Hildegard Fenke und Walter Tacke haben beide über das Bistum Münster die Ausbildung für den ehrenamtlichen Begräbnisdienst absolviert. Seit ihrer Beauftragung im November haben sie erste Erfahrungen gesammelt – und wissen: Eine Beerdigung zu leiten, bedeutet weit mehr, als vorne in der Friedhofshalle zu stehen und einen Text vorzulesen.
Mehrere Jahrzehnte lang arbeitete Hildegard Fenke sowohl bei der Sparkasse in der Beratung als auch an den Wochenenden in der Krankenpflege, unter anderem mit schwer kranken Menschen. Nach ihrer Pensionierung kam ihr Engagement in der Hospizarbeit dazu. Als Pfarrer Peter Lenfers sie fragte, ob sie sich vorstellen könne, Beerdigungen zu leiten, brauchte sie einige Monate für ihre Entscheidung. Heute sagt sie: „Meine frühere Arbeit und mein jetziges Ehrenamt haben viele Parallelen: In beiden Bereichen bin ich nah an den Menschen.“
Auch Walter Tacke bringt Erfahrung im Umgang mit Menschen mit. Der 67-Jährige engagierte sich rund 25 Jahre im Pfarreirat, er ist Lektor, Kommunionhelfer und Leiter von Wortgottesdiensten. Beruflich ist er Unternehmer – mit Theologie hatte sein bisheriger Weg wenig zu tun. Trotzdem fühlte er sich von der Aufgabe angesprochen und absolvierte die Ausbildung des Bistums Münster. Seine erste Beerdigung leitete er kurz nach der Beauftragung. Zwei weitere folgten. Vor einigen Wochen entschied er sich unter anderem wegen beruflicher Verpflichtungen für eine Pause. Nicht, weil er die Aufgabe nicht übernehmen wollte – im Gegenteil. „Wenn ich das mal eben zwischendurch mache, werde ich den Angehörigen nicht gerecht“, sagt Tacke.
Es geht nicht nur um Worte
Denn der Aufwand ist nicht unerheblich: Trauergespräch, Vorbereitung der Ansprache, Abstimmungen mit den Angehörigen und schließlich die Beerdigung selbst. Tackes Anspruch ist es, eine Feier würdevoll vorzubereiten und die Menschen gut durch diesen schwierigen Tag zu begleiten.
Was beide an ihrem Dienst besonders wichtig finden, zeigt sich vor allem im Gespräch mit den Angehörigen. Hildegard Fenke versucht zunächst wenig zu fragen: „Man muss auch mal die Stille aushalten“. Oft kommen die Erinnerungen dann von selbst. Aus diesen Gesprächen entsteht schließlich die persönliche Gestaltung der Beerdigung. Dabei geht es längst nicht nur um Worte. Beide versuchen, Rituale zu finden, die zu den Menschen passen. Bei einer Beerdigung wurden etwa Kerzen verteilt, die Angehörige und Freunde an einem Foto des Verstorbenen entzünden konnten. Die Enkelkinder malten Herzen in eine Schale mit Sand. „Die Leute brauchen manchmal etwas, was sie tun können“, sagt Hildegard Fenke.
Tacke hat eine ähnliche Haltung. Vor einer Beerdigung nimmt er sich Zeit für die Menschen und versucht, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie diesen Tag nicht allein bewältigen müssen. „Wir gehen da gemeinsam durch und wir schaffen das, Sie sind nicht allein“, beschreibt er seine Rolle.
“Aufmerksam sein, ohne zu bewerten”
Dabei erleben beide, wie unterschiedlich Trauer und Familien sein können. Manche Angehörigen erzählen im Trauergespräch sofort von früher, andere brauchen Zeit, um Erinnerungen hervorzuholen. Manchmal sind Familien eng verbunden, manchmal gibt es Spannungen, die während der Beerdigung spürbar werden. Für Tacke gehört auch das zur Aufgabe: „Aufmerksam zu sein, ohne zu bewerten.“
Dass immer weniger Menschen mit kirchlichen Ritualen vertraut sind, nehmen beide wahr. Umso wichtiger sei es, die Feier verständlich und persönlich zu gestalten – und gleichzeitig ihren christlichen Charakter zu bewahren. Für Tacke ist sein Glaube dabei die Grundlage seines Engagements: „Wenn ich nicht daran glauben würde, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, könnte ich das nicht machen.“
Auch Hildegard Fenke möchte den Menschen vor allem mit Wertschätzung begegnen. „Ich finde es immer wertschätzend, jeden Menschen so anzuerkennen, zu nehmen, wie er ist und für diesen Menschen auch nachher diesen letzten Weg zu gestalten.“
Ann-Christin Ladermann

