Weihbischof Geerlings- Es ist Zeit für eine neue Fluechtlingspolitik

"Es gibt ein großes kirchliches Engagement in der Flüchtlingsarbeit auf allen Ebenen, trotzdem bleibt viel zu tun".

Das hat Weihbischof Dieter Geerlings am 12. November im Kreishaus Borken betont. Der Weihbischof sprach bei einer Veranstaltung des ‚Flüchtlingsrat Kreis Borken e.V.‘ mit der Überschrift ‚Flüchtlinge!!!??? – Was tut die Kirche?‘ vor rund 60 Interessierten aus dem Westmünsterland.

Eingangs erinnerte Geerlings daran, dass die "Katastrophe von Lampedusa" sich laufend wiederhole, in deren Nachgang Papst Franziskus die "Globalisierung der Gleichgültigkeit" angeprangert habe. Alleine von Januar bis Juni 2014 seien vor Italien wieder 2.500 Ertrunkene gezählt worden. "Die europäischen Staaten müssen dringend andere Zugangswege nach Europa eröffnen, damit das massenhafte Sterben von Flüchtlingen im Mittelmeer ein Ende hat", forderte der Weihbischof. "Wir sagen nicht: Alle sollen hierher kommen!", stellte Geerlings klar, "aber wenn die Menschen auf dem Weg und schließlich hier sind, sollen sie auch menschenwürdig behandelt werden!"

In Deutschland sei in diesem Jahr die Zahl der Flüchtlinge, die Asyl beantragen, etwa um die Hälfte höher als 2013, was eine große Herausforderung für die Kommunen mit sich bringe. Auch die Nachrichten über Misshandlungen von Flüchtlingen in Unterkünften in Nordrhein-Westfalen vor einigen Wochen hätten unmissverständliche Signale gesetzt, dass es "an der Zeit für eine neue Flüchtlingspolitik" sei. Umfragen in der Bevölkerung belegten, dass es zwar immer noch Menschen mit Vorbehalten oder Ablehnung gäbe, heute aber mehr Menschen den Flüchtlingen positiv gegenüber stünden und eine hohe Bereitschaft signalisierten, weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Anders als in den 90er Jahren sei die Diskussion von mehr Sachlichkeit geprägt, betonte der Weihbischof.

Vor diesen Hintergründen seien Christen, Pfarreien und das Bistum Münster weiterhin und vermehrt aufgerufen, "alles Erdenkliche zu tun, um Flüchtlinge willkommen zu heißen und sie zu unterstützen", erklärte Weihbischof Geerlings. Auf Bistumsebene sei in der akuten Situation eine Arbeitsgruppe unter Federführung des stellvertretenden Generalvikars eingerichtet worden, schilderte der Weihbischof. So habe man zunächst 30 geeignete Räumlichkeiten in Pfarreien aufgelistet, die nach Absprache mit der jeweiligen Kommune und etwaigen Umbaumaßnahmen als Wohnunterkünfte für Flüchtlinge dienen könnten. Außerdem sei vorgesehen, zusätzliche Flüchtlingsberater einzustellen. Über diese zwei Handlungsoptionen muss noch endgültig entschieden werden.

In kirchlichen Flüchtlingsinitiativen, Caritaskonferenzen und Pfarrgemeinden seien dankenswerterweise seit langem zahlreiche Ehrenamtliche sehr aktiv, kümmerten sich um Flüchtlinge, hielten Sprachkurse, unterstützten bei Behördenkontakten oder übernähmen Fahrdienste. "Trotzdem ist auch in dem Bereich längst nicht alles getan, erst recht nicht überall", stellte Geerlings klar. Gefragt seien mehr Einsatz von Menschen, die ganz einfache Dinge übernähmen: "Es geht um Hilfen zum Bestehen in unserer Alltagswelt, angefangen damit, zu erklären, wie Backofen, Mikrowelle oder die Heizung zu bedienen sind", sagte der Weihbischof. Auch viele hauptamtliche Mitarbeiter von Kirche und Caritas seien stark engagiert in den Bereichen Flüchtlingsberatung oder Ausländerseelsorge. Sie übernähmen zudem die Begleitung und Unterstützung der Ehrenamtlichen.

Hinzu komme der Bereich der politischen Interessenvertretung im Sinne der Flüchtlinge, erklärte Geerlings, die von Spitzenvertretern beider Kirchen intensiv wahrgenommen werde: "Die ökumenische Zusammenarbeit in dem Bereich klappt wunderbar". Der Weihbischof sprach auch die Arbeit der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz an und wies auf die lokalpolitische Einflussnahme hin, die örtlich Aktive übernähmen. Dies geschehe weniger in Konfrontation als in Kooperation: "In diesen Fragestellungen muss man zum Konsens finden", habe die Erfahrung gelehrt.

Trotz allen Engagements bleibe vielerorts noch viel zu tun, bilanzierte Weihbischof Geerlings am Ende seines Vortrags, Kirche müsse sich an den Maßstäben messen lassen, die sie selbst formuliere. Viele der Teilnehmer der Veranstaltung beteiligten sich beim abschließenden Gespräch, das weitere Aspekte des Themenfeldes aufwarf.

Text: Bischöfliche Pressestelle
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de