Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und gesellschaftliche Verantwortung: Diese Themen standen am 4. November im Mittelpunkt des 7. Freckenhorster Wirtschaftsforums unter dem Leitgedanken „Wirtschaft trifft Kirche – Kirche trifft Wirtschaft“. In der Landvolkshochschule (LVHS) Freckenhorst sprachen Dr. Reinhard Zinkann, geschäftsführender Gesellschafter der Miele & Cie. KG, der stellvertretende Chefredakteur des Deutschlandfunks, Klemens Kindermann, sowie Weihbischof Dr. Stefan Zekorn über die Auswirkungen der digitalen Transformation auf Wirtschaft, Gesellschaft und Glauben.
„Die Welt hat sich in den vergangenen 20 Jahren so dramatisch verändert, wie ich es mir niemals hätte vorstellen können“, stellte Zinkann zu Beginn fest. Die Digitalisierung sei längst mehr als nur ein technisches Werkzeug – sie verändere Unternehmen, Arbeitsprozesse und das Miteinander. „Digitalisierung darf uns nicht entmündigen. Sie darf nicht dazu führen, dass wir aufhören zu denken oder zu entscheiden“, warnte der Miele-Chef. Technik müsse den Menschen dienen und das Leben einfacher, nachhaltiger und sicherer machen.
Zinkann sprach auch über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im eigenen Unternehmen. Beispiele seien Backöfen, die mittels Kamera und KI Garzeiten automatisch anpassen, oder Chatbots, die Kunden rund um die Uhr betreuen. „Der Mensch entscheidet, die Technik unterstützt“, betonte er. Wichtig sei, den technologischen Fortschritt „mit Augenmaß, mit Respekt vor den Menschen und vor Gottes reicher Schöpfung“ zu nutzen. Kirche und Wirtschaft hätten dabei eine gemeinsame Verantwortung, Orientierung zu geben: „Wenn Technik den Takt vorgibt, brauchen wir umso mehr eine ethische Kompassnadel.“
Klemens Kindermann beleuchtete die Thematik aus medien- und gesellschaftlicher Sicht. „Es vergeht kein Tag, an dem wir uns beim Deutschlandfunk nicht mit KI beschäftigen“, berichtete der Leiter der Abteilung Wirtschaft und Gesellschaft des Deutschlandfunks. Der jüngste Schritt der Deutschen Telekom, ein KI-Rechenzentrum zu errichten, gab er ein Beispiel, zeige die gewaltigen Investitionen in diesem Feld. Langfristig solle Künstliche Intelligenz die Produktivität erhöhen, um den Wohlstand trotz demografischen Wandels und Fachkräftemangels zu sichern.
Doch der Journalist warnte auch vor Risiken für die Demokratie und den öffentlichen Diskurs. „Wir steuern auf eine Zeit zu, in der wir nicht mehr sicher wissen, ob Nachrichten oder Bilder echt sind“, sagte er mit Blick auf die Möglichkeiten der KI-Bildgenerierung. Der Deutschlandfunk habe deshalb eigene Richtlinien entwickelt und eine Fakten-Check-Unit eingerichtet.
Weihbischof Dr. Stefan Zekorn stellte den ethischen und theologischen Rahmen in den Mittelpunkt. „Es ist mit der KI wie mit so vielem in unserem Leben: Jede gute Erfindung kann auch missbraucht werden. Wir brauchen einen ethischen Kompass“, betonte er. Die katholische Soziallehre könne hier Orientierung geben, weil sie den Menschen und das Gemeinwohl ins Zentrum stelle.
Die Würde des Menschen müsse oberste Priorität haben. „Technologie darf nicht dazu führen, dass der Mensch zum Mittel wird – etwa durch totale Überwachung oder Diskriminierung“, warnte der Weihbischof. Die Entwicklung globaler, ethischer Standards sei eine entscheidende Aufgabe von Politik und Wirtschaft. Zekorn erinnerte zugleich an die sozialen Grundprinzipien Solidarität und Subsidiarität. Digitalisierung dürfe nicht zur Ausgrenzung weniger digitalaffiner Menschen führen. „Niemand hat das Recht auf ein rein analoges Leben, aber ebenso wenig darf jemand zurückgelassen werden“, sagte er. Auch der ökologische Aspekt gehöre zur Verantwortung: „Digitalisierung kann nachhaltig sein, aber der Ressourcenverbrauch von Rechenzentren ist enorm.“
Moderiert von LVHS-Direktor Michael Gennert verbanden am Ende alle drei Redner die Frage nach technologischem Fortschritt mit einer gemeinsamen Forderung: Digitalisierung brauche Haltung. „Wirtschaft und Kirche verbindet mehr, als es auf den ersten Blick scheint“, fasste Zinkann zusammen. „In einer Zeit, in der Werte wieder wichtiger werden, müssen wir Halt geben durch Haltung.“
Sprachen über Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und gesellschaftliche Verantwortung, moderiert von LVHS-Direktor Michael Gennert (rechts): Klemens Kindermann, Weihbischof Dr. Stefan Zekorn und Dr. Reinhard Zinkann (von links).