Adveniat-Gast Bischof Vizcarra Mori arbeitet mit indigenen Völkern
Gilberto Alfredo Vizcarra Mori ist Bischof im peruanischen Jaén und fördert dort den interkulturellen Dialog mit den indigenen Völkern.
Seit Donnerstag und bis Sonntag ist er im Offizialatsbezirk Oldenburg unterwegs und berichtet über seine spendenfinanzierte Bildungsarbeit.
Den indigenen Völkern der Amazonas-Region wendet sich die bischöfliche Aktion Adveniat im Jahr 2016 besonders zu. Zu ihrer Unterstützung rufen die deutschen Bischöfe auf.
Monsignore Bernd Winter, Ständiger Vertreter des Offizials, begrüßte den 56-jährigen Jesuiten am Donnerstag in der Region. Im Vechtaer Haus der Caritas hatte Vizcarra seine erste Station im Oldenburger Land und traf auf Mitarbeiter des Bischöflich Münsterschen Offizialates und des Landes-Caritasverbandes. Weitere Verabredungen hat er in Delmenhorst, Lohne und Vechta. Er wird Gottesdienste feiern, ein Konzert zugunsten von Adveniat und einer peruanischen Schule besuchen, mit Schülern sprechen und Menschen treffen, die sich Lateinamerika engagieren.
Der Priester hat Erfahrung mit schwierigen Lebenssituationen. Er arbeitete bereits in einer Armensiedlung in Brasilien und 17 Jahre in den Wüstenregionen des Tschad. Eine gute Vorbereitung auf seine Aufgabe in Jaén, sagt er. Im Norden Perus ist er seit zwei Jahren als Bischof eingesetzt. Hier stoßen Siedler von der Pazifikküste auf indigene Kulturen des Andenhochlandes und des Amazonastieflandes. 431.041 Menschen leben dort, rund 100.000 von Ihnen zählen zu den Indigenen Völkern.
Über 60 verschiedene Völker gibt es allein in Peru, damit verbunden sei eine Vielzahl von Sprachen. 27 Pfarreien verteilen sich auf eine Fläche von 33,438 km². Zum Teil führen nur sehr kleine Straßen in die Region, häufig ist der Bischof auf Boote angewiesen, um die Menschen im Urwald zu erreichen.
"Die indigenen Völker verstehen die Natur anders als der Westen, nicht als nutzbar, sondern als ihre Identität", schilderte der peruanische Bischof im Gespräch. "Zerstört man also die Natur, zerstört man die Identität der Völker, die dort leben." "Für die indigenen Völker bedeutet Wohlstand und gutes Leben ein Leben in Harmonie mit allen Lebewesen, mit der ganzen Natur", berichtete er. So entstehen Konflikte zwischen den traditionellen Gemeinschaften und der ankommenden, modernen Gesellschaft. Die Konflikte prägen das Leben in der Region. 2009 kamen dutzende Menschen bei Protesten von Indigenen gegen Minen- und Ölförderprojekte der Regierung ums Leben. "Ein Großteil Perus ist Amazonasgebiet, dort gibt es Gold, Öl, Holz und Wasser", berichtete er. Für rund 80% des Landes gäbe es bereits Ausbeutungskonzessionen.
Für Bischof Vizcarra ist die Jugend als zukünftige Generation der Indigenen die Chance, die Konflikte zu lösen. Eine Aufgabe, die er vor allem mit der Ausbildung der jungen Indigenen zu bewältigen versucht. Das Bistum betreibt zum Teil in Kooperation mit der Bewegung Fe y Alegría zahlreiche Schulen, Internate und höhere Schulen für berufliche Bildung. Diese Arbeit finanziert er auch mit Spenden über das bischöfliche Hilfswerk Adveniat. Eine Kirchensteuer gibt es in Peru nicht. Die Kirche sucht den Dialog, engagiert sich in interkulturellen Projekten wie der Ausbildung von Indigenen zu zweisprachigen Lehrern. Es gehe auch darum, wertvolle traditionelle Kulturtechniken zu erhalten und alternative Landwirtschaftsmodelle für die indigenen Dorfgemeinschaften zu entwickeln, informierte der Bischof.
Bevor er 2014 sein Bischofsamt antrat, verbrachte Vizcarra unter einfachsten Bedingungen selbst einen Monat lang in einem Dorf der Awajún. "Ich wollte erfahren, wie sie leben, was ihre Probleme sind." Er kennt ihre Sorgen, weiß aber auch, dass sie selber aktiv werden müssen, um ihre Situation zu ändern. Die Jugendlichen zu schulen bedeute auch, sie auf den Zusammenprall der unterschiedlichen Entwicklungsmodelle vorzubereiten. "Sie werden dadurch lernen, mit der Außenwelt in Dialog zu treten, sich selbst zu organisieren und anzufangen, Politik zu gestalten. Das ist der Weg, ein gleichberechtigter Bürger zu werden", ist Vizcarra überzeugt.
Spendenkonto: Bank im Bistum Essen eG; IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45; BIC: GENODED1BBE
Bildzeile: Bischof Gilberto Alfredo Vizcarra Mori
Text: Adveniat und Offizialat/Johannes Hörnemann/09.12.16
Kontakt: Johannes.Hoernemann[at]bmo-vechta.de
