„Der Krieg ist uns näher gerückt mit dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine“, sagt Reidgeld. Eine Ära des Friedens nach dem Zweiten Weltkrieg hätten allerdings nur die Menschen in Europa erlebt, nicht die Menschen im Nahen Osten, im Mittleren Osten und in den Ländern Afrikas. Reidegeld weiß, wovon er spricht: Er beschäftigt sich nicht nur wissenschaftlich mit dem Thema Krieg und Frieden, sondern ist seit 2014 auch humanitär in Syrien und Irak aktiv. Er kennt die Situation in Flüchtlingslagern. Die Menschen hätte vorher ein normales Leben geführt und wohnten nun seit zehn oder elf Jahren in Zeltstädten. „Ich erlebe dort eine hohe Selbstmordquote unter Jugendlichen, weil sie keine Perspektive haben“, sagt er. Dort sei eine junge Generation ohne die Chance auf Bildung und Selbstentwicklung aufgewachsen.
„Die Grundlehre der Kirche bleibt die Lehre vom gerechten Frieden, weil das Ziel immer der Frieden ist“, betont Reidegeld im Podcast. Doch auch in Europa sei man wieder mit der Realität des Krieges konfrontiert und müsse als Kirche und Christen darauf eine ethische Antwort geben, sagt der Friedensforscher. Dabei gehe es beispielsweise um die Frage, welche Mittel man zu seiner Verteidigung anwenden dürfe. In der halbstündigen Podcast-Episode macht Reidegeld zudem deutlich, dass Frieden nicht allein von politischen Entscheidungen abhängt, sondern auch von der Haltung jedes Einzelnen. Friedensstiftende Haltung beginne immer im persönlichen Umfeld, etwa durch Zuhören und gegenseitigen Respekt.
Wer die Folge hört, erhält zudem Einblicke in eindrucksvolle Friedensinitiativen, die Reidegeld auf seinen Reisen kennengelernt hat – etwa Rabbis, die palästinensische Bauern während der Olivenernte unterstützen, interreligiöse Friedenshäuser an der syrisch libanesischen Grenze oder kleine Projekte, in denen Menschen unterschiedlicher religiöser Traditionen gemeinsam Brücken bauen.
Die vollständige Podcast Folge mit Dr. Jochen Reidegeld ist ab sofort auf www.kannste-glauben.de sowie bei Spotify, Apple Podcasts, Deezer, YouTube und überall dort verfügbar, wo es Podcasts gibt.
Lara Bergjohann
