Weihbischof Theising spendet Inhaftierten Sakrament der Firmung

Das Sakrament der Firmung soll Christen durch die Gaben des Heiligen Geistes im Glauben stärken und sie darin stützen, ihren Glauben zu bezeugen.

Das gilt auch und besonders für Menschen in schwierigen Lebenssituationen, etwa im Strafvollzug. Dort, in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Dinslaken hat Weihbischof Wilfried Theising am 6. November 2014 Häftlinge gefirmt.

Die entsprechende Messfeier war selbst für Gefängnisseelsorger Hermann Stukenbrock etwas Besonderes – aus zwei Gründen. Einerseits habe "zum letzten Mal 1998 eine Firmung in der JVA Dinslaken gespendet" worden, wie Stukenbrock rückblickend sagte. Das habe nicht zwangsläufig damit zu tun, dass seither keine der in Dinslaken inhaftierten Frauen für diese Vollendung der Taufe bereit gewesen sei, sondern damit, dass die Firmung bevorzugt in der Heimat des Firmanden oder der Firmandin stattfinden sollte. "Aufgrund des Strafvollzuges ist das natürlich nicht jedem Menschen möglich, der Willens ist, mit diesem Sakrament zu bezeugen, Christ zu sein", erklärte Stukenbrock.

Andererseits hat er selbst die inhaftierten Firmandinnen als Katechet begleitet und ist zugleich Firmpate. Auch das machte die Firmung in der JVA Dinslaken zu einem besonderen Ereignis für den Gefängnisseelsorger.

Dass die Gefängniskapelle zur Firmfeier hingegen vollständig gefüllt war und die Besucher sogar auf die Fensterbänke auswichen, wunderte Hermann Stukenbrock weniger. "Ein Gottesdienst ist in der JVA immer eine willkommene Abwechslung vom Gefängnisalltag", erläuterte er. Und mit einem Lächeln fügte er an: "Vermutlich bin ich derjenige Geistliche im Bistum, dessen Gottesdienste prozentual am besten besucht werden."

Fast alle der rund 70 inhaftierten Frauen nahmen an der Heiligen Messe in der Gefängniskapelle teil. Anders als für den Gefängnisseelsorger ist für Weihbischof Wilfried Theising ein Gottesdienst in einer JVA alles andere als alltäglich. Mit Blick in die übervolle Kapelle erinnerte er daran, dass Glauben auch dort lebendig sein kann, wo viele Sünder zusammenkämen. "Viele von Ihnen", wandte Theising sich an die Anwesenden, "haben etwas Schlimmes getan, und nun wird Ihr Alltag zurzeit beherrscht von einem Gefangen-Sein. Aber wer seinen Glauben lebt, der kann auch in einem Gefängnis frei sein." Theising nahm in der Predigt auch die Worte aus dem Lukas-Evangelium auf. Die Gleichnisse vom verlorenen Schaf und der verlorenen Drachme machten deutlich, dass "im Himmel mehr Freude herrschen wird über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren".

Theising gab den Inhaftierten zum Abschluss seiner Predigt Hoffnung: "Wenn Sie bald wieder in Freiheit sind, hoffe ich, dass Ihnen Ihr Glauben Halt geben wird." An die Firmandinnen gewandt sagte der Weihbischof: "Im Sakrament der Firmung haben Sie bekräftigt, dass eine Sünderin nicht verloren sein muss. Ich wünsche Ihnen, dass Sie jederzeit Ihren Glauben frei leben können."

Gefängnisseelsorger Hermann Stukenbrock zeigte sich zum Abschluss der Heiligen Messe gerührt und dankbar für die Beteiligung. Weihbischof Theising erhielt als Andenken an die Firmung in der JVA einen handgefertigten Engel. "Es gibt sie auch hier im Gefängnis", kommentierte eine Gottesdienst-Besucherin die Geschenkübergabe.

Neben den zahlreichen Gottesdienst-Besucherinnen dankte Hermann Stukenbrock auch den Dionysius-Singers aus Duisburg-Walsum, die die Messe mitgestalteten. Die Musikgruppe aus der Nachbarschaft begleitet regelmäßig Gottesdienste in der JVA Dinslaken. "Auch wenn wir zu Weihnachten wieder hier sein werden: Solch eine Heilige Messe war auch für uns eine Premiere", sagte Bernhardine Ivartnik, Leiterin der Dionysius-Singers.

Text: Bischöfliche Pressestelle
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