Mit ihren Ausführungen zum Thema „Frieden“ traf Andrea Nahles den Nerv des Publikums in der voll besetzten St.-Laurentius-Kirche in Senden. Die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit und frühere SPD-Parteivorsitzende war zu Gast in der Reihe der „Sonntagsworte“. Als überzeugte Katholikin warb Nahles für eine aktive Friedensethik, die beim einzelnen Menschen beginne, sowohl im politischen Handeln als auch im persönlichen Leben. Frieden sei kein abstraktes Ideal, sondern eine konkrete Haltung, die Verantwortung verlange. „Frieden ist eine Entscheidung. Er kommt nicht von selbst, man muss ihn manchmal für sich erarbeiten“, betonte die 56 Jährige.
Authentisch und persönlich sprach Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, in der Reihe „Sonntagsworte“ in St. Laurentius in Senden über den Frieden.
Mit Blick auf die aktuelle weltpolitische Lage äußerte Nahles große Sorge über die Vielzahl paralleler Konflikte und die zunehmende Bereitschaft, militärische Lösungen diplomatischen vorzuziehen. „Die Welt erlebt derzeit so viele Konflikte wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Diese diplomatisch, statt militärisch zu lösen, erscheint weit weggerückt“, bedauerte sie.
Besonders entschieden warnte Nahles, die in der Eifel in einer katholisch geprägten Familie aufgewachsen ist, vor der religiösen Rechtfertigung von Gewalt. Mit Blick auf aktuelle internationale Debatten erinnerte sie daran, dass der christliche Glaube unvereinbar mit Krieg sei. Niemand dürfe Gott benutzen, um Krieg zu rechtfertigen, habe Papst Leo in Richtung von Donald Trump Stellung bezogen. Gott sei nicht „der Gott derjenigen, die Blut vergießen“, sondern der Gott des Lebens. Daraus folge unmissverständlich: „Selig sind die, die Frieden stiften und nicht die, die dem Krieg dienen.“ Sie dankte dem Papst für seine klaren Worte gegenüber einem Präsidenten, bei dem Religion zu einem Machtanspruch werde. „In diesen Tagen bin ich gern Katholikin“, bekannte sie.
Pfarrer Dr. Oliver Rothe bedankte sich bei Andrea Nahles für ihr Glaubensbekenntnis und ihre mutmachenden Worte.
Friedliches Handeln beginne jedoch nicht nur auf der weltpolitischen Bühne, sondern im eigenen Denken und Tun. Offen sprach Nahles über persönliche Erfahrungen mit Anfeindungen und Hass, insbesondere nach ihrem Rücktritt aus der Politik. Diese Zeit habe sie vor eine innere Entscheidung gestellt: „Ich habe gemerkt, wie sehr mich dieser Groll belastet hat.“ Aus ihrem Glauben heraus habe sie sich bewusst dagegen entschieden, den Hass weiter in sich zu tragen. Zwei Jahre habe sie daran gearbeitet. „Es war nicht einfach, aber ich wollte diesen Groll nicht den Rest meines Lebens mit mir herumtragen.“ Zum Frieden gehöre auch, anderen trotz erlittenen Unrechts wieder offen begegnen zu können.
Zugleich warnte Nahles vor einer zunehmenden Verrohung der Sprache. Abwertende Begriffe und Feindbilder zerstörten Mitmenschlichkeit und seien Gift für ein friedliches Zusammenleben. „Sprache, die Menschen entwertet, macht das Herz kalt“, sagte die studierte Germanistin. Mitmenschlichkeit sei keine Selbstverständlichkeit, aber die Keimzelle des Friedens. „Diesen Auftrag müssen wir uns selbst geben. Jeden Tag.“
Untrennbar verbunden mit Frieden sei die Hoffnung, führte Nahles weiter aus. Gerade in Zeiten von Krisen und schlechten Nachrichten dürfe sie nicht verloren gehen. „Wenn keine Hoffnung mehr da ist, kann der Hass wachsen.“ Deshalb sei es entscheidend, sich immer wieder bewusst zu machen, welche Haltung man zum Leben und zu den Mitmenschen einnehme.
In diesem Zusammenhang unterstrich sie auch die Bedeutung der Kirche als Ort der Orientierung in einer Zeit, in der Wahrheit durch Lügen und Desinformation bedroht werde. Kirche müsse Zeugnis geben und einen moralischen Kompass bieten, auch und gerade in Fragen von Krieg und Frieden.
Zum Abschluss formulierte Nahles eine Vision, die ihren christlich geprägten Friedensbegriff zusammenfasst. Sie zitierte erneut Papst Leo mit einer Hoffnungsperspektive über den Augenblick hinaus: „Der Friede wird zurückkehren, wenn wir uns nicht mehr wie Raubtiere, sondern wie Pilger bewegen.“ Frieden lebe von der Überzeugung, „dass es besser werden kann“, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und sich bewusst für den Weg des Friedens entscheiden.
Die Zuhörerinnen und Zuhörer dankten Nahles für ihre Ausführungen mit stehenden Ovationen. Auch Pfarrer Dr. Oliver Rothe würdigte den Vortrag zum Abschluss: „Sie haben uns aus dem Herzen gesprochen – authentisch und mutmachend.“