Ein Glaube, der langsam gewachsen ist

, Stadtdekanat Münster

Philipp Teschke hat sich Zeit gelassen. Als viele Gleichaltrige sich als Jugendliche firmen ließen, entschied sich der heute 22-Jährige bewusst dagegen. „Das fühlte sich für mich damals nicht richtig an“, sagt der Architekturstudent, der seit dreieinhalb Jahren in Münster lebt. Am Freitag, 6. Februar, wird er nun gemeinsam mit neun weiteren jungen Erwachsenen in der Jugendkirche in Münster das Sakrament der Firmung empfangen – als Bestätigung eines Glaubens, der über Jahre langsam gewachsen ist.
 

Philipp Teschke wird gemeinsam mit neun weiteren jungen Erwachsenen in der Jugendkirche in Münster das Sakrament der Firmung empfangen.

© Bistum Münster

Aufgewachsen ist Philipp Teschke in Berlin. Er wurde evangelisch getauft, besuchte später eine katholische Schule. Während seine Mutter katholisch ist, konvertierte sein Vater von der evangelischen zur katholischen Kirche – Philipp Teschke und seine Schwester ebenfalls. Kirche und Religion waren zwar präsent, es blieb jedoch lange eher beim Schulunterricht. „Ich fand Religion interessant, aber ich hatte keinen eigenen spirituellen Bezug“, erinnert er sich. 

Der Zugang zum Glauben kam später, ohne einschneidendes Erlebnis, eher als innerer Prozess. Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach dem Guten in der Welt und ein wachsendes Gefühl von Dankbarkeit führten dazu, dass sich Teschke intensiver mit Spiritualität beschäftigte. Er entwickelte kleine Rituale, betete abends, sprach das Vaterunser – zunächst ganz für sich, in den eigenen vier Wänden.

Mit dem Studium in Münster öffnete sich der Blick stärker auch auf die Gemeinschaft. Er begann, regelmäßig Gottesdienste zu besuchen. Besonders die Atmosphäre dort gefällt ihm, empfindet sie als einen ruhigen Wochenabschluss und zugleich -beginn. Im vergangenen Herbst stieß der 22-Jährige auf das Firmangebot der Jugendkirche und meldete sich an. 

Die Vorbereitung erlebte Teschke als intensiv, besonders die Tiefe der Inhalte habe ihn beschäftigt. Die Auseinandersetzung mit dem Heiligen Geist und seinen sieben Gaben wirkte lange nach. Auch das Gespräch mit Weihbischof Dr. Christoph Hegge, der die Firmung spenden wird, habe ihn beeindruckt: „Es war spannend, jemandem zuzuhören, der sich auch mit den aktuellen Fragen und Spannungen in der Kirche auseinandersetzt.“

Wichtig war für ihn auch die Gruppe. Die unterschiedlichen Lebensgeschichten und Glaubenswege der anderen Firmbewerberinnen und -bewerber haben ihm gezeigt, wie vielfältig Zugänge zum Glauben sein können: „Es ist schön, diesen Schritt gemeinsam zu gehen.“

Soziales Engagement gehört für Teschke schon lange zu seinem Leben. Neben dem Studium engagiert er sich bei Rotaract, der Jugendorganisation von Rotary. Verantwortung zu übernehmen und mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, empfindet er als bereichernd. Von der Firmung erhofft er sich keine plötzliche Wende, sondern eine Stärkung. „Eher eine Festigung“, sagt er. Bewusster nach christlichen Werten zu leben, den eingeschlagenen Weg bestätigt zu wissen – darum geht es ihm. Auf die Feier der Firmung freut sich Philipp Teschke: Neben seinen Eltern reist auch seine Taufpatin und zugleich Firmpatin an – ein Wiedersehen nach vier Jahren. 

Ann-Christin Ladermann