Auf der Suche nach Gemeinschaft und Sinn

, Stadtdekanat Münster

Wenn Derk Beemer am Freitag, 6. Februar, in der Jugendkirche in Münster das Sakrament der Firmung empfängt, ist das für ihn kein formaler Akt, sondern ein weiterer Schritt auf einem langen, verschlungenen Weg. Gemeinsam mit neun weiteren jungen Erwachsenen wird der 25-Jährige, der den christlichen Glauben erst spät für sich entdeckt hat, durch Weihbischof Christoph Hegge gefirmt.
 

Gemeinsam mit neun weiteren jungen Erwachsenen wird Derk Beemer, der den christlichen Glauben erst spät für sich entdeckt hat, am 6. Februar durch Weihbischof Christoph Hegge gefirmt.

© Bistum Münster

Geboren und aufgewachsen im Süden der Niederlande, erlebte Derk Beemer eine wenig religiöse Kindheit. Weder er noch seine Eltern waren getauft, Kirche spielte keine Rolle. „Wenn in der Schule gefragt wurde, wer katholisch ist, hob sich immer nur eine Hand – die meines besten Freundes“, erinnert er sich. Immer wieder fragte Beemer ihn: Warum glaubst du eigentlich? Gleichzeitig spürte er schon früh ein schwer zu erklärendes Interesse an Religion, an Mythen, an Sinnfragen.

Nach Jahren als Leistungsschwimmer nahm Beemer ein Sabbatjahr, das durch die Corona-Pandemie ganz anders verlief als geplant. Einsamkeit, das Ende einer Beziehung, die Entdeckung seiner Bisexualität – vieles kam zusammen. Halt fand er zunächst im Lernen: Er entdeckte seine Begeisterung für Latein neu, lernte täglich und legte schließlich sogar das Staatsexamen ab. Über ein Seminar in Utrecht kam er über die Gemeinschaft Opus Dei erstmals intensiver mit Spiritualität in Berührung, distanzierte sich später jedoch bewusst wieder vom Christentum und begann ein Medizinstudium in Amsterdam.

Nähe zu Gott gespürt

Ein Burnout brachte einen erneuten Einschnitt. Beemer unterbrach sein Studium, engagierte sich politisch in der niederländischen Partei D66 und später in der Partei Volt. Gleichzeitig wuchs der Wunsch nach Verbindung – mit Menschen und mit etwas Größerem. Ein Freiwilligendienst in Ghana veränderte etwas. In einem Land, in dem Glaube allgegenwärtig ist, spürte er eine Nähe zu Gott, auch wenn er sich selbst zunächst als Agnostiker verstand. „Alles wirkte chaotisch, aber es gab trotzdem einen roten Faden“, sagt er heute.

Was folgte, beschreibt Beemer rückblickend als eine Kette „schicksalhafter Begegnungen“: Studienaufenthalte in Taiwan, politische Zweifel, verpasste Fristen, verlorene SIM-Karten – und immer wieder Deutschland. Münster lernte er im Mai 2024 kennen. Die Stadt fühlte sich gut an, vertraut. Über eine katholische Verbindung erhielt er ein Zimmer, obwohl er nicht katholisch war. Der Glaube dort, so sagt er, habe weniger mit Regeln zu tun gehabt als mit Gemeinschaft.

“Ich habe mich tief friedlich gefühlt”

Kurz vor der Kommunalwahl, bei der er Mitglied der Bezirksvertretung (BV) Münster-Ost wurde, erlebte er einen Moment, der für ihn alles veränderte: Auf der Flucht vor einem Regenschauer suchte er Schutz in einer Kirche in Gelmer. Als er wieder hinausging, stand ein Regenbogen am Himmel. „Ich habe mich tief friedlich gefühlt“, erzählt Beemer. „Da wusste ich: Ich kann nicht mehr nur Agnostiker sein.“ Wenig später entschied er sich für die Taufe, die er im September 2025 im kleinen Kreis in der Dyckburg-Kirche empfing.

Die Firmung ist für ihn nun ein weiterer, notwendiger Schritt. „Sie vervollständigt meinen Weg“, sagt er. In den vergangenen Wochen habe er einen ungewohnten inneren Frieden gefunden, ein Gefühl von Freiheit und Vertrauen. Glaube, davon ist er überzeugt, ist etwas Verbindendes – etwas, das man gemeinsam lebt. Die Vorbereitung in der Firmgruppe über die Jugendkirche Münster habe ihm genau das gezeigt.

Auch wenn er aktuell keinen festen Wohnsitz in Münster hat und seinen politischen Sitz verloren hat: Die Stadt bleibt für ihn ein wichtiger Ort: „Münster ist der Platz, an dem meine Spiritualität befreit wurde“, sagt Derk Beemer. Und der Weg, auf den er sich gerufen fühlt, fühlt sich für ihn heute vor allem eines an: richtig.

Ann-Christin Ladermann