Einsatz für prekär Beschäftigte, für Kranke und die Kultur

, Bistum Münster, Stadtdekanat Münster, Kreisdekanat Wesel

Zum zehnten Mal ist am 20. September in Münster der Ehrenamtspreis von Bistum Münster, Diözesankomitee und dem Online-Nachrichtenmagazin Kirche+Leben verliehen worden. Die mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde im Rahmen eines Empfangs in der Akademie Franz Hitze Haus an drei Preisträger übergeben: das Projekt „Nikolaus im Fahrerhaus“ der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Münster, den Ehrenamtlichen Besuchsdienst der Seelsorge durch Studierende am Universitätsklinikum Münster und die Ehrenamtlichen im Geistlichen und Kulturellen Zentrum Kloster Kamp (Kamp-Lintfort).

In Vertretung von Bischof Dr. Heiner Wilmer, der für die Deutsche Bischofskonferenz in Brüssel sein musste, würdigte Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp alle Preisträger in seinem Grußwort: „Sie praktizieren Solidarität mit Menschen, die oft übersehen werden, statt Angst vor Fremden zu propagieren; sie besuchen Menschen und sorgen so für Gemeinschaft, statt auszugrenzen; sie bilden Menschen für die Teilhabe und die Gestaltung von Gesellschaft und Demokratie, statt die Demokratie zu untergraben.“ Der Ehrenamtspreis verstehe sich als Dank, öffentliche Anerkennung und Sichtbarmachung ehrenamtlichen Einsatzes „und als Ermutigung, weiterzumachen, bei allem Krach und aller Hetze”, sagte Winterkamp.

Den ersten Preis erhielt die KAB-Aktion „Nikolaus im Fahrerhaus", überreicht von Ulrich Vollmer (links), Klaus Winterkamp (Mitte) und Markus Nolte (rechts).

Den ersten, mit 5.000 Euro dotierten Preis erhielt das Projekt „Nikolaus im Fahrerhaus“ der KAB im Bistum Münster. Ehrenamtliche aus mehr als 40 Ortsgruppen besuchen dabei im Advent Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer an Rastplätzen. Sie überreichen ihnen Tüten mit kleinen Geschenken und einer Dankeskarte (→ „Nikolaus im Fahrerhaus“ macht auf Lage der Lkw-Fahrer aufmerksam).

Laudator Ulrich Vollmer, Co-Vorsitzender des Diözesankomitees, würdigte die Aktion, mit der „Kirche im Alltag sichtbar" werde, „eine Kirche, die nah bei den Menschen ist”. Zugleich werde so „auf prekäre Arbeitsverhältnisse hingewiesen” und deutlich gemacht, „wie und wo Menschen auch heute ausgebeutet werden.” Die Gesellschaft mache sich „oft keine Vorstellungen davon, was andere Menschen erdulden und ertragen müssen, damit wir selber alles zu jeder Zeit haben können, bequem von zu Hause im Internet bestellt, am besten mit Lieferung gleich am nächsten Tag".

Der zweite Preis ging an den Ehrenamtlichen Besuchsdienst von Studierenden an der Universitätsklinik Münster.

Der zweite Preis und 3.000 Euro gingen an den Ehrenamtlichen Besuchsdienst der Seelsorge durch Studierende am Universitätsklinikum Münster. Rund 25 Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen engagieren sich in verschiedenen Bereichen der Klinik, von der Palliativ- bis zur Kinderstation (→ Studierende besuchen Kranke an der Uniklinik Münster).

Brigitte Lehmann, Co-Vorsitzende des Diözesankomitees, lobte den Einsatz der Studierenden, indem sie Patientinnen und Patienten Zeit schenkten. Diese fehle oft dem Krankenhauspersonal, und auch hauptamtliche Krankenhausseelsorger stießen zeitlich an ihre Grenzen. Besonders zeigte sich Lehmann davon beeindruckt, dass die jungen Menschen diesen Dienst neben ihrem Studium erbringen - zumal sie oft „in Ihrer Freizeit ja auch noch einen Job haben, um finanziell über die Runden zu kommen”. Zudem würden die Studierenden für ihr Engagement gecoacht - und hätten offenkundig Freude an ihrem Einsatz. „Ehrenamt darf Spaß machen, und man darf auch selber etwas daraus mitnehmen. Dann kann man viel mehr geben", betonte Lehmann.

Die Ehrenamtlichen, die im Kloster Kamp für Besuchende da sind, erhielten den dritten Preis des Ehrenamtspreises. Links Laudatorin Theresa Freese.

2.000 Euro erhielten die Menschen hinter dem dritten Preis: die rund 100 Ehrenamtlichen im Geistlichen und Kulturellen Zentrum Kloster Kamp in Kamp-Lintfort. Sie tragen mit verschiedenen Angeboten dazu bei, den Geist des 1123 gegründeten ehemaligen Zisterzienserklosters lebendig zu halten(→ So bleibt der Geist von Kloster Kamp lebendig).

Diese Gruppe bringe Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten, Berufen und Erfahrungen zusammen, würdigte Theresa Freese vom Diözesankomitee in ihrer Laudatio: „Sie schenken anderen Menschen Zeit - und bekommen dafür Gemeinschaft, Begegnungen und viele besondere Momente zurück.” Die Preisträger seien der Grund, dass das Kloster auch Jahre nach dem Auszug der letzten Mönche „wieder Leben in seinen Mauern hat”. Diese Ehrenamtlichen machten Kloster Kamp zu dem, was es heute ist: „ein Ort, an dem Geschichte lebendig bleibt. Ein Ort für Kultur, für Glauben, für Begegnung - und vor allem ein Ort, an dem man willkommen ist.”

Beworben hatten sich diesmal 104 Projekte um den Ehrenamtspreis des Bistums Münster. Über die Preisträgerinnen und Preisträger entschied eine vierköpfige Jury: Theresa Freese und Brigitte Lehmann vom Diözesankomitee, Klaus Winterkamp für das Bistum Münster und Kirche+Leben-Chefredakteur Markus Nolte, der als Moderator zudem durch die Preisverleihung führte. Musikalisch gestaltete das Jazz-Trio aus Wigbert Grohs, Martin Feske und Ivo Kassel die Feierstunde.

Bildunterschrift oben:
An drei Projekte ging der Ehrenamtspreis 2026 von Bistum Münster, Diözesankomitee und Kirche+Leben, der am Sonntag im Franz-Hitze-Haus in Münster verliehen wurde. 

Text: Markus Nolte
Fotos: Tobias Denne (pd)