Wenn Katholikentag auf den ESC trifft

, Bistum Münster

Millionen Menschen werden am Samstag, 16. Mai, den Eurovision Song Contest (ESC) im Fernsehen verfolgen, mehrere Zehntausend werden parallel von Mittwoch bis Sonntag, 13. bis 17. Mai, den Deutschen Katholikentag in Würzburg besuchen. Johanna Vering verbindet sie alle und viele Menschen mehr: Zum achten Mal wird die Theologin und Pastoralreferentin am Samstagabend in der ARD die Sendung „Das Wort zum Sonntag“ gestalten. Gesendet wird es um 20.55 Uhr, unmittelbar vor dem Beginn des ESC-Finales, das ebenfalls in der ARD übertragen wird.

Johanna Vering wird am Samstagabend in der ARD die Sendung „Das Wort zum Sonntag“ gestalten. Gesendet wird es unmittelbar vor dem Beginn des ESC-Finales um 20.55 Uhr.

© WDR/Annika Fußwinkel

Für Vering, die beim Bistum Münster angestellt ist, ist „Das Wort zum Sonntag“ immer ein besonderer Anlass, diesmal gleich in mehrfacher Hinsicht: wegen des Sendetermins im Umfeld des ESC und weil die Verkündigungssendung am Freitagabend in Würzburg am Rande des Katholikentags aufgezeichnet wird. „Das passt prima zusammen“, findet Vering. Beide Großereignisse hätten mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick vermuten würde: „Beiden Events geht es um friedliches Miteinander, Zusammensein, Feiern.“

Genau das möchte sie in ihrem Beitrag aufgreifen und das Zusammenspiel zweier scheinbar gegensätzlicher Formate – eines kirchlichen Großtreffens und eines internationalen Pop‑Spektakels - thematisieren. Die Events seien nur scheinbar gegensätzlich, beiden gehe es im Kern um Zusammenhalt. 

In Verings Beitrag werden auch persönliche Erfahrungen einfließen. „Ich erzähle auch was vom Katholikentag 2018 in Münster“, kündigt sie an. Sie habe schon mehrere Katholikentage besucht und schätze deren „besondere Stimmung.“ Die Theologin ergänzt: „Ich mag die vielen, vielen Themen bei den Katholikentagen, dazu immer den Mut, für die Kirche ,heiße Eisen‘ anzupacken. Es gefällt mir auch, dass Menschen aller gesellschaftlichen Gruppen da sind und sprechen und sich zeigen.“

Diese Offenheit erkennt sie auch beim Eurovision Song Contest wieder. An diesem beeindrucke sie die Vielfalt der Nationen, Sprachen und Stilrichtungen und dass die Teilnehmenden bei aller Vielfalt miteinander feiern: „Es ist so ein buntes Fest!“ Vering weiß: „Klar, es ist auch ein Wettbewerb, bei dem ein Act gewinnt und viele verlieren. Dass das alles friedlich abläuft und gefeiert wird, finde ich klasse.“

Dass der ESC nie völlig unpolitisch sein kann, ist für Vering selbstverständlich. „Politik wird immer eine Rolle spielen, wenn so viele Nationen aufeinandertreffen. Aber sie spielt nicht die Hauptrolle – die spielen Frieden und Zusammensein.“ Insofern befürwortet sie, dass „die Diskussionen im Vorfeld stattfinden und sich alle eine reflektierte Meinung bilden.“

Der Aufzeichnung am Freitag sieht sie mit Spannung entgegen. Zwar sei sie „In Bezug auf das Sprechen vor der Kamera ein klein wenig routinierter“ als bei ihrem ersten Auftritt im Dezember 2024. Trotzdem unterscheide sich dieser achte Auftritt deutlich von den vorherigen, „weil es ein Außendreh und keine Studioproduktion ist.“ Diese Außendrehs gebe es beim „Wort zum Sonntag“ nur zweimal im Jahr: beim jeweiligen evangelischen oder katholischen Kirchentag und beim ESC. Diesmal falle beides zusammen, das sei schon außergewöhnlich. 

Daraus ergäben sich ungewohnte Rahmenbedingungen: „Es gibt keinen Teleprompter. Alles ist improvisierter.“ Vering vertraut aber auf das Team: „Es ist alles vom WDR, der Redakteurin und den Produzentinnen und Produzenten professionell geplant.“ Eine Unbekannte bleibt allerdings: „Wir sind draußen und hoffen sehr auf gutes Wetter.“

Nach der Sendung wird auch Johanna Vering die ESC-Übertragung verfolgen. Und bei aller Freude über das friedliche Miteinander beim Wettbewerb drückt sie die Daumen, um möglichst oft einen Satz zu hören, der bei ihr „fest eingeprägt und beim ESC immer im Ohr ist: „Germany twelve points – l’Allemagne douze points!“ 

Anke Lucht