16. Kirchliches Filmfestival in Recklinghausen gestartet

, Kreisdekanat Recklinghausen

Das Kirchliche Filmfestival Recklinghausen ist am Mittwochabend, 11. März, mit einem starken Plädoyer für Empathie, Hoffnung und gelebte Inklusion in seine 16. Ausgabe gestartet. Vor einem voll besetzten Saal begrüßte Michael M. Kleinschmidt, der gemeinsam mit Horst Walther die künstlerische Leitung bildet, die Gäste und erinnerte daran, dass das Festival seit jeher von der persönlichen Begegnung lebt – mit Filmschaffenden, Künstlerinnen und Künstlern und mit Menschen, die Geschichten auf die Leinwand bringen.

Wie ein roter Faden zieht sich in diesem Jahr das Thema „Sichtbar machen“ durch das Programm. Mit dem Eröffnungsfilm „Als wäre es leicht“ setzten die künstlerische Leitung und das Veranstaltungsteam direkt einen besonderen Akzent. „Sie erleben eine Premiere. Wir zeigen den Film in einer barrierefreien Version – mit Untertiteln und Audiodeskription“, kündigte Kleinschmidt an. Der Spielfilm erzählt die zarte und zugleich komplexe Liebesgeschichte zwischen der gehörlosen Kathi und dem blinden Florian – eine Beziehung, die trotz Sinnesbarrieren, familiärer Erwartungen und innerer Konflikte entsteht. Mit großer Sensibilität lotet der Film aus, was eigentlich „normal“ bedeutet, wie Kommunikation gelingen kann und wie viel Mut es braucht, sich auf einen anderen Menschen wirklich einzulassen. Die behutsame Kamera, die mosaikhafte Erzählweise und die authentischen Darstellungen von Cindy Klink und David Knors machen den Film zu einem eindringlichen Plädoyer für Perspektivwechsel, Selbstbestimmung und die Kraft der Liebe.

Michael Kleinschmidt und Oliver Berkemeier stehen nebeneinander und strecken den linken Arm in die Höhe

Künstlerischer Leiter Michael M. Kleinschmidt (links) eröffnete mit Pastoralreferent Oliver Kleinschmidt vom Veranstaltungskreis das Festival.

© Bistum Münster

Vier Personen stehen vor der Leinwand und kommunizieren miteinander.

David Knors, Cindy Klink sind mit Michael M. Kleinschmidt und dem Publikum im Gespräch. Unterstützt werden sie von Gebärdendolmetscherin Alexandra Lorenz (von links).

© Bistum Münster

Im anschließenden Filmgespräch wurde eindrucksvoll sichtbar, wofür das Kirchliche Filmfestival steht: für echte Begegnungen, neue Blickwinkel und den Mut, komplexe Lebenswirklichkeiten sichtbar zu machen. Die gehörlose Schauspielerin Cindy Klink und der sehbehinderte Schauspieler David Knors berichteten von ihrer Arbeit am Film – und davon, wie wichtig authentische Darstellung und inklusive Produktionsbedingungen sind. „Der Film ist davon geprägt, Klischees zu vermeiden und stattdessen echte Lebensrealität abzubilden“, sagte Knors, der erstmals vor der Kamera stand. Klink machte deutlich, dass Normalität individuell erlebt wird: „Alle Menschen sind verschieden.“ Für sie sei ihr Leben als gehörlose Person ebenso selbstverständlich wie das eines Hörenden. Hören bedeute nicht automatisch Verstehen, sagte sie, viele Barrieren entstünden erst durch gesellschaftliche Erwartungen. Knors ergänzte, Normalität sei eine Frage der Perspektive. Sein Alltag mit Sehbehinderung sei „einfach normal“, und die Einschränkung hindere ihn nicht grundsätzlich daran, seinen Weg zu gehen. Beide verdeutlichten, dass Normalität kein objektiver Maßstab ist, sondern eine persönliche Erfahrung.

Das Publikum nutzte das Gespräch für Fragen und persönliche Rückmeldungen. Viele Zuschauerinnen und Zuschauer berichteten, wie die Audiodeskription und die Untertitel ihnen einen neuen Zugang eröffneten und der Perspektivwechsel des Films sie nachhaltig beeindruckt habe. Ein Besucher fasste es so zusammen: Der Film zeige, „wie nah wir einander eigentlich sind – trotz aller Unterschiede“.

In ihrem Grußwort lobte zuvor Superintendentin Saskia Karpenstein das Ansinnen des Festivals, die Wirklichkeit zu zeigen, „aber auf eine Weise, die anders ist als das, was uns sonst begegnet“. Der Eröffnungsfilm sei dafür ein eindrückliches Beispiel, weil er zentrale Fragen nach Liebe, Identität, Verletzlichkeit und menschlicher Würde aufwerfe. Kreisdechant Karl Kemper erinnerte daran, wie bedeutsam „unbequeme Filme“ gerade in unbequemen Zeiten seien. Sie könnten irritieren, berühren und zugleich stärken – vor allem, weil sie Hoffnung sichtbar machten. Kirche müsse, so Kemper, zuallererst diese Hoffnung in die Gesellschaft hineintragen.

Bürgermeister Axel Tschersich würdigte das Festival als „Aushängeschild einer lebendigen Stadtgesellschaft“ und unterstrich die Bedeutung eines kulturellen Ortes, der unterschiedliche Perspektiven sichtbar macht und zum Dialog einlädt. „Unbequem ist ein gutes Motto“, sagte er und lobte den Mut des Festivals, seit 16 Jahren Geschichten zu zeigen, die nicht stromlinienförmig sind, sondern Gespräche auslösen.

Am Eröffnungsabend wurde spürbar, was das Kirchliche Filmfestival seit vielen Jahren auszeichnet: ein offener Blick auf die Welt, die Begegnung zwischen Menschen und der Wille, gesellschaftliche Themen nicht abstrakt, sondern persönlich und berührend zu erzählen. Die kommenden Festivaltage versprechen weitere Filme, die irritieren, trösten, herausfordern und bewegen – und damit genau das tun, was gutes Kino ausmacht.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Kirchlichen Filmfestivals.

Text: Michaela Kiepe/ Fotos: Achim Pohl