Wie und was künstliche Intelligenz in der Medizin entscheiden sollte

, Bistum Münster, Stadtdekanat Münster

Dass künstliche Intelligenz (KI) auch in der Medizin eine Rolle spielt und zunehmend spielen wird, ist unumstritten. Wie weit diese Rolle aber gehen und wie sie ausgestaltet werden soll, das ist am 10. Juni Thema des diesjährigen Ärztinnen- und Ärztetreffens des Bistums Münster in der Akademie Franz Hitze Haus Münster gewesen. Knapp 100 Teilnehmende waren auf Einladung von Diözesanadministrator Dr. Antonius Hamers dabei. 

Sie gestalteten das Ärztinnen- und Ärztetreffen (von links) Stellvertretende Akademiedirektorin Maria Kröger, Florian Funer, Klaus Winterkamp und Antonio Autiero.

© Bischöfliche Pressestelle/Anke Lucht

Überschrieben war das Treffen mit „Zwischen Entscheidungshilfe und Entscheidungsersatz: künstliche Intelligenz und ärztliche Verantwortung“. Als Referenten stellte Dr. Klaus Winterkamp, ständiger Vertreter des Diözesanadministrators, Dr. med. Florian Funer vor. Funer hat auch einen Magister in Theologie und ist am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Eberhard Karls Universität Tübingen tätig. „Im Mittelpunkt der Medizin darf nicht die Technik, sondern muss der Mensch stehen“, gab Winterkamp in Übereinstimmung mit „Magnifica humanitas“, der ersten Enzyklika von Papst Leo, einen Impuls für das Tagesthema. 

Danach stellte Funer Tools vor, die Lösungen für spezifische medizinische Probleme anbieten. Bei seinen Ausführungen konzentrierte er sich auf Anwendungen, die Diagnostik und Therapie unterstützen. Zur Frage, ob KI gute medizinische Entscheidungen liefern kann, gab der Referent zu bedenken: „Die KI macht Fehler, die menschliche Praxis aber auch.“ Wichtig für brauchbare KI-Entscheidungen seien repräsentative Trainingsdaten und die Identifikation sinnvoller kausaler Zusammenhänge. 

Der Stellenwert von KI-Empfehlungen bei der Entscheidungsfindung sei vor allem dann schwierig zu bemessen, wenn Ärztinnen und Ärzten oder Patientinnen und Patienten auf der einen sowie KI auf der anderen Seite sich uneinig seien. Der Einsatz von KI verändere die Rollen und Kommunikationsbedarfe. 

„Die Ziele der medizinischen Praxis fordern es moralisch, das Handeln so zu gestalten, dass es dem Wohl und Willen der Patientinnen und Patienten dient“, sagte Funer. Die ärztliche Autonomie sei ein Mittel, diese Ziele aktuell bestmöglich zu erreichen. Sollten allerdings KI-Tools diesen Zielen besser dienen, seien sie gegebenenfalls vorzuziehen. 

Als Fazit unterstrich der Experte, KI sei nicht an sich moralisch gut oder schlecht, gerecht oder ungerecht, sondern nur ihre Nutzung durch den Menschen könne das sein. Zu klären sei die ethische Frage, unter welchen Bedingungen und in welchen klinischen Kontexten der Einsatz von KI gut oder schlecht ist. Dazu müsse man sich über Kriterien beispielsweise für Repräsentanz und Ausschluss falscher Kausalitäten verständigen. 

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum, die Prof. Dr. Antonio Autiero moderier-te, vertieften die Teilnehmenden das Thema.

Anke Lucht