Pastoraltag im Kreisdekanat Steinfurt

, Kreisdekanat Steinfurt

„Wir fangen einfach an!“ – Viele motivierte Ehren- und Hauptamtliche hat Prof. Dr. Florian Kunz beim ersten Pastoraltag im katholischen Kreisdekanat Steinfurt erlebt. Das stimmt den Lehrenden für Praktische Theologie mit Schwerpunkt Praxisreflexion und -entwicklung in Pastoral und Bildung an der Katholischen Hochschule in Paderborn zuversichtlich. Die etwa 80 Teilnehmenden aus den fünf Pastoralen Räumen hatten sich im KUBUS-Tagungshaus in Rheine-Bentlage getroffen, um einander kennenzulernen und um miteinander zusammen mit Florian Kunz inhaltlich zu arbeiten.

80 Ehrenamtliche und Hauptberufliche aus den Pastoralen Räumen im Kreisdekanat Steinfurt kamen zum ersten Pastoraltag ins KUBUS nach Rheine.

© Bistum Münster

Gefühlt müssten ständig Strukturen angepasst werden, überspitzte Kunz die Situation in den deutschen Diözesen – und damit auch im Bistum Münster: „Das führt zu einer gewissen Müdigkeit.“ Alles immer durch eine Optimierungsbrille zu betrachten, funktioniere auf Dauer nicht und erzeuge Frust, weil man mit den Prozessen immer „hintendran“ sei. „Wir müssen uns deshalb frei machen von einem kirchlichen Normalzustand“, forderte der Theologe. Das während der Eucharistiefeier gebrochene Brot sei dafür symbolhaft und sinnbildlich: „Ich sehe die Kirche als ein Fragment, als Bruchstück, als Provisorium, als etwas Unvollendetes“, formulierte Kunz seine Sichtweise. Dieses Provisorium gelte es zu akzeptieren, um anzukommen, ergänzte der Referent.

Im Austausch mit Katholikinnen und Katholiken spürt Kunz nach eigener Aussage einen starken „Hunger nach Inhaltlichem“. Viele wollten sich nicht mehr mit Strukturen beschäftigen, sondern theologisch und geistlich den Veränderungen begegnen. „Wir müssen und können die Kirche nicht retten“, erklärte der Theologe. Diese Realität anzunehmen sei oftmals entlastend. Dazu gehöre auch, Dinge in Würde sterben zu lassen, die lange Zeit zum kirchlichen Leben dazugehört haben und oftmals mit starken Emotionen verbunden seien – wie beispielsweise Gebäude. Allerdings warnte Kunz in Rheine vor einem Hauruckverfahren und flächendeckenden Lösungen. Die werde es nicht geben: „Wir müssen mit den Unterschiedlichkeiten in den Pfarreien und Pastoralen Räumen leben und diese zulassen.“ Auf die anderen zu schauen, sei Energieverschwendung.

Abschießend machte er den Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen aus dem Kreisdekanat Steinfurt Mut, Experimente zu wagen – und an Misserfolgen nicht zu verzweifeln. 

Gudrun Niewöhner