Bischof Dr. Heiner Wilmer: Zum Hochdeutschlernen nach Hopsten

, Bistum Münster, Kreisdekanat Steinfurt

„In der hinteren Reihe ganz rechts, das muss er sein.“ Annemarie Möllenkamp zeigt auf den kleinen Jungen, der neben Ordensschwester Agretha auf dem leicht vergilbten Foto steht. 59 Jahre ist das Bild alt – und der papierene (!) Beweis für eine gemeinsame Kindergartenzeit mit Münsters neuem Bischof Dr. Heiner Wilmer. Der hatte bei seiner Vorstellung am 26. März ausgeplaudert, dass er zusammen mit Bruder und Cousin im letzten Jahr vor der Einschulung morgens aus dem emsländischen Schapen mit dem Auto ins nur wenige Kilometer entfernte nordrhein-westfälische Hopsten gebracht worden war, „um Hochdeutsch zu lernen.“ Zu Hause bei den Wilmers wurde nämlich nur Platt gesprochen.

Fast 60 Jahre ist das Foto alt und zeigt Bischof Dr. Heiner Wilmer mit seiner Kindergartengruppe in Hopsten.

Der hatte bei seiner Vorstellung am 26. März ausgeplaudert, dass er zusammen mit Bruder und Cousin im letzten Jahr vor der Einschulung morgens aus dem emsländischen Schapen mit dem Auto ins nur wenige Kilometer entfernte nordrhein-westfälische Hopsten gebracht worden war, „um Hochdeutsch zu lernen.“ Zu Hause bei den Wilmers wurde nämlich nur Platt gesprochen.

An Details aus dieser Zeit kann sich Annemarie Möllenkamp kaum erinnern. Dabei hütet die 65-Jährige, die selbst kirchlich engagiert ist und seit Januar als Ehrenamtliche im Leitungsteam des Pastoralen Raums Mettingen Verantwortung übernimmt, Bild und Bastelarbeiten von früher wie einen Schatz. Aber: „Es liegt so lange zurück – und wir waren ja Kinder.“ 

Mit wem sie damals im Kindergarten St. Georg zusammen am Tisch gesessen und gemalt hat, ist ihr erst vor neun Jahren klar geworden. Als sie ein Wiedersehen zur 50-jährigen Entlassung aus dem Kindergarten organisieren und anhand des Fotos die Adressen heraussuchen wollten, stieß das Vorbereitungsteam auf drei Jungen mit ihnen unbekannten Gesichtern. „Das müssen die aus Schapen sein“, waren Annemarie Möllenkamp und ihre Mitstreiter überzeugt, „alle anderen kannten wir.“ Sie nahmen Kontakt zu einem Mädchen auf, das ebenfalls aus dem benachbarten Emsland kam: „Sie sagte sofort: Einer von denen ist doch der Heiner.“ Heiner…? Heiner Wilmer – von ihm hatte Annemarie Möllenkamp selbstverständlich gehört. In anderem Zusammenhang: Immer mal wieder feierte der Ordensmann und Priester zu besonderen Anlässen Gottesdienste in der Hopstener Pfarrkirche. 

Annemarie Möllenkamp

Annemarie Möllenkamp war zusammen mit Münsters neuem Bischof Dr. Heiner Wilmer im St.-Georg-Kindergarten in Hopsten.

Die Einladung zum Kindergartenjubiläum musste Wilmer leider ausschlagen. Das teilte er seiner ehemaligen Kindergartengruppe persönlich in einer Grußbotschaft mit. Die Clique aus Hopsten hat die Karriere des Kirchenmannes seitdem noch bewusster verfolgt. Annemarie Möllenkamp: „Als er dann im Dom als neuer Bischof von Münster vorgestellt wurde, war unser erster Gedanke: Mit dem waren wir im Kindergarten. Und natürlich freuen wir uns.“ 

Zu seiner Amtseinführung wird Annemarie Möllenkamp am Sonntag, 21. Juni, voraussichtlich nicht nach Münster fahren: „Ich glaube, ich habe mehr davon, wenn ich mir den Gottesdienst im Fernsehen anschaue.“ Der WDR überträgt diesen live ab 14 Uhr aus dem St.-Paulus-Dom.

Sie hofft jedoch, dass Bischof Wilmer ganz bald in Hopsten vorbeischaut – und es vielleicht dabei zu einem Treffen mit den inzwischen Erwachsenen aus seiner Kindergartengruppe kommt. Ob sie dann Du oder erst mal Sie zu ihm sagt? „Wahrscheinlich eher Sie. Schließlich ist er jetzt unser Bischof.“

Gudrun Niewöhner