Zwei Studierende am Overberg-Kolleg empfangen Sakramente

"Nächstenliebe" – es ist dieses Wort, das Helena Rehorst als erstes in den Sinn kommt, wenn sie ihre Schule, das Overberg-Kolleg in Münster, beschreiben soll.

Seit eineinhalb Jahren besucht die 23-Jährige aus Greven das Weiterbildungskolleg des Bistums Münster, um auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abitur nachzuholen.

Das gleiche Ziel hat auch Tim Köstens (25) aus Münster. In den vergangenen Monaten haben beide nicht nur viel für Klausuren und Prüfungen gelernt, sondern auch fürs Leben. Das gute Miteinander unter Mitschülern und mit Lehrern sowie viele Begegnungen haben sie zu einem Schritt bewogen, der ihr Leben verändern soll. Anfang Dezember ließ sich Helena Rehorst in der Kapelle des Overberg-Kollegs taufen. Gemeinsam mit ihrem Mitschüler, der bereits als Kind getauft wurde, empfing sie die erste Heilige Kommunion und wurde gefirmt.

"Ich habe hier einen anderen, für mich neuen Umgang mit Menschen kennengelernt, den ich übernehmen möchte", erklärt Helena Rehorst. Von den zwei vorherigen städtischen Schulen ist sie einen raueren Ton gewöhnt, die Größe der Schulen ließ nur schwer ein Gemeinschaftsgefühl aufkommen. "Hier am Overberg-Kolleg dagegen wird niemand zurückgelassen und bei Problemen kann man jede Lehrerin und jeden Lehrer ansprechen", lobt auch Tim Köstens.

Vor knapp einem Jahr begann Helena Rehorst genau diese Werte und Einstellungen zu hinterfragen, wollte sie auf ihr Leben außerhalb der Schule ausweiten. Über den Glauben sprach sie zunächst mit ihrer Religionslehrerin, dann mit Schulseelsorgerin Schwester Annette Wolf. Auf der Suche nach einem Taufpaten stieß sie auf ihren 25-jährigen Mitschüler, der sich ebenfalls regelmäßig mit diesem Thema auseinandersetzte. "Auch wenn ich die Erstkommunion und die Firmung nicht empfangen habe – den Glauben habe ich behalten", erklärt Köstens. Immer mal wieder habe er gebetet, "zum Beispiel, dass ich es schaffe, mit dem Rauchen aufzuhören", erinnert er sich schmunzelnd. Weil er das Taufpatenamt nicht übernehmen konnte, ohne gefirmt zu sein, traf er eine Entscheidung.

Ein halbes Jahr lang bereitete Schwester Annette die beiden Studierende auf die Sakramente vor: Helena Rehorst auf die Taufe und beide gemeinsam auf die Erstkommunion und Firmung. Wöchentlich trafen sich die drei dazu in einer Freistunde, sprachen über Glaubensvorstellungen und -wissen. "Ich habe mir eine Bibel besorgt, durchgeblättert, über manche Stellen philosophiert und mir andere erklären lassen", blickt die 23-Jährige zurück.

Ein Schlüsselerlebnis hatte sie schließlich bei einer Jugendkatechese zum Thema Talente mit Weihbischof Dr. Christoph Hegge in der Jugendkirche effata in Münster. Gerne denkt sie an diesen Abend während ihrer Taufvorbereitung zurück, der ihr die Augen für ihre eigenen Fähigkeiten öffnete: "Man zweifelt ja oft an sich und fragt sich: Was kann ich eigentlich? Wenn dich aber jemand bewusst darauf aufmerksam macht und sogar genau das sagt, was man selbst gerade denkt, dann entwickelt man einen ganz anderen Blick für die eigenen Leistungen." Für Helena Rehorst war dies ein weiteres Zeichen dafür, sich zu entscheiden, woran sie glauben möchte.

Auch Tim Köstens erinnert sich an einen sehr intensiven Moment während der Vorbereitung. Zwei Tage nahm er an einem Angebot für junge Erwachsene teil, organisiert von der internationalen Gemeinschaft der Dienerinnen und Diener des Evangeliums. "Abends waren wir bei einem Taizé-Gebet in einer kleinen Kapelle, überall waren Kerzen, wir haben Lieder gesungen und es war eine tolle Atmosphäre." Als bestärkend habe er den Glauben dort und darüber hinaus erfahren. "Wenn man sich darauf einlässt, kann man daraus wirklich Kraft schöpfen", sagt er.

Diese Perspektive ist auch für Helena Rehorst neu. Ihre Eltern – die Mutter katholisch, der Vater evangelisch – entschlossen sich damals, ihrer Tochter die Entscheidung für eine Konfession zu überlassen. Umso mehr freute sich Helena Rehorst schließlich über die prompte Zusage ihrer Mutter, ihre Taufpatin zu werden.

"Der Augenblick der Taufe war für mich ein ganz besonderer Moment", blickt die junge Frau zurück. Aufgenommen und getragen habe sie sich gefühlt. Dass Gott sie nicht als Irgendjemand, sondern mit ihrem Namen anspreche, habe Pfarrer Clemens Lübbers, Geistlicher Rat und Abteilungsleiter der Abteilung Schulpastoral, in seiner Predigt erklärt. "Er hat gesagt, dass mein Name ‚die Leuchtende‘ bedeutet und dass ich mit diesem Wissen vertrauensvoll meinen weiteren Weg als Christin gehen kann", sagt Helena Rehorst.

Bildunterschriften: Als Zeichen der Taufe trug Helena Rehorst einen weißen Schal und hielt die Taufkerze mit ihrem Namen in den Händen.

Text: Bischöfliche Pressestelle / 21.12.16
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
Fotos: Overberg-Kolleg