Zekorn spricht bei intern. Konferenz
"Wie hat der christliche Glaube Völker und Gesellschaften verändert und wie kann er heute Wandel bewirken?" – Einen Vortrag zu dieser Leitfrage hat Weihbischof Dr. Stefan Zekorn am 19. August im ghanaischen Tamale gehalten.
Er sprach bei der internationalen Konferenz ,Entwicklung braucht Veränderung: Wie kann der Wandel erreicht werden?‘ vor deutschen und afrikanischen Repräsentanten kirchlicher und universitärer Institutionen und Nichtregierungsorganisationen sowie Studierenden aus Tamale und Münster.
"Der christliche Glaube hat die Welt verändert: Nicht genug, nicht überall und nicht für alle Zeit, aber oft sehr nachhaltig": Mit diesen Worten fasste Weihbischof Zekorn seinen einleitenden Blick in die 2000-jährige Geschichte des Christentums zusammen. Zuvor hatte Zekorn dargelegt, die christliche Idee der Feindesliebe habe damals neue Gedanken in das von der alten griechischen und römischen Philosophie beeinflusste Denken gebracht. Der heilige Augustinus habe das Konzept des ‚gerechten Krieges‘ entscheidend weiter entwickelt und so dazu beigetragen, dass kriegerische Auseinandersetzungen weniger unmenschlich geworden seien. Im Vergleich zu römisch oder germanisch geprägten Gesellschaften habe das christliche Bild von Ehe und Familie auch die Rechte von Frauen und Kindern gestärkt. Und die Barmherzigkeit als gelebte Form der christlichen Nächstenliebe habe unter anderem dafür gesorgt, dass Krankenpflege, Hospitäler und schließlich fast überall staatliche Gesundheitswesen etabliert wurden. So hätten Christen die Geschichte mitgestaltet.
"Heute werden wir keinen bedeutenden Wandel in Gesellschaft oder Kirche erreichen, wenn wir uns immer an das Umfeld anpassen", leitete Zekorn den zweiten Teil seines Vortrags ein. Es sei nötig, die Wirklichkeit in Gesellschaft und Kirche wahrzunehmen. "Veränderung braucht Bekehrung", verlangte der Weihbischof, oft gehe es darum, christliche Alternativen zum gegenwärtig üblichen Verhalten zu entwickeln. Dabei sei das Evangelium der Maßstab, um die Welt im Sinne Gottes, der die Liebe sei, zu gestalten.
Mit Blick etwa auf die aktuell große Zahl von Flüchtlingen bedeute dieser Anspruch für europäische Christen, dass sie in ihrem Umfeld für Gerechtigkeit und Nächstenliebe Partei ergreifen müssten und sich selbst tatkräftig für Flüchtlinge engagierten. Ein gutes Beispiel sei eine Initiative von Christen, die ein Schiff finanzierten, das Flüchtlinge im Mittelmeer vor dem Ertrinken rette.
Soweit es um Afrika gehe, lobte der Weihbischof, habe dort die Familie eine besonders große Bedeutung: "Davon können wir im Westen lernen". Teilweise werde hier jedoch das Wohlergehen der Menschen jenseits der eigenen Familie außer Acht gelassen. Christen seien gefragt, tätige Nächstenliebe nicht nur in der Familie zu leben, sondern auch gegenüber jedem anderen Mitglied der Gesellschaft.
Weihbischof Zekorn erinnerte an die Enzyklika ‚Laudato Si‘ von Papst Franziskus. Dieser habe dargelegt, das Evangelium könne eine Spiritualität vermitteln , die Christen zu einem leidenschaftlicheren Einsatz motiviere. "Veränderungen in der Gesellschaft oder in der Kirche brauchen Veränderungen im Denken", endete Zekorn, "Veränderung braucht Spiritualität".
Die Konferenz ist eine Kooperationsveranstaltung der Kirchenprovinz Tamale, der ‚University for Development Studies‘ Tamale, des Katholischen Akademischen Ausländer-Dienstes (KAAD), der Katholischen Hochschulgemeinde Münster (KSHG) und des Bistums Münster. Bis Freitagabend hören die Teilnehmer Vorträge aus der Sicht von Wissenschaft, Politik, Entwicklungshilfe und Kirche, tauschen sich aus und unternehmen Exkursionen. Ziel der Konferenz ist es, Ansätze für ein ‚Change Management‘ und damit für effektive und nachhaltige Veränderungen in Gesellschaft, Politik und Kirche zu erarbeiten.
Die Konferenz steht im Kontext der Partnerschaft zwischen dem Bistum Münster und fünf Diözesen im Norden Ghanas, die seit mehr als 30 Jahren besteht. Infolge dieser deutsch-afrikanischen Verbindung war die KSHG Münster 2002 eine Gemeindepartnerschaft mit der Pfarrei St. Peter und Paul Tamale eingegangen. Diese wird auch in regelmäßigen, wechselseitigen Austausch- und Studienreisen für Studierende der Universitäten Münster und Tamale gelebt, zu deren Programm immer wieder auch solche Tagungen gehören.
Text: Bischöfliche Pressestelle
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
