Weihbischof Dr. Stefan Zekorn besucht Haus der Wohnunglosenhilfe
Die dreijährige Eliza wohnt mit ihren Eltern im Hotel – allerdings nicht, weil sie Urlaub machten oder gar im Luxus lebten. Im Gegenteil, die Zukunft der rumänischen Familie Tyira ist unsicher.
Dank Spenden und auf Vermittlung des Hauses der Wohnungslosenhilfe (HdW) Münster sind sie vorübergehend in einem einfachen Hotel untergekommen. Im HdW erhalten sie Beratung, Begleitung und ganz konkret täglich ein Frühstück. An diesem 28. Januar teilen sie das neben vielen anderen Wohnungslosen mit einem besonderen Gast: Weihbischof Dr. Stefan Zekorn besucht das HdW im Rahmen seiner Visitation in der Pfarrei St. Lamberti. Beim offenen Frühstückstreff kommen er und Pfarrer Dr. Ludger Winner mit Bernd Mülbrecht als Leiter des HdW ebenso ins Gespräch wie mit den Gästen des Treffs.
Schnell wird Zekorn, der im Bistum Münster Regionalbischof für Münster und Warendorf ist, klar, welch vielfältigen Schicksalen er hier begegnet. Ein älterer Mann erwidert sein "Guten Morgen" mit einem fröhlichen "Buon giorno". Zekorn schaltet auf Italienisch um. Er komme aus Apulien, sagt sein Gesprächspartner, wunderschöne Landschaft, aber "nessun lavoro" – keine Arbeit. In Deutschland allerdings gibt es die für ihn bislang auch nicht.
Der Nigerianer Magnus spricht den Weihbischof von sich aus an. "Hello Father!" grüßt er lächelnd und erzählt auf Englisch von seinem Weg über Spanien nach Münster. Frau und zwei Kinder seien in Nigeria, er habe sie seit fast vier Jahren nicht gesehen. Das jüngere Kind sei bei seiner Abreise ein Jahr gewesen, es kenne ihn nur vom Telefon. Magnus träumt davon, seine Familie zu sich zu holen. Deshalb ist die Arbeit auch für ihn das große Thema. Er hat kleine Jobs und lernt parallel Deutsch, denn er weiß: "No language, no work."
Auch Elizas Mutter wünscht sind dringend "any job". Die Spenden für ihre Unterkunft reichen nicht mehr lange. Gern würde sie selbst für ihre kleine Familie sorgen, schildert sie mit Blick auf Eliza, die gerade einem bulgarischen Baby am Nebentisch ihr Plüschtier schenkt.
Im Frühstücksraum sitzen jetzt 25 Personen an den mit Blumen dekorierten Tischen, unterhalten sich auf Deutsch, Englisch oder mit Händen und Füßen. Andere starren auf die Bilder an der Wand oder vor sich hin. Einer legt den Kopf auf den Tisch und will schlafen, eine Mitarbeiterin weckt ihn ebenso freundlich wie bestimmt. Zekorn begrüßt alle mit Handschlag.
"2014 haben 499 Menschen aus 50 Nationen unterschiedlich lange hier gewohnt", nennt Bernd Mülbrecht die Zahlen hinter der Vielfalt. Das HdW ist eine qualifizierte Notunterkunft für alleinstehende wohnungslose Männer mit 80 Plätzen. Im offenen Bereich gibt es außerdem ein einfaches Frühstück und Mittagessen. Als Einrichtung der katholischen Bischof-Hermann-Stiftung ist das HDW Teil eines Netzes von Hilfsangeboten für Wohnungslose.
Einen Einblick gewinnt Zekorn im Gespräch mit den Mitarbeitern. Eine Krankenschwester im mobilen Dienst – neben offenem Bereich und Notunterkunft der dritte Schwerpunkt des HdW – ist ebenso dabei wie Sozialarbeiter verschiedenster Projekte.
Die Klientel des HdW habe sich gewandelt, berichtet Mülbrecht. Zunehmend suchten Menschen aus anderen Staaten der Europäischen Union Hilfe. Sie steckten in einem Dilemma: Einerseits dürften sie als EU-Bürger innerhalb der EU ihren Aufenthaltsort frei wählen, andererseits hätten sie keine Ansprüche auf staatliche Unterstützung. "Die meisten wollen arbeiten", betont Mülbrecht. Doch: Sprachkurse zahle der Staat nur denen, die einen Job hätten, den man wiederum ohne Sprachkenntnisse kaum finde. Umso wertvoller sei Unterstützung, wie sie das Bistum Münster anlässlich des Domjubiläums gewährt hatte. Mit Spenden aus Veranstaltungen und Kollekten waren vier Minijobs finanziert worden.
Zweites zentrales Thema sei fehlender Wohnraum. "Jedes kleinste bisschen Wohnraum hilft uns", erklärt Mülbrecht. Pfarrer und Weihbischof machen sich Notizen, versprechen, Kontakte herzustellen und zu fördern und vor allem auch: zu berichten. "Mein Anliegen ist, zu sehen, was Kirche tun kann und zu einem Bewusstsein beizutragen", betont Zekorn.
Zu diesem Bewusstsein gehört die Erkenntnis, dass das Team des HdW bei allem Einsatz nicht allen Menschen helfen kann. "Es ist eine Herausforderung, damit umzugehen, dass es bei einigen keine Entwicklung gibt", sagt Mülbrecht, "auch denen müssen wir beistehen."
Umso nachdrücklicher fällt Zekorns Anerkennung aus. "Uns als Kirche liegt an Ihrer Arbeit", sagt er, "weil uns an den Menschen liegt, für die Sie sorgen." Die Mitarbeiter des HdW täten das, was Urkern der christlichen Botschaft sei. "Sie leihen Jesus Ihre Hände", vergleicht Zekorn. Und bevor er seinen Besuch mit einer Besichtigung der Notunterkunft abschließt, sichert er dem Team zu: "Sie werden immer meine Anerkennung und mein Interesse haben."
Weitere Infos gibt es im Internet unter www.hdw-muenster.de.
Text: Bischöfliche Pressestelle
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
