Zentrum für ethische Bildung gegründet
Polizeibeamte müssten täglich weitreichende Entscheidungen treffen, und dies in Sekundenschnelle. Darüber hinaus seien sie oft mit menschlichem Leid, Angst und Tod konfrontiert.
"Damit dürfen sie nicht allein gelassen werden!" Das hat Ralf Jäger, Minister für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen, am 26. November bei der Eröffnung des Zentrums für ethische Bildung und Seelsorge in der Polizei NRW (ZeBuS) in Selm-Bork betont.
Die enorme psychische Belastung der Einsatzkräfte sei Grund genug für Staat und Kirche, die bewährte und gute Zusammenarbeit im Bereich der berufsethischen Orientierung und Polizeiseelsorge mit der Gründung des neuen Zentrums zu intensivieren und auszubauen. Innenminister Jäger, Generalvikar Norbert Kleyboldt vom Bistum Münster für die katholischen Diözesen in NRW und Albert Henz, Theologischer Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen unterzeichneten die Trägervereinbarung für das neue Zentrum. Bei der Feierstunde anwesend waren hochrangige Vertreter aus Politik, Polizei, Polizeiseelsorge sowie von der Katholischen und Evangelischen Kirche in NRW.
In keinem anderen Bundesland werde die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Kirche so intensiv betrieben wie in Nordrhein-Westfalen, schilderte Generalvikar Kleyboldt. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass 2014 mit dem 90-jährigen Bestehen der Polizeiseelsorge im nordwestdeutschen Raum ein weiteres Jubiläum gefeiert werde. Hier sei die Diözese Münster so etwas wie das Gründungsbistum, da in Münster 1924 die erste landesweite Bildungseinrichtung der Polizei entstanden war. In einer sich wandelnden Gesellschaft werde die Auseinandersetzung mit ethischen Themen immer wichtiger, erklärte Kleyboldt. Die Werteorientierung in der Polizei sei ein Fundament für Wege zur Problemlösung.
Polizisten hätten heute mit komplexeren Situationen umzugehen, ergänzte Vizepräsident Henz. Häufig seien Beamte mit Gewalt konfrontiert - auch wenn die Zustände nicht mit denen in den USA vergleichbar seien. Die natürliche "Autorität eines Dorfpolizisten" früherer Zeiten gebe es nicht mehr. Nicht mit physischen Folgen von Gewalt, sondern auch mit psychischen Verletzungen hätten Beamte zu kämpfen. "Das will verarbeitet werden", erklärte der Vertreter der Evangelischen Kirche. Das ZeBuS sei so etwas wie ein "Schutzraum für Schutzleute", brachte Henz es auf den Punkt.
Mit Sitz am Bildungszentrum des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW (LAFP) will das ZeBuS Schnitt- und Koordinierungsstelle zwischen operativer Polizeiarbeit und polizeilicher Fortbildung werden. Es soll im Auftrag der Kirchen vielseitige Angebote für Polizeibedienstete und Polizeiseelsorger bereitstellen. Die Idee dazu war im Jubiläumsjahr 2012 entstanden, als 50 Jahre Polizeiseelsorge in NRW und somit 50 Jahre Vereinbarung zwischen Saat und Kirche für die Polizei gefeiert worden waren. In dieser Tradition ist das ZeBuS eine Einrichtung mit Vorreiterfunktion, die bisher bundesweit einmalig ist.
Präsentiert wurden bei der Festveranstaltung auch Ethikprojekte, die aktuell im LAFP entwickelt werden und mit dem Projekt "Grenzgang" bereits 2010 ihren Anfang nahmen. Bei dem Projekt "Grenzgang" handelt es sich um eine Ausstellung in Selm, in der in vier Räumen die Themenfelder Umgang mit Randgruppen in der Gesellschaft, Polizei und Gewalt, Polizei in Extremsituationen und Umgang mit Sterben und Tod behandelt werden.
Ganz aktuell in Arbeit sind die Projekte "PolizeiKulturRaum" im Schloss Holte-Stukenbrock, eine Ausstellung, bei der Besucher in das Wesen der Polizeikultur eingeführt werden und mit berufsethischen Fragen in Berührung kommen. Ziel dabei ist eine Identifikation mit dem Berufsbild eines Polizisten und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Wertmaßstab und Selbstverständnis. Das andere Projekt läuft unter dem Titel "menschenBILDer". Die Ausstellung in Brühl ist ein berufsethischer Erfahrungsraum, der mit allen Sinnen erlebt werden kann. Auf einem Erlebnispfad mit neun Stationen wird auf interaktive Weise ein Perspektivwechsel provoziert mit dem Ziel der persönlichen Standpunktbestimmung.
Text: Bischöfliche Pressestelle
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
