Er hatte das Glück, Jahre später eine Kindergruppe aus der Ukraine zur Therapie nach Deutschland zu bringen. Damals fragten ihn die Ärzte, ob er sich nicht auch gleich behandeln lassen wolle. „Dank dieser Ärzte stehe ich heute vor Euch“, sagte Bugarev in Xanten. Seine Erzählung war ein eindrücklicher Auftakt zur Podiumsdiskussion zwischen Lukas Potthoff, stellvertretender Vorsitzender von „Junges Xanten“, Landtagsmitglied René Schneider (SPD) und Weihbischof Rolf Lohmann, geleitet vom Journalisten Jürgen Flatken.
Grundsätzlich herrschte bei den meisten Themen Einigkeit. Insbesondere dazu, dass Politik, Gesellschaft und Kirche bei den wichtigen Themen der heutigen Zeit Hand in Hand gehen müssen, um etwas erreichen zu können. „Alle müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein“, appellierte Potthoff. Daher sei es wichtig, Brücken zueinander zu bauen. Das bejahte Lohmann, der unterstrich, dass dieses gemeinsame Engagement nicht warten dürfe. „Wir sind jetzt verantwortlich für die eine Welt, die Gott uns anvertraut hat. Alles, was wir jetzt nicht machen, kommt uns teuer zu stehen“, sagte er.
Wichtig sei es, betonten die drei Diskussionsteilnehmer, die Mehrheit der Gesellschaft von der Bedeutsamkeit des gemeinsamen Handelns zu überzeugen. „Dazu sollten wir auch über den Spaß reden, der durch Veränderungen kommen kann. Wie sportlich zum Beispiel ein Elektroauto sein kann oder dass eine bewusste Einschränkung des Fleischkonsums sich positiv auf den Körper auswirkt“, sagte er. Es gehe darum, nicht nur Verzicht zu fordern.
Ein großes Problem sei der sich immer weiterverbreitende Hass insbesondere in den sozialen Medien. Lohmann deutete auf den Gipsabdruck eines toten Wals, der aktuell im Xantener Dom ausgestellt ist: „Die große Mehrheit der Menschen, die sich dieses Kunstwerk anschauen, ist fasziniert und nachdenklich. Aber es gibt auch echte Hasskommentare. Es ist wichtig, dass wir trotz dieser Kommentare, die von einer Minderheit kommen, nicht von unserer Meinung zurücktreten.“ Schneider stimmte zu und forderte das Publikum auf, extremistischen Tendenzen entgegenzutreten: „Wenn Sie Hasskommentare sehen, dann halten Sie dagegen, auch wenn es mühselig ist. Wir müssen die sozialen Medien zurückgewinnen.“ Ein Appell, dem sich Potthoff anschloss: „Wir müssen Haltung zeigen, in den sozialen Medien ebenso wie im richtigen Leben.“
Das Schlusswort hatte nach rund 90 Minuten Anatolii Bugarev. Jeder Mensch müsse sich die Frage stellen, was er persönlich machen kann, um zum Beispiel die Umwelt sauber zu halten. Wenn jeder Einzelne nur ein wenig beitrüge, würden alle zusammen viel erreichen. „Als ich in Tschernobyl war und trotz der tödlichen Strahlung arbeiten musste, habe ich mich gefragt, wofür ich das mache“, erzählte er. „Ich habe das gemacht für die Zukunft der Kinder.“
Christian Breuer

