... in vielen Sprachen und Völkern - Seelsorge für Katholiken anderer Muttersprache, Kultur und Ritus

Unsere Seelsorge Ausgabe November 2020

Die Novemberausgabe von Unsere Seelsorge beschreibt die vielfältige Realität und die Bedeutung der Seelsorge für Katholiken anderer Muttersprache, Kultur und Ritus im Bistum Münster.

Während die Geschichte der „Ausländerseelsorge“ bereits Anfang des 20. Jahrhunderts beginnt, geht die Errichtung vieler Missionen anderer Muttersprache in den deutschen (Erz-)Bistümern erst auf die Anwerbung sogenannter Gastarbeiter in den 1950er Jahren zurück. Damals ging man noch von einem zeitlich befristeten Aufenthalt der ausländischen Arbeitskräfte aus. Inzwischen haben sich jedoch die Rahmenbedingungen und Perspektiven völlig verändert: Vor allem durch das Zusammenwachsen Europas, die Freizügigkeitsregelungen der Europäischen Union und nicht zuletzt durch die von Krieg, Gewalt und Armut verursachten Fluchtbewegungen sind Menschen mit Migrationshintergrund – seien es Studierende, Arbeitskräfte, Familienangehörige, Eingebürgerte, Geflüchtete – ein selbstverständlicher Teil der deutschen Gesellschaft und auch der Kirche geworden. Die Katholikinnen und Katholiken aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern und kulturellen Regionen sind im Bistum Münster mit einem Anteil von weit über 10 % eine nicht zu vernachlässigende Größe. Durch die Präsenz ihrer Sprache, ihrer kulturellen Wurzeln, ihrer verschiedenen Riten und Weisen, wie sie ihren Glauben leben, sind sie ein Ausdruck für die Vielfalt der Kirche in unserer Zeit.

„Das Wahrnehmen der Gemeinden anderer Muttersprache verändert auch das eigene Glaubensleben von uns Einheimischen. Wir in Deutschland sind nur ein Segment der Weltkirche. Der Glaube der Migranten erinnert mich daran, dass Glaube vielfältig gelebt werden kann und immer auch Aufbruch bedeutet. Hier kann auch gesehen werden, was Kirche zum ‚Entlernen‘ von Fremdenfeindlichkeit und zum Erlernen der Fähigkeit zur Vielfalt bedeutet und damit auch zum friedlichen Zusammenleben in unserer Gesellschaft“, beschreibt Bischof Felix Genn seine Erfahrungen aus den Begegnungen in den Gemeinden und Missionen anderer Muttersprache.

Die Artikel dieser Ausgabe von Unsere Seelsorge Ausgabe beleuchten dieses integrale Feld der Pastoral im Bistum Münster aus verschiedenen Blickwinkeln: Die historischen Anfänge von den sogenannten Gastarbeitern, über die vietnamesischen Boat-People der 1970er Jahre bis zu den Migrationsbewegungen der Gegenwart. Die Artikel thematisieren die spezifischen Herausforderungen an die Migrationsgemeinden, die soziale Aufgabe und den Beitrag dieser Gemeinden für eine gesellschaftliche Integration, die kulturelle und spirituelle Diversität der verschiedenen Sprachgruppen, die Option für eine weltumspannende Katholizität und Weltkirche, die Spannung zwischen Fremdheit und Beheimatung, den Umgang mit Formen des Rassismus in der Gegenwart und nicht zuletzt die Bereicherung durch die unterschiedlichen katholischen Riten der unierten Ostkirchen.

Insgesamt geht es um ein Plädoyer für gelebte Diversität, um dem universalen Anspruch des Evangeliums, des Katholisch-seins, gerecht zu werden und darum, wie eine Kirche für alle Glaubenden gleich welcher Herkunft, Kultur und Spiritualität glaubwürdig gelebt werden kann.

 

In Ergänzung der Printausgabe bietet die Redaktion weitere Artikel digital an:

Geschichte der Seelsorge für Migranten in Deutschland
Von den ersten Dokumenten Anfang des 20.ten Jahrhunderts über die Zeit der Gastarbeiter bis heute
P. Martin Üffing SVD

Eine kleine Botschaft
MAŁGORZATA WÓJCIK ist Sekretärin der Polnischen Gemeinde
Claudia Maria Korsmeier

Singend auf dem Weg nach Telgte
Interview mit Viktoria Strozoda, Mitglied der polnischen Gemeinde
Claudia Maria Korsmeier

Ein Gefühl von Heimat
Interview mit Gabriela Kozlovac
Karin Weglage