Drittes Freckenhorster Forum zu wirtschaftlichen Grundprinzipien
Solidarität und Subsidiarität sind Brennpunkte einer ethisch verantworteten Wirtschaft. Das hat Weihbischof Dr. Stefan Zekorn beim dritten Freckenhorster Forum "Wirtschaft trifft Kirche – Kirche trifft Wirtschaft" am 29. Juni betont.
Der Weihbischof diskutierte gemeinsam mit Dr. Ulrich Schröder, Vorstandsvorsitzender der KfW Bankengruppe, und Johannes Schulte-Althoff , Vorstandsmitglied der Agravis Raiffeisen AG, in der Landvolkshochschule Freckenhorst über die Frage "Wie motiviert Wirtschaft? Herausforderungen zwischen Solidarität und Subsidiarität".
Solidarität meine, die Belange der Anderen, also der Mitarbeiter und Kunden, von Anfang an in einen Entscheidungsprozess einzubeziehen, verdeutlichte Zekorn. In seiner Enzyklika "Laudato si" führe Papst Franziskus aber aus, dass diese Belange der Anderen in einem deutlich weiteren Rahmen gesehen werden müssten, beispielsweise im Hinblick auf globale Verflechtungen. "Unsere Wirtschaft, unsere Unternehmen hier haben auch eine Verantwortung für globale Prozesse, Nachhaltigkeit und Finanzinstitutionen", betonte Zekorn. Einen Spielraum für Eigeninitiative des Einzelnen umfasse und fordere dagegen das Prinzip der Subsidiarität. Dabei gehe es vor allem um eine grundsätzliche Förderung der Schwächsten aus der Überzeugung heraus: "Erstmal ist das, was der einzelne Mensch tun kann, ein großer Wert."
Entscheidend sei das Verhältnis dieser beiden Prinzipien, erklärte Zekorn und verdeutlichte dies am Beispiel der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). "Ich glaube, dass die EZB das Thema zu stark auf Solidarität ausrichtet, nämlich die Solidarität mit den südlichen Ländern." Dies sei wichtig, jedoch leide die Subsidiarität darunter. So hätten beispielsweise einige Orden große finanzielle Probleme, weil sie ihr Kapital nicht in Aktien oder Immobilien angelegt hätten, sondern für die Altersvorsorge der Schwestern auf die Geldpolitik gesetzt hätten. "Gerade auch aus christlicher Perspektive geht es um eine Balance von Solidarität und Subsidiarität", betonte der Weihbischof.
Dr. Ulrich Schröder formulierte drei Kriterien für erfolgreiches wirtschaftliches Handeln. So müsse sich jedes Unternehmen bewusst sein, dass es für und mit Menschen arbeite. "Jeder unserer 6000 Mitarbeiter verkörpert Kompetenzen und Fähigkeiten, die nur er hat, das ist ein großer Schatz", sagte er. Eine wertschätzende Haltung gegenüber den Mitarbeitern werde so zu einem Eckpfeiler eines erfolgreichen Unternehmens. Außerdem dürfe sich ein Unternehmensziel nicht nur am Profit orientieren, sondern benötige darüber hinaus einen gesellschaftlich nachprüfbaren Zweck. Drittens sei es wichtig, immer wieder Entscheidungen kritisch in Frage zu stellen.
Den Menschen stellte auch Johannes Schulte-Althoff in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Die Agravis Raiffeisen AG sei als ein Agrarhandelsunternehmen dem Genossenschaftsgedanken verbunden. So seien landwirtschaftliche Betriebe mit 4,6 Prozent und Mitarbeiter mit 6,7 Prozent an der Agravis-Aktie beteiligt. Klare Worte fand der Unternehmer für aktuelle Kritik am Berufsstand des Landwirts: "Wenn wir über die Würde des Menschen nachdenken, müssen wir auch über die Würde des Landwirts nachdenken." In den vergangenen Wochen sei diese außer Acht gelassen worden.
Bildunterschrift: Pfarrer Bernd Hante, Präses der Hauskapelle der LVHS, (links) und LVHS-Direktor Michael Gennert (rechts) begrüßten als Gesprächspartner Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, Dr. Ulrich Schröder (Mitte) und Johannes Schule-Althoff.
Text: Bischöfliche Pressestelle/30.06.16
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Foto: Ann-Christin Ladermann/Bischöfliche Pressestelle
