Aktion pro Humanität unterstützt Bischof in der Ukraine

, Kreisdekanat Kleve

„Die zerstörerischste Waffe ist nicht die Bombe, sondern das Gefühl, vergessen zu sein.“ Sätze wie diesen hört Elke Kleuren-Schryvers, Vorsitzende der Aktion pro Humanität (APH), immer häufiger. Dieses Mal stammt er von Maksym Rjabucha, einem Salesianer und griechisch-katholischen Bischof in Donezk, der Ukraine.

Bischof Maksym Rjabucha mit seiner Gemeinde.

© APH

Er leitet das Erzbischöfliche Exarchat Donezk, das innerhalb der römisch-katholischen Kirche mit einem Bistum vergleichbar ist. In diesem Gebiet liegt Saporischja, die sechstgrößte Stadt der Ukraine, welche derzeit Knotenpunkt der ukrainischen Flüchtlingsströme sowie täglicher Drohnenangriffe und Zerstörung ist. „Mehr als die Hälfte seines kirchlichen Verwaltungsbezirks sei von russischen Truppen besetzt“, erläutert der Bischof. Die Gesetze der Besatzungsregierung verböten jede Zugehörigkeit sowohl zur griechisch-katholischen als auch zur römisch-katholischen Kirche. Deshalb träfen sich die Gläubigen in den besetzten Gebieten heimlich.

Die APH, die ihren Sitz in Kevelaer hat, hilft in Not geratenen Menschen in Regionen, die aufgrund von Naturkatastrophen oder Kriegen zu Krisengebieten geworden sind. Zum Ende des Jahres 2025 hat die APH mit Hilfe von Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, dem Bischöflichen Beauftragten für die Weltkirche im Bistum Münster, und der Abteilung Weltkirche mit Bischof Rjabucha per Videoschaltung Kontakt aufgenommen und sich entschieden, ihn und seine Gemeinde zu unterstützen.

„Seit fast vier Jahren leiden die Menschen in der Ukraine unter dem russischen Terror“, betont Weihbischof Zekorn. „Jeden Tag begeht Russland gravierende Völker- und Menschenrechtsverletzungen, etwa in dem es Wohnhäuser, Krankenhäuser und andere zivile Einrichtungen angreift und dabei unschuldige Menschen tötet.“ Bei einer Solidaritätsreise in die Ukraine im Juli vergangenen Jahres gewann Zekorn einen Eindruck vom Ausmaß der Zerstörung und der Not der Bevölkerung: „Bei meinem Besuch habe ich zerstörte Wohnhäuser mitten in Wohnvierteln gesehen, in denen es weit und breit keine militärische Infrastruktur gibt.“

„Gott ist Stärke, die wir weitertragen wollen“

Für die Menschen in der Ukraine sind die Gotteshäuser zu weit mehr geworden als ein Ort zum Beten. Rjabucha erklärt, dass sie zu Zufluchtsorten geworden seien, in denen sich die Menschen aufwärmen, ihr Handy laden können und eine warme Mahlzeit bekommen. Er berichtet über einen Angriff, der erst kürzlich stattgefunden hat: „In einer Kirche, die noch nicht geschlossen wurde, waren während der Feier des Gottesdienstes drei schwere Bombardements in unmittelbarer Nähe zu hören - wir sind alle geblieben, haben die Liturgie weiter gefeiert, unser Glaube ist Kraft, Gott ist Stärke, die wir weitertragen wollen.“

Der ukrainische Bischof ist ständig unterwegs: „Man nennt mich schon ,Bischof auf Rädern‘“, sagt er schmunzelnd. „Ich besuche Pfarreien, gehe in die Häuser, höre zu, bete mit den Menschen“, beschreibt er seine Arbeit. Nicht nur er ist in dem Kriegsgebiet geblieben. Auch Priester, Priester und Ordensleute helfen, wo sie nur können. „Wir begleiten vor allem Menschen, die durch den Krieg traumatisiert sind: Kinder, die das Lesen oder Sprechen verlernt haben, Mütter gefallener Soldaten, Menschen, die alles verloren haben“, führt er weiter aus. Bischof Rjabucha besucht auch die Soldaten an der Front, in den Schützengräben. „Die Soldaten fragen immer: ,Wie lebt man draußen in der Welt, was passiert in der Welt?` Und wenn ich ihnen sagen kann, es gibt Menschen, die euch nicht vergessen, die bei Euch sind, die an Euch denken – dann ist das ein wunderbares Geschenk. Eines, das Hoffnung gibt und Mut macht.“

„Die zerstörerischste Waffe ist das Vergessen“

„Fühlen sich die Menschen nicht tatsächlich oft mit Recht vergessen?“, fragt sich Weihbischof Zekorn. „In unseren Medien finden sich meist nur die täglichen Winkelzüge von Putin und Trump in den Schlagzeilen wieder. Dabei ist das Leid der Menschen so groß: Millionen Menschen frieren im Dunkeln, weil Russland die zivile Infrastruktur zerstört. Und es leiden die verwundeten Soldaten und Zivilisten, die Witwen und Waisen, die Heimatvertriebenen, die Gefolterten in den russisch besetzten Gebieten, die von Russland entführten, ukrainischen Kinder und ihre Eltern und so viele mehr.“ Um die „zerstörerischste Waffe – das Vergessen“, wie es der ukrainische Bischof beschreibt zu entschärfen, sei es wichtig, sich an die leidende Bevölkerung und all die einzelnen Schicksale zu erinnern.

Die APH möchte Bischof Rjabucha und seine Arbeit im Exarchat Donezk unterstützen und freut sich über Spenden, etwa für Medikamente, Nahrungsmittel, warme Suppen und Trauma-Begleitung – insbesondere für Kinder. Spenden können an die Stiftung Aktion pro Humanität bei der Volksbank an der Niers an die IBAN DE39 3206 1384 4330 1300 11 mit dem Stichwort Bischof Maksym überwiesen werden. „Danke für Ihre Hilfe, für Ihre bewusste Entscheidung, zu uns zu stehen. Es geht nicht nur um unser Land, es geht um den Frieden in der ganzen Welt“, betont der ukrainische Bischof. 

Heike Waldor-Schäfer (APH)/Yara-Marie Offers