Solche Tabus wirken sich oft verheerend aus, wie die jüngere Kirchengeschichte mit dem Missbrauchsphänomen gezeigt hat. Deshalb braucht es auch theologisch und spirituell dringend eine Enttabuisierung, zumal es nirgends einen machtfreien Raum gibt. Es geht also nie um die Frage nach dem "ob", sondern nach dem "Wie". Macht braucht einen kultivierten Umgang und „checks and balances“. Denoch: Was wären die Menschen, dienstlich und privat, ohne Macht – als einem Vermögen, zu gestalten, selbstwirksam und potent im Sinne von fruchtbar zu sein …? Der Jesuit Stefan Kiechle nennt als ersten seiner zwölf Leitsätze zur Macht: „Nehmen Sie Ihre Macht an und üben Sie sie aus. Sie ist ein gutes Mittel, um Gutes zu tun und Zielen zu dienen.“ Macht kann/soll dazu beitragen, andere zu ermächtigen. So irritierend und fremd die Gebetsanrede „Allmächtiger Gott“ für viele geworden ist – so kann es doch nur um eine „ermächtigende Macht“ Gottes (Richard Schaeffler) gehen, die Menschen zu aufrechtem Gang und einem authentischen Menschsein befähigt. Wenn im Evangelium von Jesu Vollmacht in Wort und Tat die Rede ist, dann ist diese „Dynamis“ eine Kraft, die Leben hervorbringt und frei macht. In dieser Fortbildung wird eine inhaltlich-theologische, philosophische, spirituelle und persönliche Auseinandersetzung mit der ambivalenten Machtthematik angestrebt. Zugleich soll sie das eigene Verhältnis zur Macht wahrnehmen und kultivieren helfen.
Zielgruppe Priester, Diakone, Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten
Credit Points 2
Referenten Prof. Dr. Michael Höffner, Dr. Florian Kleeberg
