch gegen politische Ansichten, die queere Lebensformen herabwürdigen“, findet die Fachfrau. Zu dieser klaren Positionierung gehöre auch die Aufarbeitung kirchlicher Verantwortung für die Diskriminierung queerer Menschen. Jax verweist dazu auf ein Interviewprojekt im Bistum Münster, für das sich Gesprächspartnerinnen und -partner bei der Projektmitarbeiterin Friederike Müller melden können.

Ihre Vorgängerin Iris Horstmann blickt auf die vergangenen Jahre mit Dankbarkeit zurück. Sie habe sich vor allem als Brückenbauerin zwischen Community, kirchlichen Verantwortungsträgerinnen und -trägern sowie gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren verstanden. Die Einrichtung einer eigenen Zuständigkeit für Queerpastoral im Bistum Münster bezeichnet sie als wichtigen Schritt.

Als prägende Entwicklungen nennt Horstmann die Debatte um die Initiative #OutInChurch, die Reform des kirchlichen Arbeitsrechts sowie den Aufbau verlässlicher Netzwerke innerhalb des Bistums und auf Bundesebene. Besonders am Herzen liegt auch ihr das Projekt „Ansehen geben“, weil es queeren Menschen Raum gibt, ihre Erfahrungen mit Ausgrenzung und Diskriminierung im kirchlichen Kontext zu schildern.

„Diese Entwicklung war nie das Werk Einzelner“, betont Horstmann. Viele Mitarbeitende, Ehrenamtliche und Verantwortliche hätten dazu beigetragen, dass queere Menschen zunehmend als selbstverständlicher Teil kirchlichen Lebens wahrgenommen würden. Zugleich bleibe die Aufgabe aktuell. Für die Zukunft sieht Horstmann jedoch ein belastbares Fundament, auf dem das Bistum den eingeschlagenen Weg glaubwürdig und konstruktiv weitergehen könne.

Anke Lucht