Emsdettenerin fährt Herzenswunsch-Wagen

, Bistum Münster, Kreisdekanat Steinfurt

Leuchtende Augen, ein Lächeln im Gesicht. „Das ist für mich Weihnachten“, sagt Alexandra Averbeck und schluckt ihre Rührung schnell herunter. Für die Emsdettenerin strahlt die hoffnungsvolle Botschaft von der Geburt des Gottessohnes weit über die Tage im Dezember hinaus. Alexandra Averbeck gehört zum Team des Herzenswunsch-Krankenwagens des Malteser Hilfsdienstes. Wie der Name vermuten lässt, begleitet und betreut die 41-Jährige Menschen mit einer Lebenszeit verkürzenden Erkrankung oder einer Beeinträchtigung, um ihnen Wünsche zu erfüllen. Herzenswünsche. Oftmals letzte Wünsche.

Alexandra Averbeck (rechts) aus Emsdetten gehört zum Team des Herzenswunsch-Krankenwagens der Malteser im Bistum Münster. Seit April dieses Jahres kümmert sich Eveline Kamphorst hauptamtlich um die Koordination der Fahrten.

© Bistum Münster

Seit ihrer Jugend ist die Emsdettenerin bei den Maltesern ehrenamtlich aktiv: „Als das Projekt Herzenswunsch-Krankenwagen 2019 vorgestellt wurde, habe ich mich sofort dafür gemeldet.“ Die Idee, anderen eine (letzte) Freude zu machen, bewegte sie. Die Corona-Pandemie verzögerte den Start der Aktion. Fast ein Jahr später konnte der Wagen endlich losrollen. Ihre erste Fahrt wird Alexandra Averbeck nie vergessen. Das war im Dezember 2022. Damals kümmerte sich die kirchliche Verwaltungsmitarbeiterin in ihrer Freizeit auch um die Vorarbeit. „Ich habe Stunden telefoniert, um alles zu organisieren und abzustimmen“, erinnert sich Alexandra Averbeck. Ein älteres Ehepaar, das aufgrund der notwendigen Pflege des Mannes nicht mehr zusammenwohnen konnte, wollte noch einmal gemeinsam ans Meer. Um die Ebbe zu sehen. Der Tag war trotz der geltenden Corona-Einschränkungen für die Fahrgäste und ihre Familie ein besonderes Erlebnis. 

Sie schickten, wie viele Angehörige es tun, anschließend eine Karte, um sich zu bedanken: „Das sind immer sehr berührende Rückmeldungen.“ Alexandra Averbeck und die anderen Ehrenamtlichen freuen sich darüber. Genauso wie über die leuchtenden Augen und ein Lächeln im Gesicht des Fahrgastes.

Die Reise mit dem Herzenswunsch-Krankenwagen muss nicht immer weit sein, erklärt Eveline Kamphorst, die seit April als Hauptamtliche die Fahrten koordiniert und so den Ehrenamtlichen viel Arbeit abnimmt. „Wir sind auch schon mal nur zwei Kilometer bis zum eigenen Schrebergarten gefahren“, berichtet sie. Kein Weg ist zu kurz – und die wenigsten sind zu lang. Ein Wunsch, den die Malteser erfüllten, führte beispielsweise zum Parookaville-Musikfestival nach Weeze, ein anderer zum Eiffelturm nach Paris. Und auch zum Kölner Fußballstadion ist der Herzenswunsch-Krankenwagen schon gefahren. Geliebte Menschen wiederzusehen, Familienfeiern, Theaterbesuche oder an einen besonderen Ort zurückzukehren – die Wünsche sind vielfältig. „Wir machen möglich, was geht“, verspricht die Koordinatorin.

Dabei kann sie sich nicht nur auf die Ehrenamtlichen verlassen: „Auch die Verantwortlichen am Zielort sind ausnahmslos unkompliziert und großzügig“, weiß Eveline Kamphorst. Der 1. FC Köln spendierte nicht nur für alle Ehrenamtliche kostenlose Tickets und einen Parkschein, sondern zusätzlich dem Fahrgast ein Trikot.

Das Begleitteam wird immer auf die Bedürfnisse der Fahrgäste abgestimmt und vorbereitet, erklärt die Koordinatorin: „Manche können sitzen, andere müssen liegend transportiert werden.“ Da braucht es unterschiedliche Kompetenzen und Qualifikationen bei den Ehrenamtlichen. Vor der Reise fragt sie alles Erforderliche ab und klärt Details mit den Angehörigen. Am Ziel halten sich die Ehrenamtlichen meist im Hintergrund. „Wir sind aber sofort da, wenn wir gebraucht werden“, betont Alexandra Averbeck. 

Die Fahrten mit dem Herzenswunsch-Krankenwagen sind meist auch für das Team emotional herausfordernd. „Man muss schon auf sich aufpassen – und die Balance zwischen Nähe und Distanz im Blick haben.“ Wenn Alexandra Averbeck jemanden zum Reden braucht, gibt es die Möglichkeit zur Supervision. Aber auch die Teammitglieder untereinander unterstützen sich. 

Jeden Monat hat Eveline mehrere Anfragen. Elf Wünsche wurden in diesem Jahr erfüllt. „Leider rufen viele Angehörige oder Freunde erst sehr spät an, so dass die Fahrten wegen des schlechter werdenden Gesundheitszustandes nicht mehr durchgeführt werden“, bedauert Kamphorst. Deshalb hat die Koordinatorin eine große Bitte: „Melden Sie sich früher. Dann haben wir mehr Zeit für die Wunscherfüllung.“ 

Seit dem Projektstart haben die Malteser insgesamt 50 Fahrten durchgeführt, die für die Gäste und ihre Familien kostenfrei sind und nur durch Spenden finanziert werden. Dafür stehen derzeit 113 Ehrenamtliche bereit.

„Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt einen Herzenswunsch zu erfüllen, dabei die Freude in ihren Gesichtern zu sehen und die Dankbarkeit der Angehörigen zu erleben, ist für viele von uns die größte Motivation“, sagt Alexandra Averbeck. Das ist wie Weihnachten. Zu jeder Jahreszeit.

Mehr Infos unter www.malteser-muenster.de/herzenswunsch

Gudrun Niewöhner