Dr. Antonius Hamers sprach bei den SonntagsWorten in Senden

, Kreisdekanat Coesfeld

„Als Christen müssen wir dem Frieden dienen. Alles andere ist Verrat am Evangelium.“ Das betonte Dr. Antonius Hamers, Diözesanadministrator des Bistums Münster und Leiter des Katholischen Büros NRW, am späten Sonntagnachmittag, 22. Februar, bei den „SonntagsWorten“ in der St.-Laurentius-Kirche in Senden. Vor zahlreichen Besucherinnen und Besuchern sprach er in der Gottesdienstreihe über die Bedeutung des Friedensgebots in einer von Krisen geprägten Zeit. Seit gut einem Jahr begrüßt Pfarrer Dr. Oliver Rothe einmal monatlich bekannte Persönlichkeiten in der Pfarrkirche, die von ihrem Glauben erzählen.

Die aktuelle Reihe steht unter dem Leitwort „Selig, die Frieden stiften“. Hamers spannte in seinem Vortrag einen großen Bogen von der weltpolitischen Lage über die europäische Geschichte bis hin zu aktuellen Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft. Der russische Angriff auf die Ukraine, der sich in diesen Tagen zum vierten Mal jährt, präge das Denken vieler Menschen, sagte er. „Hunderttausende Tote, Millionen Geflüchtete, verschleppte Kinder, zerstörte Städte – wir dürfen uns daran nicht gewöhnen.“ Frieden müsse im Gebet immer wieder neu erbeten werden. Die Bitte „Gib Frieden in unseren Tagen“ spreche er derzeit „mit besonderer Inbrunst“.

 

Pfarrer Rothe überreicht Dr. Hamers ein Buch.

Pfarrer Dr. Oliver Rothe (rechts) bedankte sich bei Dr. Antonius Hamers für seine Ausführungen unter anderem mit dem signierten Buch „Meine Seligpreisungen“ von Dr. Beatrix von Weizsäcker.

© Bistum Münster

Der Blick über Europa hinaus zeige weitere Kriegs- und Krisengebiete, etwa im Sudan, im Irak oder in Syrien. „Es darf uns nicht gleichgültig lassen, was Menschen angetan wird“, sagte er und fügte hinzu: „Frieden ist keine Selbstverständlichkeit.“

Persönlich wurde Hamers, als er von einem Brief seines Großonkels erzählte, der 1918 als junger Soldat an der Westfront starb. „Hoffentlich ist dieser Spuk bald vorbei“, habe dieser wenige Tage vor seinem Tod an seine Eltern geschrieben. Für Hamers wurde darin deutlich, „wie zerbrechlich Frieden ist – und wie dankbar wir sein müssen, dass wir heute in Freiheit und Wohlstand leben dürfen“.

Ein Aspekt seines Vortrags war die Bedeutung Europas als Friedensprojekt. Seine eigenen Erfahrungen während seiner Zeit in Brüssel als junger Rechtsreferendar im Europäischen Parlament hätten ihn geprägt. „Wir feierten Feste mit jungen Leuten aus Ländern, deren Großväter noch aufeinander geschossen hatten. Das hat mich zutiefst berührt.“ Die europäische Einigung nannte er „einen unendlichen Schatz“. Nicht zufällig seien ihre Gründerväter wie Robert Schuman, Konrad Adenauer, Jean Monnet und Alcide de Gasperi tief aus dem christlichen Glauben heraus motiviert gewesen. „Ihr Glaube hat Europa geprägt – und daraus erwächst Auftrag und Verantwortung für uns heute.“

Dr. Antonius Hamers

Diözesanadministrator und Leiter des Katholischen Büros NRW

Ausdrücklich wandte sich Hamers gegen jede Form religiöser oder kirchlicher Legitimierung von Gewalt. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill, der den Angriffskrieg Russlands unterstützt, sei „ein Kriegstreiber“ und handle „gegen den Geist Jesu Christi“. Für Hamers ergibt sich daraus unmissverständlich der Auftrag, Frieden zu stiften. „Der Friede sei mit euch – das ist unsere Kernbotschaft.“

Neben den weltpolitischen Konflikten thematisierte er auch zunehmende Spannungen innerhalb der deutschen Gesellschaft. Polarisierung, Vereinfachung und der Verlust gemeinsamer Überzeugungen bereiteten ihm Sorge. „Der innere Friede unseres Landes ist gefährdet“, sagte er. Christinnen und Christen seien gefordert, Gespräche zu ermöglichen und Brücken zu erhalten, auch wenn dies mühsam sei. Klar sei aber ebenfalls: „Wo Menschenfeindlichkeit oder die Verachtung der Menschenwürde beginnt, müssen wir unmissverständlich widersprechen.“

Hamers gab zudem Einblicke in die Arbeit des Katholischen Büros. Die Kirche suche dort den Austausch mit Politik und gesellschaftlichen Akteuren, um die Belange ihrer Einrichtungen und grundlegende Fragen wie Menschenwürde, Lebensschutz oder Gerechtigkeit einzubringen. Aufgabe der Kirche sei dabei „weder Regierung noch Opposition“. Sie sei Anwältin der Menschenwürde, des Friedens und des Lebens.

Zum Abschluss fasste Hamers zusammen, worauf kirchliches Handeln in politischen Fragen fußen müsse: die Verteidigung zentraler Werte wie Würde, Freiheit und Frieden; politische Neutralität; die Vermeidung innerkirchlicher und gesellschaftlicher Spaltungen; die Priorität von Liturgie, Verkündigung und Seelsorge; die Bereitschaft zum Dialog und der Blick auf die Hoffnung des Evangeliums, die über das rein Weltliche hinausweise.

Kirchliches Handeln dürfe nicht darauf ausgerichtet sein, Beifall zu bekommen, betonte er. Es gehe darum, Diskussionen zu ermöglichen und Probleme klar zu benennen. Er wünsche sich „mehr Barmherzigkeit, mehr Zuhören, mehr Bereitschaft zum echten Streit im guten Sinne“. Die zentrale Botschaft bleibe: „Selig, die Frieden stiften – für den äußeren Frieden in der Welt und für den inneren Frieden in unserer Kirche und Gesellschaft.“

Michaela Kiepe