Akademie Franz Hitze Haus stellt Programm für erstes Halbjahr 2026 vor

, Stadtdekanat Münster

Die Akademie Franz Hitze Haus in Münster hat ihr Programm für das erste Halbjahr 2026 vorgestellt – ein Angebot, das gesellschaftliche Brennpunkte mit theologischen Perspektiven verbindet. „Unser Ziel ist es, Orientierung zu geben, gerade dann, wenn Themen komplex sind und Antworten nicht einfach zu haben sind“, betont Akademiedirektor Dr. Johannes Sabel. Die Bildungseinrichtung des Bistums Münster wolle Räume für Austausch, Perspektivwechsel und fundierte Urteilsbildung öffnen.
 

Dr. Johannes Sabel, Maria Kröger und Dr. Christian Müller (von links) stellen das Programm für das erste Halbjahr 2026 in der Akademie Franz Hitze Haus vor.

© Bistum Münster

Ein Schwerpunkt widmet sich den wachsenden Verflechtungen zwischen rechtspopulistischen Bewegungen und christlichen Gruppen. Sabel erklärt, man wolle „genau hinschauen, wo autoritäre Politik christliche Narrative aufgreift und instrumentalisiert – in Deutschland, in den USA, aber auch in Russland“. Zwei große Veranstaltungen nehmen diese Verbindungen in den Blick, darunter eine Tagung zum Verhältnis zwischen Trump-Bewegung, katholischen Strömungen und globalen Netzwerken.

Mit mehreren Formaten behandelt die Akademie zudem die Frage, wie eine demokratische Kultur gestärkt werden kann. Eine Veranstaltung im April thematisiert die zunehmende Radikalisierung in Deutschland. Weitere Tagungen fragen, wie christliche Traditionen zu einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft beitragen können als Basis politischer Verantwortlichkeit.

Besonders rückt das Team der Akademie die Stadt Münster in den Fokus. Im Rahmen des erfolgreich etablierten Formats „Münsteraner Streitgespräche“ diskutieren die Teilnehmenden mit dem neu gewählten Stadtrat darüber, was von Wahlversprechen bleibt, sobald politische Praxis beginnt. Auch Oberbürgermeister Tilman Fuchs ist zu Gast: Er spricht über das Münster-Barometer und die politische Stimmung in der Stadt. Weitere Abende beschäftigen sich mit Erinnerungskultur, Umbenennungen von Straßennamen und sozialen Ungleichheiten in Münster – unter anderem gemeinsam mit Polizeipräsidentin Alexandra Dorndorf. Ziel sei es, sagt Sabel, „für politisch Handelnde und die Öffentlichkeit gegenseitiges Verständnis zu schaffen – und die Tugend der Geduld als Grundlage demokratischer Prozesse zu stärken“.

Einen weiteren Schwerpunkt erläutert Akademiereferent Dr. Christian Müller: die Auseinandersetzung mit „digitalem Kolonialismus“. In einer dreiteiligen Reihe untersucht die Akademie, wie Tech-Konzerne und Großmächte von der Ausbeutung des Globalen Südens – etwa durch Auslagerung von Clickwork und KI-Training – profitieren. Ausgangspunkt ist das prämierte Sachbuch „Digitaler Kolonialismus“ des Autors Sven Hilbig. Abschließend werden alternative und demokratische Digitalansätze vorgestellt. Kooperationspartner ist das Eine-Welt-Netz NRW.

Eine neue Reihe verbindet schließlich Theologie, Mystik und gesellschaftliches Engagement. Unter dem Titel „Christentumsgeschichte(n) aus mystisch-politischer Sicht“ sollen sechs Abende der Spur einer engagierten Mystik durch die Christentumsgeschichte folgen. Ab März werden Persönlichkeiten wie Meister Eckhart, Teresa von Ávila oder Katharina von Siena in den Mittelpunkt gestellt. Die Reihe lädt dazu ein, eine Spiritualität zu entwickeln, die „nicht in der Innenschau verharrt, sondern zu Verantwortung in der Welt führt“, erklärt Akademiedozentin Maria Kröger.

Das Halbjahresprogramm steht ab sofort hier bereit. 

Ann-Christin Ladermann