Zekorn sprach in Sambia

"Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist eine Wirklichkeit in den verschiedenen Gesellschaften auf der ganzen Welt - auch bei uns!"

Unmissverständlich hat Weihbischof Dr. Stefan Zekorn am Vormittag des 26. Juni vor den Teilnehmern der Internationalen Konferenz ‚Traditionelle Werte: Impulsgeber oder Hemmnis für die Menschenrechte?‘ Misshandlungen gegen Frauen weltweit kritisiert. Zekorn vertritt auf der Tagung, die noch bis zum 27. Juni in Lusaka/Sambia stattfindet, die Deutsche Bischofskonferenz und sprach zum Thema "Zur Überwindung von Gewalt gegen Frauen: Eine Kritik kultureller Traditionen um der Menschenrechte Willen".

Vor etwa einem Jahr habe eine Untersuchung der Europäischen Union für Grundrechte als Ergebnis erneut aufgezeigt, dass ein Drittel der Frauen in Europa nach ihrem 15. Lebensjahr körperliche Angriffe oder sexuelle Gewalt erfahren hätten, referierte der Weihbischof. Dies sei ein weiterer Beleg für die weltweit zu beobachtende Gewaltausübung gegen Frauen.
"Die Rolle der Kirche ist diesbezüglich ambivalent", räumte Zekorn ein. Einerseits habe der christliche Glaube im ersten Jahrtausend eine bedeutende Aufwertung der Frauen und ihrer Rechte in der Kirche und in der Gesellschaft im Vergleich zum römischen und germanischen Recht bewirkt. Andererseits sei die Bibel meist aus männlicher Perspektive gelesen und gedeutet worden, bekannte der Weihbischof: "Schemata der Unterordnung der Frauen" seien "tief in das Bewusstsein der Menschen und in die Wirklichkeit von Kirche und Gesellschaft eingeprägt".

"Besonders dunkel ist die Geschichte des sexuellen Missbrauchs von Mädchen und Frauen durch Männer und auch durch Priester", stellte Weihbischof Zekorn klar. Im Laufe der jüngst vergangenen Jahre habe die Kirche gelernt, wie entscheidend es sei, "aus der Perspektive der Opfer nach Lösungen zu suchen, die Gewalt gegen Frauen ein Ende" setzen könnten. "Hier haben viele Frauenorganisationen seit den 90er Jahren eine sehr wichtige Bewusstseinsarbeit geleistet, die zeigt, dass wichtige erste Schritte darin liegen, den Opfern zuzuhören und offen über die Wirklichkeit von Gewalt gegen Frauen zu sprechen", sagte der Weihbischof.

Im Hinblick auf die Zukunft könne es ein wichtiger Schritt sein, "wenn Staaten und Kirchen ein präventives Vorgehen gegen Gewalt gegen Frauen fördern", erklärte Zekorn. "Es sollte überall ein System geben, durch das in Schulen, Vereinen und anderen Organisationen die Tatsache der Gewalt gegen Frauen thematisiert wird, am Verhalten der Jungen und Männer gearbeitet und Hilfen für betroffene Mädchen und Frauen eröffnet werden", forderte Weihbischof Zekorn. Dies sei "angesichts des Leids vieler Frauen keine zu große Aufgabe".

Der Vortrag von Zekorn war Bestandteil der Internationalen Konferenz, die von der ‚Deutschen Kommission Justitia et Pax‘ in Bonn in Kooperation mit dem ‚Jesuit Center for Theological Reflection‘ in Lusaka initiiert wurde. Ziel der Tagung ist es, Spannungen zwischen kulturelleren Überzeugungen und Menschenrechten näher zu diskutieren, um zur Überwindung vermeintlicher oder reeller Gegensätze beizutragen. Teilnehmer sind Vertreter der Kirche, der Vereinten Nationen, des Afrikanischen Menschenrechtsschutzsystems, der Regierungen Deutschlands und Sambias sowie der Zivilgesellschaft.

Text: Bischöfliche Pressestelle
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