Weihbischof Geerlings lobt ehrenamtliche Arbeit in der Flüchtlingshilfe

"Es ist einfach unmöglich, wie in Deutschland in mancher Hinsicht mit Flüchtlingen umgegangen wird!"

Kopfschüttelnd hat Dieter Geerlings, Weihbischof des Bistums Münster, Eindrücke bewertet, die er bei Begegnungen mit Flüchtlingen in einer Gemeinschaftsunterkunft in Waltrop am Montag, 20. Oktober 2014, gewonnen hat.

Begleitet von Maria Gaida-Greger, einer Ehrenamtlichen aus der örtlichen Flüchtlingsarbeit, war der stellvertretende Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz den Flüchtlingen begegnet. Geerlings lernte Familien und Einzelpersonen kennen, die aus Albanien oder Bangladesh, aus Ghana oder Guinea, aus dem Kosovo oder aus Mazedonien, aus Pakistan oder Serbien geflohen und in einer Gemeinschaftsunterkunft in Waltrop gelandet waren.

"Wo kommen Sie her?", "Wie lange sind Sie hier?" - Rasch war der Weihbischof in Kontakt gekommen mit den Menschen, die ihm bereitwillig Auskunft gaben, ihm Türen öffneten und Küchen oder Schlafzimmer zeigten. Er hörte ihre Wünsche, vor allem einen: Eine andere Bleibe zu finden, mit vielleicht etwas mehr Wohnfläche und nicht unbedingt in einem Gewerbegebiet gelegen oder unterhalb einer stark befahrenen Bahnlinie.

Der Besucher aus Münster nahm irritiert zur Kenntnis, dass etwa Termine für Anhörungen schon um 8:30 Uhr in Düsseldorf angesetzt werden: "Selbstorganisiert kommen Flüchtlinge, die sich kaum auskennen und nur wenig Geld haben, von hier aus da kaum hin", hatte Gaida-Greger erläutert, "solche Termine wären auch so anzuberaumen, dass eine kostengünstige Hin- und Rückfahrt mit dem Schöner-Tag-Ticket möglich wäre". Man gewinne den Eindruck, stellte Geerlings fest, dass beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nicht genug bedacht werde, welche Herausforderungen und Härten man den Menschen zumute.

Eine Mutter schilderte dem Weihbischof, dass ihrer gesunden Tochter Sprachkurs und Schulbesuch gewährt würden, derweil deren behinderte, im Rollstuhl sitzende Schwester leer ausgehe. Müsse diese akut zu einem Facharzt, verstrichen Monate voller Formalitäten und Wartezeiten, bevor ein Behandlungstermin möglich würde: "Zu umständlich und zu langwierig", kommentierte Geerlings.

Der schon seit etlichen Monaten in der Unterkunft lebende Afrikaner Yaoulen (39) erzählte dem Weihbischof von seiner Schwierigkeit, arbeiten zu dürfen. Er habe, schilderte der Schwarze, eine Pizzeria gefunden, deren Chef ihn hätte einstellen wollen. Seinem potenziellen Arbeitgeber habe die Arbeitsagentur jedoch in einem formalisierten Schreiben mitgeteilt, dass nach wie vor genügend einheimische und binnenmarkt-europäische Arbeitskräfte arbeitssuchend seien. Im Ergebnis bleibe "sein" Arbeitsplatz jedoch unbesetzt, weil ihn von den Genannten niemand annähme: "Flüchtlinge dürfen offenbar nach wie vor nicht arbeiten, obwohl sie wollen: Ein Skandal!", prangerte Geerlings an.

Nach dem Besuch in der Gemeinschaftsunterkunft war der Weihbischof im Haus der Begegnung St. Peter noch mit mehr als 30 haupt- und ehrenamtlichen Aktiven aus der Flüchtlingsarbeit im ganzen Kreis Recklinghausen zusammen gekommen. "Welch ein Glück für die Flüchtlinge, dass es Sie gibt", hatte Geerlings gelobt und festgestellt: "Ohne Sie wäre für die Zuflucht Suchenden vieles nicht so einfach zu bewerkstelligen!"

Die grundlegenden Dinge seien zwar geregelt, räumte der Weihbischof ein, aber "es hakt im Detail". Manches, was er gesehen oder von dem er gehört habe, sei menschenunwürdig. Geerlings erzählte von seinem Besuch in der Schöppinger Flüchtlingseinrichtung, wo in den alten Kasernen der Niederländer eigentlich nur für 300 Menschen Platz sei, aber schon 500 notdürftig untergebracht gewesen und am Abend seines Besuches noch viele Dutzend Flüchtlinge hinzugekommen seien: "Die Politik hatte vor dem neuerlichen Ansturm die Augen verschlossen!"

Es sei an der Zeit, eine "echte und glaubwürdige Flüchtlingspolitik" einzufordern, hörte der Weihbischof. Aber auch die Kirche selbst, das Bistum und die Gemeinden müssten sich der Herausforderung stellen. In den Pfarreien gehe es vor allem darum, dieses Aufgabenfeld jetzt als zentralen Bestandteil von Gemeindecaritas zu begreifen und Ehrenamtliche für die Flüchtlingsarbeit weiterhin zu unterstützen und zu gewinnen. Von der Diözese verlange die Situation, das kirchliche Engagement für die Flüchtlinge durch weitere Hauptamtliche zu unterstützen, wo Ehrenamtliche nicht mehr weiter könnten. Den Aktiven aus dem Kreis Recklinghausen stellte der Weihbischof für 2015 einen weiteren Termin in Aussicht: "Für das Thema bleibe ich ansprechbar!"

Text: Bischöfliche Pressestelle
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