
Christoph Mühl
© Bischöfliche Pressestelle / Achim PohlAnders als die meisten der neu zu beauftragenden Kolleginnen und Kollegen kommt der 45-Jährige nicht direkt aus der Ausbildung, sondern hat langjährige Berufserfahrung als Pastoralreferent. Den Grundstein dafür legten seine Kindheit und Jugend: Im Erzbistum Paderborn im Lippedorf Anreppen aufgewachsen, engagierte sich Christoph Mühl als Messdiener in seiner Heimatgemeinde und im Franziskanerkloster Paderborn. Als Jugendlicher erlebte er die erste prägende Begegnung: „Mein Religionslehrer machte mich auf die Möglichkeit eines Freiwilligendienstes im Ausland aufmerksam.“
Letztlich war Mühl 20 Monate mit den Steyler Missionaren in Weißrussland. Im Wintersemester 2002/2003 begann er ein Theologiestudium in Münster, wurde danach wissenschaftlicher Mitarbeiter eines Forschungsprojekts zu ökumenischen Dialogen mit russisch-orthodoxer Beteiligung. „Die Wissenschaft ist ein spannendes Feld“, schildert der dreifache Vater, „aber es zog mich doch in die Seelsorge.“ Mühl startete als Pastoralassistent in Bad Iburg und Glane im Bistum Osnabrück seine Ausbildung. Im Anschluss arbeitete er als Pastoralreferent in den Pfarreiengemeinschaften Glandorf und Schwege sowie Bad Laer und Remsede. Zu seinen Aufgaben gehörten die Jugendstufenarbeit, Firmvorbereitung, Schulpastoral, Ökumene, Familienmesskreis und Bestattungsdienst. Außerdem war Mühl Geschäftsführer der Bischöflichen Kommission für Ökumene.
All das tat er gern – bis ihm wieder eine Begegnung zufiel. Auf der Trauerfeier eines KAB-Mitarbeiters erfuhr er, dass die Stelle der Geistlichen Leitung des Diözesanverbands Münster zu besetzen ist. „So eine Stelle wird nicht alle Tage ausgeschrieben, und daraus entwickelte sich der Gedanke, ob nicht für mich noch mal etwas Anderes dran sein könnte“, sagt Mühl. Einige Wochen ließ er diesen Gedanken reifen, um sich im Dezember 2025 im Nachbarbistum zu bewerben – erfolgreich. Auf die neue Tätigkeit freut er sich sehr: „Ich habe große Leidenschaft für die KAB.“ Ihre Anliegen findet er wichtig: „Zurzeit gibt es gesellschaftliche Umbrüche. Die Politik arbeitet an Reformen, die die Kirche begleiten muss, weil es ihr Auftrag ist, prophetisch und widerständig zu sein.“
Das gelte erst recht in einem so wichtigen menschlichen Bereich wie der Arbeit. „Arbeit strukturiert den Tag und das Leben“, begründet Mühl, „ob Erwerbs- oder Care-Arbeit oder Ehrenamt, überall sind wir tätig.“ Die Positionen der KAB haben ihn überzeugt: „Auf dieser Grundlage möchte ich mich gesellschaftspolitisch einbringen, nicht als Politiker, sondern als Kirchenmensch.“ Dabei sieht er sich an der Seite derer am Rand. „Als KAB bieten wir einen Gegenentwurf zur Überzeugung an, dass Wohlstand nur durch Mehrarbeit zu sichern ist“, sagt Mühl, „tatsächlich umfasst Wohlstand auch Zusammenhalt und Engagement.“
Bei aller Überzeugung weiß er: Praktische Verbandsarbeit „ist etwas anderes als Arbeit in der Gemeinde. In den Verbänden und auch in der KAB sind viele, die den jeweiligen Verband als ihre Kirche entdeckt haben.“ Seinem persönlichen Verständnis von Kirche kommt das entgegen: „Kirche ist viel weiter und viel größer als die amtlichen Strukturen.“ So möchte der Gievenbecker dazu beitragen, dass Kirche in der Lebensrealität von Menschen positiv erlebt wird: „Überall, wo Menschen aus dem Glauben handeln, ereignet sich Kirche, in Kita, Schule, Arbeitswelt und zu Hause.“ Mühl plädiert auch für Mut, mit neuen Wegen in der Pastoral Erfahrungen zu sammeln sowie die Verschiedenheit in den christlichen Schwesterkirchen wertzuschätzen. „Kirche kann künftig nur ökumenisch gedacht werden“, ist er überzeugt und möchte sich in die lebendige Gemeinschaft aller Glaubenden einbringen.
Elisabeth Wullkotte
