Ein Höhepunkt ist jedes Jahr die Verleihung des Ökumenischen Filmpreises am Samstagabend. In diesem Jahr ging er an den nordmazedonischen Film „DJ Ahmed“, der von zwei Brüdern in einem abgelegenen Dorf erzählt. Ahmet und sein jüngerer Bruder Naim, die die Begeisterung für Musik von ihrer verstorbenen Mutter geerbt haben, finden ihren eigenen Weg zwischen Trauer, Freiheitsdrang und einer Liebe, die gesellschaftliche Grenzen herausfordert. Neben eindrucksvollen Panoramabildern und stillen, ernsten Momenten lebt der Film auch von zahlreichen humorvollen Szenen. „Dass diese persönliche Geschichte so viele Menschen erreicht, macht mich unendlich dankbar. Und dass der Humor auch Sie anspricht, zeigt, dass wir alle Menschen sind und dass das, was uns verbindet, viel stärker ist als das, was uns trennt“, sagte Regisseur Georgi M. Unkovski bei der Preisverleihung. Im anschließenden Filmgespräch erzählte er von der Entstehung seines Films und der engen Verbindung zu den Dorfbewohnern, die daran mitwirkten.
16. Kirchliches Filmfestival lockte rund 2.200 Menschen ins Kino
, Kreisdekanat Recklinghausen
Recklinghausen hat Kino gefeiert und rund 2.200 Besucherinnen und Besucher waren mitten drin. Was als kleines Projekt begann, hat sich auch in diesem Jahr erneut als besonderer Ort erwiesen, an dem Kino und gesellschaftliche Fragen auf eindrucksvolle Weise zusammenkommen. Drei Preisverleihungen, zwölf Spielfilme, ein Dokumentarfilm und zehn Kurzfilme standen auf dem Programm – viele davon vor ihrem bundesweiten Kinostart oder als Premieren in Recklinghausen.

Der Regisseur des Preisträgerfilms „DJ Ahmet“, Georgi M. Unkovski, berichtete über die Dreharbeiten in Nordmazedonien.
© Bistum MünsterBereits zu Beginn des Abends dankten Friederike Melloh und Marc Gutzeit stellvertretend für den Veranstaltungskreis „Kirche und Kino“ sowie die künstlerische Leitung sowohl dem Publikum als auch den beiden Kirchen für ihre Unterstützung und Stärkung. Sie erinnerten daran, wie sehr das Festival von der Nähe zwischen Filmschaffenden und Zuschauenden lebt. Die neue Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Dr. Adelheid Ruck-Schröder, unterstrich die Bedeutung des Kirchlichen Festivals als einen Ort, der Menschen sensibilisiert und ermutigt. „Starke Filme zeigen die Widersprüchlichkeiten der Wirklichkeit – genau solche Filme präsentiert dieses Festival“, betonte sie.

Stellvertretend für das Team überreichen Friederike Melloh und Marc Gutzeit den Ökumenischen Filmpreis an Regisseur Georgi M. Unkovski (von links).
In seiner Laudatio würdigte Prof. Dr. Michael Höffner „DJ Ahmed“ als „eine berührende Ermutigung, Verlust zuzulassen und Freiheit zu wagen“. Der Film erzähle von Menschen, „die das Vermissen lernen müssen“, und mache zugleich deutlich, „dass emotionale Bindungen nicht abreißen müssen, sondern sich verwandeln dürfen“. Zudem hob er die gesellschaftliche Relevanz hervor: „Ihr Film erinnert uns daran, dass Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist, sondern eine zivilisatorische Errungenschaft, die Mut kostet.“
Doch nicht nur der Hauptpreis sorgte für besondere Momente. Bereits am Freitag zeichnete die Jugendjury den Film „Wild Foxes“ mit Schauspieler Faycal Anaflous aus, dessen Darstellung bei jungen Erwachsenen besonders großen Eindruck hinterließ. Am Samstagnachmittag übergab die Kinderjury ihren Preis „Der grüne Zweig“ an Drehbuchautorin Antonia Rothe‑Liermann. Ihr Film „Das geheime Stockwerk“ erzählt aus Kindersicht von Mut, Freundschaft und historischer Verantwortung. Neben einem Preisgeld und einer Urkunde erhielten die Preisträgerinnen und Preisträger traditionell ein Olivenbäumchen als Zeichen des Friedens und der Versöhnung.
Das Festival blieb auch in diesem Jahr ein Ort der dichten Begegnungen. Besucherinnen und Besucher zeigten sich beeindruckt von der Offenheit, mit der über Freiheit, Verlust, Humor, Tradition und gesellschaftliche Veränderungen gesprochen wurde. Das kirchliche Filmfestival präsentierte in diesem Jahr im Cineworld Recklinghausen wieder ein Programm, das Perspektiven weitet, Fragen stellt und Geschichten sichtbar macht, die sonst kaum erzählt würden.
Alle Informationen zum Festival, die Laudatio und eine Fotogalerie gibt es auf der Homepage des Kirchlichen Filmfestivals.
Text: Michaela Kiepe/ Fotos: Achim Pohl
