Conny Graßhoff mit Paulus-Plakette des Bistums ausgezeichnet

Neugierde – das ist ein Wort, das Cornelia „Conny“ Graßhoff immer wieder in den Mund nimmt, wenn sie von ihrem Engagement erzählt. Sie ist neugierig auf andere Menschen, auf die Begegnung, neugierig, wie sich Gesellschaft und Kirche entwickeln. „Es ist doch spannend, so viel erleben und erfahren zu können“, sagt die 67-Jährige mit blitzenden Augen, „auf dieser Suche nach neuen Erfahrungen bin ich schon seit meiner Jugend.“ Sie ist der Antrieb für ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement, für das Conny Graßhoff nun mit der Paulus-Plakette ausgezeichnet worden ist.

Pfarrer Stefan Keller (links) gehörte zu den ersten Gratulanten, nachdem Conny Graßhoff die Auszeichnung durch Weihbischof Rolf Lohmann überreicht wurde.

© Bistum Münster

Es ist die höchste Auszeichnung, die kirchliche Laien für Verdienste um das Bistum Münster verliehen werden kann. Weihbischof Rolf Lohmann überreichte die schwere Bronzeplakette im Rahmen eines Gottesdienstes in der Issumer St.-Antonius-Kirche – verbunden nicht nur mit einem herzlichen Gruß von Diözesanadministrator Dr. Antonius Hamers, sondern insbesondere mit einem herzlichen Dank für den inzwischen jahrzehntelangen Dienst, den die Geehrte nicht nur im Pfarreirat, sondern auch im Diözesankomitee sowie im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZDK) ehrenamtlich leistet.

Angefangen hat alles in Duisburg-Laar, wo sie mit ihren drei Geschwistern aufwuchs. „Wir konnten nicht jeden Sommer mit der ganzen Familie in Urlaub fahren, dafür reichte das Geld nicht.“ Aber die Ferienlager der Pfarrei – für drei Wochen Alpenluft in der Schweiz schnuppern – das ging. „Es war eine herrliche Zeit“, erinnert sich Conny Graßhoff heute an diese Zeit. Und die damals geknüpften Freundschaften halten teils bis heute. Sie lacht: „Wir haben gerade eine Chatgruppe, in der wir ein Nachtreffen unserer letzten gemeinsamen Fahrt planen – die war vor 50 Jahren.“ Und auch sonst war sie in der Pfarrei aktiv, immer dabei, wenn es darum ging, anzupacken oder zu planen. „Heute weiß ich, dass das die Zeit nach dem 2. Vatikanischen Konzil war, eine Zeit, in der die Kirche sich geöffnet hat. Das Konzil war uns Jugendlichen damals natürlich egal, es hat einfach Spaß gemacht, da mitzuhelfen und Freunde zu treffen.“

Auch nach dem Schulabschluss und der Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau blieb Conny Graßhoff engagiert, selbst beruflich: Sie arbeitete als Verwaltungsangestellte bei der Familienbildungsstätte gegenüber der Abtei Hamborn. Ende der 1970er-Jahre, inzwischen hatte sie geheiratet, suchten sie und ihr Mann einen Wohnort außerhalb von Duisburg, schließlich landeten sie erst in Sevelen und dann in dem Haus in Oermten, in dem sie heute noch lebt. Zwei Söhne hat sie großgezogen, vier Enkelkinder. Und sie musste sich von ihrem Mann verabschieden, als sie gerade 41 Jahre alt war und er den Kampf gegen einen bösartigen Tumor verlor. Ihre Söhne leben in Hamburg und in Amerika, und selbst auf die Entfernung übernimmt Conny Graßhoff manchmal die Betreuung für ihre Enkel: „Bücher vorlesen und spannende Sachen zeigen, das geht auch über das Internet per Videokonferenz. Dafür bin ich wirklich dankbar.“

