Weihbischof Lohmann: „Wir Christen haben der Freiheit zu dienen“

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Mit klaren Worten hat Weihbischof Rolf Lohmann, Regionalbischof für den Niederrhein und den Kreis Recklinghausen, die Gläubigen dazu aufgefordert, die Würde aller Menschen zu schützen und sich rechtsradikalen Strömungen entschlossen gegenüberzustellen. Das betonte er in einer Predigt im Xantener Dom am 6. September, in der er an zwei Predigten erinnerte, die der damalige Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, vor 90 Jahren in Xanten gehalten hatte.

Für die Predigt im Xantener Dom erhielt Weihbischof Rolf Lohmann (links) langen Applaus von den Gläubigen.

© Bistum Münster

Der spätere Kardinal hatte 1936 vor den Nationalsozialisten und ihrer menschenverachtenden Politik gewarnt. Lohmann schlug den Bogen in die heutige Zeit: „Wir erleben ja auch gerade das Erstarken rechtsradikaler Kreise, die auf die schwierigsten Fragen eines Gemeinwohls meinen, einfache Antworten zu haben und zu geben – und dabei die Leute an der Nase herumführen.“ Im Handeln von Galens aber sehe er „die unbedingte Pflicht von uns Christen, zu handeln, weder wegzuschauen noch wegzuhören, sondern mutig die Stimme zu erheben, und zwar die Stimme des Evangeliums, ob man sie hören will oder nicht“. Es sei heute „Christenpflicht, unser Dienst, unsere Aufgabe, für eine freiheitliche Ordnung und die Würde jedes Menschen einzutreten, für die Würde aller Menschen, unabhängig von Hautfarbe, Herkunft, Religion oder Anderem.“

Dazu gehöre es, „allen Menschen mit Achtung, Würde, Liebe und Solidarität zu begegnen“ und nicht „hasserfüllt von denen zu reden, die uns angeblich etwas nehmen, was uns gehört“. Das möge es zwar auch geben, sagte der Weihbischof, aber „trotzdem haben wir nicht das Recht, diese Welt einzuteilen in Klassen und Richtungen, in Deutsche und Nicht-Deutsche. Wir Christen sind – über alle Grenzen hinaus – Schwestern und Brüder, Verwandte Jesu Christi und Kinder des einen Gottes.“ Daher gelte der Blick der Christen „immer der ganzen Welt und nicht nur der kleinen Welt unseres Daseins“. Genau das meine das Wort „katholisch“: weltumspannend und weit. „Katholisch sein kann man nicht in Engführung, sondern nur in der Weite und Liebe Gottes“, betonte Lohmann.

Zum Abschluss erinnerte Lohmann an die Bedeutung des Xantener Doms als Zeugnis für die antiken Märtyrer um den Heiligen Viktor wie auch die Märtyrer des Nationalsozialismus und die daraus resultierende Verantwortung: „Dieser Dom will uns in unseren Tagen und in dieser geschichtlichen Stunde aufrufen, klar zu sein, den Glauben zu leben, Unrecht beim Namen zu nennen, die Freiheit zu achten, die Würde des Menschen zu betonen und beim guten Hirten zu bleiben, von ihm zu lernen und uns nicht von ihm lossagen. Das können wir vom heutigen Evangelium lernen. Gut, dass unsere Kirche solche Zeugen wie Kardinal von Galen, wie Karl Leisner und Nikolaus Groß, Alfred Delp und Dietrich Bonhoeffer, Edith Stein und Tausender anderer hervorgebracht hat. Lassen wir uns von diesem Ort ,ad sanctos‘, ,zu den Heiligen‘, von ,Xanten‘ her inspirieren.“ Lohmanns Appell: „Jetzt sind wir diejenigen, die ein klares, mutiges und gläubiges Zeugnis zu geben haben.“

Info

Clemens August Graf von Galen (1878–1946) wurde 1933 zum Bischof von Münster geweiht. Wegen seiner öffentlichen Predigten gegen die nationalsozialistische Willkür und insbesondere die „Euthanasie“-Morde wurde er als „Löwe von Münster“ bekannt. 1946 erhob Papst Pius XII. ihn zum Kardinal, wenig später starb von Galen in Münster. Die Predigten in Xanten hielt er im Februar 1936 anlässlich der Weihe des Altars in der Dom-Krypta sowie im September 1936 zur Großen Viktortracht. Im Jahr 2005 wurde er in Rom vom damaligen Papst Benedikt XVI. seliggesprochen.

Christian Breuer