Der Umzug nach Sevelen war auch mit dem Abschied von den vertrauten Strukturen der heimischen Pfarrei verbunden. „Ich habe etwas Zeit gebraucht, um mich hier einzuleben“, gesteht sie. Doch als Mutter von zwei Kindergartenkindern fand sie schnell Möglichkeiten, sich einzubringen, bald war sie an der Gestaltung der Kindergottesdienste beteiligt. „Als dann die Pfarreirats-Wahlen anstanden forderte mich der damalige Pastor auf, mich als Kandidatin aufstellen zu lassen. Erst wollte ich nicht, habe mich dann aber doch überreden lassen.“ Zwar wurde sie, „die Zugezogene“, nicht direkt gewählt, aber doch beratend in das Gremium berufen. Vier Jahre später war sie in der Pfarrei bekannt – so bekannt, dass sie den Vorsitz des Pfarreirates übernahm. 28 Jahre hat sie dieses Amt bekleidet, bis sie sich Ende des vergangenen Jahres nicht mehr zur Wahl hat aufstellen lassen.

Das neue Amt eröffnete ihr neue Möglichkeiten: Durch Vorträge und Fortbildungen lernte Conny Graßhoff die Angebote des Kreisdekanats kennen, dass sie sich auch dort engagierte, war da nur eine Frage der Zeit. „Du musst bereit sein, über den Tellerrand hinauszublicken, wenn Du etwas erreichen willst“, betont sie. Bald schon überredete sie Hugo Uebbing, der 2015 überraschend starb, im Diözesanrat mitzuwirken, später wurde sie dann auch noch Mitglied im Diözesankomitee – beides sind wichtige Gremien im Bistum, die Kirche und Gesellschaft in wichtigen Fragen beraten. Schließlich wurde sie auch noch ins ZDK abgesandt, einem deutschlandweiten Zusammenschluss von Katholikinnen und Katholiken, der unter anderem die Deutsche Bischofskonferenz berät. „Es ist immer wieder spannend, dort Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zu treffen und über aktuelle Themen zu beraten“, sagt sie. Angst davor, neue Aufgaben zu übernehmen, habe sie nie gehabt. „Da wächst man rein, man muss nur anfangen. Und eines kann ich mit Sicherheit sagen: Das Ehrenamt bringt einem im Leben weiter.“

Zwei Ereignisse hat sie als besonders prägend empfunden: Da war zunächst der Katholikentag im Jahr 2018 in Münster, den sie mit vorbereiten und den Niederrhein repräsentieren durfte. Sofort leuchten ihre Augen, wenn sie von diesen fünf Tagen im Mai und dem Zugehen darauf spricht. „Das war einmalig“, sagt sie. Und dann gehörte sie im vergangenen Jahr zu dem Laiengremium, das vor der Bischofswahl mit dem Domkapitel über mögliche Kandidaten für das Amt des Bischofs von Münster beriet. „Ich wusste nicht, was mich erwartet. Erlebt habe ich eine offene, freundliche und konstruktive Atmosphäre, in der das Domkapitel mit uns Laiinnen und Laien auf Augenhöhe beraten hat. Unsere Wünsche und Argumente wurden ernst genommen, das fand ich großartig“, erinnert sie sich.

Weihbischof Lohmann wandte sich in seiner Predigt direkt an die Geehrte: „Wie gut und wichtig ist es, dass es Menschen gibt, die ihre Talente einsetzen. Dir, liebe Conny, hat der liebe Gott viele Taltente mitgegeben.“ Würden alle Menschen ihre Talente so einsetzen wie Conny Graßhoff, „wie viel bunter und lebendiger könnte unsere Kirche sein“. Sie sei „eine Frau, die mit Engagement, Dynamik und Freude ihr Katholischsein lebt, die sich einsetzt und etwas bewirkt sowie für Veränderung steht, ohne vor den Kopf zu stoßen“, betonte Lohmann. Conny Graßhoff erhalte die Paulus-Plakette stellvertretend für viele andere Menschen, die sich vor Ort in den Gremien engagieren, sagte er.

Christian Breuer